Alpiner Ski-Weltcup von

Kostelic gewinnt mit Hirn

Der Kroate kurvt bei schwierigen Verhältnissen überlegt zu seinem zweiten Saisonsieg

Alpiner Ski-Weltcup - Kostelic gewinnt mit Hirn © Bild: GEPA/Walgram

Ivica Kostelic ist neben Marcel Hirscher und Ted Ligety einer von drei Zweifach-Saisonsiegern im noch jungen Alpinski-Weltcup. Und der 32-jährige Titelverteidiger aus Kroatien liegt seinem "Plansoll" aus dem Vorjahr um bereits 150 Punkte voraus. Im Vorwinter stellte er mit 999 Punkten in 29 Tagen sowie sieben Siegen die große Kristallkugel praktisch alleine mit seinen Jänner-Erfolgen sicher. Eine Serie, die kaum zu toppen ist. "Alleine so etwas zu wiederholen, wird schon schwer. Es ist aber nicht unmöglich", erklärte Kostelic nach seinem Slalomtriumph in Flachau.

Bei diesem Sieg stellte Kostelic einmal mehr unter Beweis, dass er einer der intelligentesten Skifahrer im Zirkus ist. Während viele Favoriten die vom Neuschnee aufgeweichte Piste mit der Brechstange zu knacken versuchten, warf der von Papa Ante und Schwester Janica betreute Kostelic sein ganzes Gefühl in die Waagschale. Als Halbzeitführender hatte er sich vor der Entscheidung extra mit geschossenen Augen in den Schnee gelegt, um "runterzukommen", nachdem er es zuvor in Alta Badia noch viel zu aggressiv angegangen war. "Ich wollte diesmal einfach nicht zu hart fahren", erklärte der Slalom-Weltcupsieger, der erst einmal (Kitzbühel) ein Rennen im zweiten Durchgang verloren hat.

Obwohl er durch seine Knieoperation im Frühjahr viel Trainingszeit verloren hat, hat "Ivo" bereits in Beaver Creek und Flachau gewonnen. Der Kroate schwört bekanntlich auf die vom Papa verordneten, immensen Trainingsumfänge und kann das auch erklären. "Das Wissens-Spektrum eines Skirennfahrers sollte möglichst groß sein. Ingemar Stenmark war so einer, der viel wusste. Denn dann fährt man bei allen Bedingen immer gut. Wenn man viel trainiert hat, weiß der Körper automatisch, was er tun soll. Egal wie der Schnee ist. Du musst nur noch die richtigen Ski nehmen."

Rotes Trikot für Zagreb
Für Kostelic war der Flachau-Sieg - sein 14. im Slalom und der 20. insgesamt - ein besonderer. "Denn jetzt komme ich mit dem roten Trikot zum Heimrennen in Zagreb", freute sich Kostelic auf das für ihn wohl wichtigste Rennen des Jahres am 5. Jänner. Zu Weihnachten ("Der einzige Tag, den ich neben Ostern wirklich feiere") kommt Fisch am 24. und Huhn am 25. Dezember bei den Kostelics auf den Tisch. Danach wird auch in der Innerkrems für den Parallelslalom in München, wo im Vorjahr seine einzigartige Serie begann, trainiert. Die Silvester-Abfahrt in Bormio lässt er aus. "Ich muss trainieren. Der Jänner ist vor allem für Slalomfahrer ein wichtiger Monat."

Kostelic ist einer von jenen wenigen Fahrern, dessen Siege sich über bereits ein Jahrzehnt spannen. Den ersten feierte er im November 2001 in Aspen (mit Nummer 64), in Flachau hatte er bereits 2002 ein Mal gesiegt. Die Fragen nach dem Gesamtweltcup beantwortete Kostelic wenig überraschend mit "noch zu früh". Seine Herangehensweise hat sich aber nicht verändert. "Im Weltcup liegt das Gewicht eindeutig auf den Speedbewerben. Als Techniker kannst du ihn nur holen, wenn du möglichst viele deiner Rennen gewinnst."

Österreicher keine Favoriten
Ähnliches gelte für Marcel Hirscher. Während Kostelic auch in Kombis und im Super-G Topfahrer ist, muss sich der aktuelle Weltcup-Leader aus Salzburg noch mehr auf die Technikrennen konzentrieren, um in der Gesamtwertung eine Rolle zu spielen. "Für ihn wird es sicher schwer. Aber wenn er weiter siegt, ist es nicht unmöglich", traut Kostelic dem Österreicher einiges zu. Favoriten seien aber andere. Der Norweger Aksel Lund Svindal etwa. Kostelic: "Er fährt gut und seine Ski funktionieren perfekt."