Almosen sind keine Frage der Politik.
Sie sind eine humane Verpflichtung

Pohl-Position von Walter Pohl: Meine Bettlerin PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Almosen sind keine Frage der Politik.
Sie sind eine humane Verpflichtung © Bild: NEWS

Die „Anker“-Filiale um die Ecke der NEWS-Redaktion in der Wiener Taborstraße: Neben dem Geschäft sitzt seit geraumer Zeit eine Bettlerin, in alten Fetzen, graubraune Hände mit Lederhaut, einen Plastikbecher in der Hand. Bei Temperaturen, die einem kalte Schauer über den Rücken jagen.

Natürlich ist sie Teil einer organisierten Gruppe, wird am Morgen von ihren Capos ausgesetzt und am Abend einkassiert. Im doppelten Wortsinn.

Ich hole mir an jedem Morgen eine Melange und einen Kraftriegel um 2 Euro 98 Cent. Dann, am Rückweg ins Büro, lasse ich 20 oder 40 Cent in ihren Becher fallen. Eines Tages monierte ein Kollege, der sich ebenfalls eine Melange holte, Folgendes: „Spinnst du? Mit deiner Spende förderst du nur die organisierte Bettlerei, das geht doch alles in die Taschen der Mafia.“

Ich, gleichmütig: „Na und? Glaubst du, die friert sich hier gerne ihren Arsch ab? Oder gar freiwillig?“ „Nein“, replizierte der Kollege. „Eben“, folgerte ich. „Irgendwas bleibt ihr. Und für diesen marginalen Teil sozialer Anteilnahme bin ich da. Mafia hin oder her …“