Alpiner Ski-Weltcup von

Angsthase als Favorit

Abfahrt in Gröden: Schwede Olsson könnte für die nächste Überraschung sorgen

Alpiner Ski-Weltcup - Angsthase als Favorit © Bild: GEPA

Überraschungen stehen beim Abfahrts-Klassiker des alpinen Ski-Weltcups der Herren in Gröden auf der Tagesordnung. Und auch heuer kündigt sich eine an, denn Hans Olsson hat in den beiden Trainings auf der Saslong die Konkurrenz mit Technik und Gleitkunst deklassiert und ist damit zu einem der Topfavoriten für die heutige Abfahrt (12.15 Uhr/live im NEWS.AT-Ticker) avanciert. Der Schwede ist überzeugt, dass er dem Druck standhalten wird.

Ich glaube, dass ich auch am Samstag locker bleiben werde. Es ist ja nur ein Skirennen", meinte Olsson, der seit 2008 in Innsbruck lebt, gelassen. Der 27-Jährige möchte nach zwei dritten Plätzen seinen ersten Weltcup-Sieg einfahren und es damit gleichzeitig einigen ihm wichtigen Personen ordentlich zeigen. Allen voran seiner Mutter. "Meine Mama sagt immer, dass ich ein Angsthase bin. Sie will, dass ich nicht so passiv fahre und mehr Gas gebe", berichtete Olsson.

Zu dicker Hintern für den Langlauf
Und der Junior gibt seiner Mutter eigentlich auch recht. "Ich bin vielleicht der einzige Abfahrer, der ein Angsthase ist. Aber ich kämpfe dagegen an", sagte Olsson lächelnd. Vielleicht liegt der Respekt vor den steilen, gefährlichen Abfahrten des Weltcups darin begründet, dass Olsson in Mora geboren wurde. Mora liegt im schwedischen Flachland und ist alljährlich Zielort des 90 Kilometer langen Langlauf-Klassikers Wasalauf. "Eigentlich hätte ich Langläufer werden sollen, aber dafür habe ich einen zu dicken Hintern", erzählte das über 100 Kilogramm schwere "Bröckerl".

Auch sein Bruder wurde nicht Langläufer, der um zwei Jahre ältere Jon ist nämlich einer der berühmtesten Freestyle-Skifahrer der Welt. Mit einem Sieg in Gröden könnte Hans, in seiner Jugend ebenfalls Freestyler, auch ein wenig aus dem Schatten von Jon treten. Jon hat schon neun Medaillen bei den Winter-X-Games gesammelt, ist aber mittlerweile so wie sein Bruder auch im alpinen Ski-Weltcup am Start. Am Sonntag wird Jon beim Riesentorlauf-Klassiker in Alta Badia versuchen, seine ersten Weltcup-Punkte einzufahren und einen Schritt Richtung Olympia 2014 zu machen.

Der "halbe Tiroler"
"Ich versuche Jon klar zu machen, dass er auch trainieren muss, Talent alleine reicht nicht. Aber bis jetzt hat er es mir noch nicht geglaubt", berichtete der jüngere Olsson-Bruder. Hans Olsson zieht sich zwar so wie sein einziger Abfahrts-Teamkollege Patrik Järbyn (42 Jahre) den blau-gelben Skianzug der Schweden an, bezeichnet sich mittlerweile aber in sehr gutem Deutsch als "halber Tiroler". "Mir schmeckt das österreichische Essen sehr gut, ich liebe vor allem Wiener Schnitzel. Außerdem muss ich fürs Trainieren nicht so viel reisen", weiß Olsson die österreichischen Annehmlichkeiten zu schätzen.

Bis vor kurzem war der einstige Slalom-Spezialist stolzer Besitzer eines Porsche 997. Den hat er aber verkauft, da er Geld für sein neues Zuhause in Aldrans bei Innsbruck braucht. Dort wird er wohl vorerst meist alleine leben, denn seine Freundin, die erfolgreiche Skifahrerin Maria Pietilä-Holmner, ist nur schwer von ihrer Heimat zu trennen. "Ich versuche immer, Maria nach Österreich zu kriegen. Aber sie liebt Schweden, das wird schwer."