Wahr oder falsch? von

Allergien: Das sind
die größten Mythen

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Rund ein Drittel der Österreicher leidet an einer Allergie, so die Molekularbiologin Dr. Nora Zulehner. Und obwohl dieses Thema heute bereits allgegenwärtig ist, ist es nach wie vor mit einer Vielzahl an Mythen behaftet. Wir räumen mit den häufigsten auf.

1. Impfen erhöht bei Kindern das Allergierisiko

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Die Angst, Impfungen in jungen Jahren könnten bei dem Heranwachsenden zu einem erhöhten Risiko führen, an einer Allergie zu erkranken, ist heute unter Müttern und Vätern weit verbreitet. Sie ist, so Zulehner, aber völlig unbegründet. Es gebe keine wissenschaftlichen Studien, die belegen, dass Impfen die Allergieanfälligkeit erhöht.

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2. Hypoallergene Hunde und Katzen für Allergiker

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Wer an einer Hunde- oder Katzenhaarallergie leidet und dennoch nicht auf einen vierbeinigen Mitbewohner verzichten will, ist mit einer hypoallergenen Rasse gut beraten? Jein. Es gebe zwar Rassen, bei denen die Produktion von Allergenen geringer ist, so die Molekularbiologin. Komplett allergenfreie Rassen gibt es aber nicht. Die Allergene werden nämlich nicht über das Fell, sondern viel mehr über den Speichel und ein Sekret der Hautdrüsen freigesetzt. "Da helfen auch Züchtungen ohne Fell nichts", erklärt Zulehner.

3. Die Pollen haben nur im Frühjahr und im Sommer Saison

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Auch bei dieser Annahme handelt es sich leider um einen Irrglauben. "Der Pollenflug beginnt bereits im Februar und kann bis in den November hinein dauern", so die Expertin. Im März, April, wenn die Birke fliegt, hat die Pollensaison ihren ersten Höhepunkt. Dann geht es weiter mit den Gräsern. Spätblüher wie Ragweed und Beifuß, die beide als sehr aggressiv gelten, können auch noch im Herbst Allergien auslösen. Nach August sollte das Schlimmste aber überstanden sein.

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4. Ein Allergietest zeigt, ob eine Intoleranz vorliegt

Dem ist nicht so. Und zwar aus einem einfachen Grund: Eine Intoleranz ist keine Allergie. Folglich kann sie auch nicht mittels Allergietest diagnostiziert werden. Zum besseren Verständnis: Eine allergische Reaktion wird von Antikörpern, allen voran von jenen des Typs IgE, ausgelöst. Eine Unverträglichkeit etwa auf Laktose oder Fruktose kommt deshalb zustande, weil dem Betroffenen das Enzym fehlt, das für die Verdauung des entsprechenden Stoffs - in dem Fall des Milch- oder Fruchtzuckers - notwendig ist.

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Um festzustellen, ob eine Allergie vorliegt, kommen folgende Methoden zum Einsatz: der Blut-, der Haut- und der Provokationstest. Bei Ersterem wird untersucht, ob sich im Blut des Patienten Antikörper befinden, die auf eine Allergie hinweisen. In die Kategorie der Hauttests fallen u.a. der Prick- und der Epikutantest. Bei Letzterem werden die Allergene mittels Pflaster auf die Haut aufgetragen. Beim Provokationstest wiederum werden kleine Mengen des Allergens verabreicht und die körperlichen Reaktionen medizinisch überwacht.

Zwar gibt es mittlerweile auch Bluttests, die zur Diagnose von Unverträglichkeiten herangezogen werden. In erster Linie kommt hier aber ein Atemtest zum Einsatz

5. Schwangere und Stillende sollten Allergene meiden

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Diese Annahme basiert wohl auf der Sorge, dass der mütterliche Konsum hochallergener Lebensmittel, wie es etwa Erdnüsse sind, beim Ungeborenen oder beim Säugling zu einer Überreaktion des Immunsystems und damit zu einer Allergie führen können. Dem ist aber nicht so, widerspricht Zulehner und betont die Notwendigkeit einer ausgewogenen und nährstoffreichen Ernährung gerade während der Schwangerschaft und der Stillperiode.

6. Keine hochallergenen Lebensmittel für Kinder unter einem Jahr

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Auch hier widerspricht die Allergie-Expertin vehement. Es wird empfohlen, zwischen dem fünften und dem siebten Lebensmonat zum Zufüttern zu beginnen. Dabei sollte man nicht - aus Angst, sie könnten das Allergierisiko erhöhen - auf gewisse Nährstoffe verzichten. Im Gegenteil: "Es ist gut, wenn das Kind früh in Berührung mit Allergenen kommt, damit sich das Immunsystem ganz normal entwickeln kann", erklärt Zulehner. Bei einem Nahrungsmittel sollte man allerdings Vorsicht walten lassen, und zwar bei Kuhmilch. Diese sollte das Kind anfangs nur in kleinen Mengen konsumieren.

7. Immer mehr Menschen leiden an einer Allergie

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Diese Annahme stimmt leider. Seit den 1970er Jahren ist die Zahl an Allergikern in Ländern mit westlichem Lebensstil enorm gestiegen, bis sie sich im letzten Jahrzehnt schließlich auf sehr hohem Niveau stabilisiert hat. Dies lässt sich zum einen auf die wachsende Umweltbelastung zurückführen. Sie trägt dazu bei, dass Pollen immer aggressiver werden. Zum anderen kommen wir, verglichen mit den Generationen vor uns, immer seltener mit Bakterien und Viren in Kontakt. Auch das könne, so Zulehner, die Entstehung von Allergien begünstigen.

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Zur Person: Nach dem Studium der Molekularbiologie hat Dr. Nora Zulehner fünf Jahre lang am AKH-Wien am Institut für Allergieforschung als Wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet und dort promoviert. Derzeit arbeitet sie als Medical Advisorin im Healthtec-Unternehmen igevia.

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