Allein gegen die Mafia: Geschäftsleute in
der Wiener City rüsten mit Privat-Cops auf

Immer mehr organisierte Banden auf Diebestouren NEWS: Pro Einbruch bis zu einer halben Mio. € Beute

Allein gegen die Mafia: Geschäftsleute in
der Wiener City rüsten mit Privat-Cops auf

Alarm in der City. Immer mehr organisierte Ostbanden gehen in Wien auf Luxus-Beutezüge. Die Geschäftsleute rüsten jetzt mit privaten Sicherheitskräften auf. Über 130 Kaufleute sind über ein lokales Funknetz permanent in Verbindung mit einem persönlichen Guard, der nach dem Auslösen eines Alarmrufes in 30 bis 90 Sekunden im jeweiligen Geschäft ist.

Mehrere Einbrecher sind in das seit 200 Jahren bestehende Juwelier-Geschäft im Palais Harrach eingedrungen. Nobel ist hier nicht nur die Adresse, sondern auch die zum Verkauf angebotene Ware: feinstes Porzellan, exklusive Handarbeiten. Die teuerste der gestohlenen Vasen hat einen Wert von 95.000 Euro, der Gesamtschaden beträgt eine halbe Million. Jetzt, eine Woche nach dem Einbruch, kommt Josef Payer, Prokurist der Familie Harrach und für die Preziosen des Geschäfts verantwortlich, einiges seltsam vor: "Kurz vor dem Einbruch waren zwei Männer im Geschäft, einer hat sich ständig nach verschiedenen Vasen erkundigt, der andere schaute sich permanent um."

Profis am Werk
Dass Profis am Werk waren, dafür spricht die Kaltblütigkeit des Coups: Die Diebe sind von der Straßenseite mit einem größeren Wagen vorgefahren, haben die Türe aufgebrochen und dann seelenruhig die Luxuswaren ins Freie getragen.

Keine Anhaltspunkte
Gerhard Haimeder, Leiter des Referats 1 Gewaltdelikte in der Kriminaldirektion 1, tappt mit seinen Kollegen im Fall Harrach noch im Dunkeln. "Wir ziehen Überfälle aus der Vergangenheit heran, und wenn auch nur irgendwo ein Detail da ist, das eine Ähnlichkeit aufweist, vergleichen und überprüfen wir. Vor 20 Jahren hätte ich gesagt, das war eine Tat von Profis und Spezialisten. Seit dem Zusammenrücken der Länder sind solche Diagnosen nicht mehr so leicht zu stellen, der Kreis der Verdächtigen hat sich dramatisch ausgeweitet."

Immer mehr organisierte Banden
Fakt ist: Immer mehr bestens organisierte Banden aus dem Osten gehen mittlerweile in Österreich auf "Luxus-Diebstouren". Juweliere, Galerien, teure Teppich- und Antiquitätengeschäfte sind ihre bevorzugten Ziele.

Steigende Gewaltbereitschaft
Alarmierend: die steigende Gewaltbereitschaft der Täter, wie ein Überfall auf den Nobeljuwelier Schullin am 19. Februar dieses Jahres zeigt. Ein Mitarbeiter, der diesen Raub miterleben musste, erzählt: "In einer Minute und 50 Sekunden war alles vorbei: Zwei Männer kamen in das Geschäft, einer hatte eine Faustfeuerwaffe in der Hand. Dann haben die Täter begonnen, Uhrenmarken zu nennen - Rolex und Patek Philippe." Eine Möglichkeit, den Alarmknopf zu drücken, gab es nicht.

Der Verkäufer hatte Glück: Die Täter machten keinen Gebrauch von ihrer Schusswaffe. Trotzdem musste der 35-Jährige bis heute mittlerweile 50 Stunden psychologische Betreuung in Anspruch nehmen.

Privat-Cops kosten 40.000 Euro im Jahr
Vor eineinhalb Jahren haben sich verschiedene Geschäftsbetreiber entschlossen, einen privaten Sicherheitsdienst zu engagieren. Anton Heldwein, Juwelier in vierter Generation mit Stammsitz am Wiener Graben, wird von diesem Wachdienst beschützt. In seinem Geschäft befinden sich Waren im Wert von bis zu zehn Millionen Euro. Heldwein: "Ich habe Angst, dass bei einem Überfall einem Kunden oder Mitarbeiter etwas passiert." Die 40.000 Euro, die der Wachdienst durchschnittlich pro Jahr kostet, zahlen die Geschäftsleute gerne. Josef Payer würde auch gerne zahlen: 10.000 Euro hat er als Belohnung ausgesetzt, für Tipps, die zu den Tätern führen (Hinweise an die KD1, Tel.: 01/313 10-338 00).

Die ganze Story lesen Sie in NEWS Nr. 16/07!