Motor von

Comeback der blauen Legende

Alpine A110 © Bild: Hersteller

Die Alpine A110, jetzt als eigene Marke unter Renault-Regie, ist wieder da. Mit Optik von gestern, aber Technologie von heute.

Die blaue Flunder, die da auf der kleinen Rennstrecke in der Provence ihre Runden mit der Präzision eines Uhrwerks dreht, weckt Erinnerungen an die große Zeit französischer Sportwagen. An damals, als Alpine neben der viele Jahrzehnte eingestellten Nobelmarke Bugatti und dem exotischen Venturi (heute in der Formel E aktiv) der einzig bedeutende Hersteller von Sportflitzern in Frankreich war. Und die selbst Porsche-Fahrern lange ordentlich Respekt einflößten, weil sie Rennerfolge noch und nöcher (Rallye Monte Carlo und erste Rallye-Weltmeisterschaft überhaupt) feierten.

Alpine A110
© Hersteller

Natürlich werden diese Reminiszenzen ganz bewusst geweckt, denn jetzt ist sie endlich wieder da -die Alpine A110, die Inkarnation der Marke. Flach, blau und mit den typischen Doppelscheinwerfern wie damals. Damit ist neben Borgward das vielleicht überraschendste Comeback geglückt, hat die Marke doch 1995 die Produktion eingestellt. Auch wenn schon seit Jahren regelmäßig über eine Rückkehr spekuliert und die Begehrlichkeit zuletzt mit Studien angeheizt wurde. Schließlich genießt Alpine in Frankreich einen Ruf wie Ferrari in Italien. Die neue A110 ist als alltagstauglicher Mittelmotor-Sportwagen angelegt. Unter der Haube werkelt ein neu konzipierter Vierzylinder, der aus 1,8 Liter Hubraum 252 PS holt. Die sieben Gänge verwaltet ein Doppelkupplungsgetriebe.

Der Einstieg in die nur 1,25 Meter niedrige Alpine gelingt völlig problemlos, ohne akrobatische Einlagen. Man nimmt im (0ptionalen) hochgelobten Sabelt-Sportsitz Platz, der zwar ausgezeichneten Seitenhalt gibt, dessen Lehne aber eine Spur zu flach steht und nicht verstellbar ist. Und mangels Lordosenstütze hängt nach mehrstündiger Testfahrt das Kreuz unangenehm durch. Das Platzangebot des Zweisitzers ist in Ordnung, sieht man von den beiden Kofferräumen ab. Da fragt man sich ernstlich, ob man für eine Urlaubsreise mehr als die Kreditkarte mitnehmen soll.

Alpine A110
© Hersteller

Natürlich ist das Fahrfeeling der neuen Alpine A110 (knapp 1.100 Kilo leicht) völlig anders als damals. Die nervöse Hinterachse der alten A110 ist Schnee von gestern, heute bringen nicht einmal provozierte Lastwechsel durch Gaswegnehmen das Mittelmotor-Coupé aus der Ruhe. Kurven können mit stoischer Ruhe und Präzision umrundet werden, Fahrbahnunebenheiten werden zwar möglichst weggefiltert, bringen aber ein wenig Unruhe ins Heck. Drei Fahrmodi stehen zur Wahl, aber schon in der Basisstufe zeigt der Turbomotor, dass er nichts an Akkuratesse und Dynamik gegenüber dem Vorfahren verloren hat und auch noch genauso pur klingt.

Daten

Alpine A110

Preis: € 62.600,-
Motor: 4 Zylinder, Turbobenziner, 1.798 ccm
Leistung: 252 PS (185 kW)
Spitze: 250 km/h 0-100: 4,5 Sek.
Verbrauch: 6,1 l/100 km (Werk)
Emission: 138 g CO2/km
Fazit: Mit der neuen Alpine A110 hat man Fahrspaß, Alltagstauglichkeit und eine Prise Historie. Und fällt auf wie ein bunter Hund