"Alles in Ordnung": Silvio Berlusconi zeigt
sich erstmals seit acht Jahren vor Gericht

Italo-Premier wegen Steuerhinterziehung angeklagt Verhandlung im Mediatrade-Prozess auf April vertagt

"Alles in Ordnung": Silvio Berlusconi zeigt
sich erstmals seit acht Jahren vor Gericht © Bild: Reuters/Garofalo

Der italienische Premier Silvio Berlusconi ändert seine Verteidigungsstrategie. Nachdem er sich bisher hartnäckig geweigert hatte, vor Gericht zu erscheinen, zeigte sich der Ministerpräsident und Medienmogul erstmals seit acht Jahren persönlich in einem Vorprozess um Steuerhinterziehung, in dem er mit seinem Sohn Piersilvio und dem Präsidenten seines Medienkonzerns Mediaset, Fedele Confalonieri, angeklagt ist. Nach einer rund zweistündigen Anhörung hinter verschlossenen Türen beschloss das Gericht, die Verhandlung auf den 4. April zu vertagen. "Berlusconi will zum Musterangeklagten werden und an allen Gerichtsverhandlungen teilnehmen", kommentierten italienische Medien.

Nach dem Gespräch mit den Richtern verließ Berlusconi den Mailänder Justizpalast. Vor dem Gebäude kam es zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen Gruppen von Anhängern und Gegnern des Medienmoguls. "Silvio, Silvio!", riefen Aktivisten von Berlusconis Mitte-Rechts-Partei "Volk der Freiheit". "Prozess!" und "Schande!", skandierten die Gegner des Premierministers. Wegen des Andrangs von Journalisten und Demonstranten kam es zu einem Verkehrschaos in den Straßen rund um das Justizgebäude.

Beim Verlassen des Gerichtssaals grüßte Berlusconi seine Anhänger. "Alles in Ordnung. Ich werde bei der nächsten Gerichtsverhandlung am 4. April dabei sein", sagte der Premier. Auf die Frage, ob er meine, dass ihn der am 6. April beginnende Prozess wegen Sex mit einer minderjährigen Prostituierten schaden werde, antwortete Berlusconi lediglich: "Das ist ein anderes Verfahren".

Auch Söhne von Berlusconi angeklagt
Im sogenannten "Mediatrade"-Verfahren geht es um Steuervergehen beim Verkauf von Film-und TV-Rechten. Angeklagt sind Berlusconis Sohn Piersilvio und Mediaset-Präsident Fedele Confalonieri. Berlusconis Gruppe soll Filmrechte zu überhöhten Preisen gekauft haben, um Schwarzgeld auf geheimen Bankkonten hinterlegen zu können, lautet der Vorwurf der Mailänder Staatsanwaltschaft.

In einem TV-Interview versicherte Berlusconi, dass die Vorwürfe gegen ihn unbegründet seien. Er habe sich innerhalb seines Mediaset-Konzerns nie um den Kauf von Filmrechten gekümmert.

(apa/red)