Alonso schwört Team auf hartes Finale ein:
"Müssen einige Schmerzen in Kauf nehmen"

Massa kündigt Hilfe an - allerdings nicht auf Dauer "Sicher kein zweiter Barrichello": Er vertraut Ferrari

Alonso schwört Team auf hartes Finale ein:
"Müssen einige Schmerzen in Kauf nehmen" © Bild: Reuters/Pfaffenbach

Doppelweltmeister Fernando Alonso hat sein Ferrari-Team vor dem Grand Prix von Japan auf die Anstrengungen eingeschworen, die im Rennen um die WM-Krone in den abschließenden vier Läufen noch vor ihnen liegen. Der 29-jährige Spanier meldete sich mit zuletzt zwei Siegen in Folge in Monza und Singapur im Titelkampf zurück. Lediglich elf Zähler fehlen dem Triumphator von 2005 und 2006 auf Leader Mark Webber im Red Bull.

Die Bullen dürften auf dem aerodynamisch anspruchsvollen Kurs in Suzuka allerdings klar zu favorisieren sein. Vorjahressieger Sebastian Vettel hat seine Hoffnungen auf seinen ersten WM-Titel mit zehn Punkten Rückstand auf Alonso jedenfalls noch lange nicht abgeschrieben. Fehler wird sich der Deutsche bei 21 Punkten Rückstand auf seinen Teamkollegen aber ebenso keine mehr leisten dürfen wie das McLaren-Duo Lewis Hamilton und Jenson Button.

Fünf Rivalen um WM-Titel
Die fünf WM-Rivalen sind vier Rennen vor Schluss nur durch 25 Punkte getrennt - genau so viele, wie für einen GP-Sieg vergeben werden. Alonso hat mit seinem Doppelpack viel Boden gutgemacht. "Ich weiß aber, dass der schwierigste Teil noch vor uns liegt", betonte der WM-Zweite, der im Renault bereits 2006 und 2008 in Japan triumphiert hatte. Drei Rennen in Serie hat der Asturier zuletzt 2006 gewonnen, als er seinen zweiten Titel geholt hatte.

"Jetzt wird es wirklich ernst. Wir müssen einige Schmerzen in Kauf nehmen, und jeder muss alles geben, ohne einen einzigen Schritt zurück zu machen", schwor Alonso seine Mannschaft auf das Saisonfinale ein. "Wir haben heuer schon so oft gesehen, wie schnell sich die Situation ändern kann. Es kann immer noch alles passieren", erklärte der Spanier. "Fest steht allerdings, dass es, wenn einer der Fünf einen Fehltritt begeht, für ihn besonders schwer wird."

Massa: "Fahre keine Rennen um Zweiter werden zu dürfen"
Felipe Massa geht nicht davon aus, dass ihn Ferrari zu Fernando Alonsos Wasserträger degradiert. "Ich bin sicher, dass mich Ferrari zu keinem zweiten Rubens Barrichello macht", sagte der brasilianische Formel-1-Rennfahrer in einem Interview mit der deutschen Zeitschrift "Sport Bild". "Sollte das doch passieren, werde ich aufhören, für Ferrari zu fahren. Ich fahre doch keine Rennen, um am Ende Zweiter werden zu dürfen."

Massa spielte damit auf das Los seines Landsmanns Barrichello an, der zu seiner Ferrari-Zeit Rekordweltmeister Michael Schumacher mehrfach auf Befehl hatte passieren lassen müssen. Diese Anweisungen führten schließlich zum Verbot der Stallorder. Massa erklärte jedoch, der italienische Rennstall respektiere ihn. "Deshalb bin ich sicher, dass ich nächstes Jahr wieder siegen darf", sagte der 29-Jährige und gestand damit indirekt, dass er Alonso in Hockenheim doch auf Anordnung den Vortritt hatte lassen müssen.

Ferrari bestreitet jegliche Teamorder
Der Spanier hatte an jenem 25. Juli den Grand Prix von Deutschland gewonnen, nachdem ihn der führende Massa hatte überholen lassen. Die Ferrari-Verantwortlichen und auch die Fahrer bestritten hinterher, es habe sich um eine Teamorder gehandelt. Das Team musste wegen des ominösen Vorfalls 100.000 Dollar Strafe bezahlen. Der Motorsport-Weltrat der FIA hatte bei einer späteren Verhandlung zwar von Teamorder gesprochen, es aber mangels weiterer rechtlicher Handhabe bei dieser Geldstrafe belassen.

Der "Sport Bild" sagte Massa zu dem Skandal: "Ich werde darüber nicht reden. Nur so viel: ganz sicher war ich extrem enttäuscht." Zugleich sicherte der aktuelle WM-Sechste, der wegen seines großen Rückstands keine realistische WM-Chance mehr hat, seinem Teamkollegen im Titelrennen seine volle Unterstützung zu. Er werde versuchen, Alonsos Rivalen Punkte wegzunehmen.

Webber optimistisch
Sollte der Grand Prix von Südkorea am 24. Oktober auf der neuen Strecke in Yeongam überraschend doch noch abgesagt werden, wären danach gar nur noch die Rennen in Brasilien (7. November) und Abu Dhabi (14. November) ausständig - ein Boost für den, der zu diesem Zeitpunkt voranliegt. Webber ist in Japan noch nie auf das Podest gefahren. "Ich bin trotzdem optimistisch", betonte der Australier. "Wir werden dort sehr konkurrenzfähig sein."

Der WM-Dritte Hamilton hatte 2007 in seiner Debütsaison in Fuji triumphiert, im Vorjahr war er auf der Traditionsrennstrecke in Suzuka auf Platz drei gefahren - hinter Vettel und Überraschungsmann Jarno Trulli im Toyota. In den vergangenen vier Grand Prix war der Brite allerdings dreimal ausgefallen - und hat damit die WM-Führung verspielt. In Singapur kollidierte er mit Webber. "Ich brauche ein starkes Ergebnis, um meine Titelhoffnungen wieder aufleben zu lassen", ist sich Hamilton bewusst.

(apa/red)