"Alle nehmen verbotene Substanzen ein":
Profi-Radsport ohne Doping nicht möglich

Anti-Doping-Staatsanwalt sieht Sache pessimistisch "Glaube nicht, dass Doping bekämpft werden kann"

"Alle nehmen verbotene Substanzen ein":
Profi-Radsport ohne Doping nicht möglich © Bild: Reuters

Nach der jüngsten Doping-Affäre um den Tour-de-France-Sieger Alberto Contador hat sich der Anti-Doping-Staatsanwalt des italienischen Olympischen Komitees (CONI), Ettore Torri, über die Erfolgsaussichten im Kampf gegen die verbotenen leistungsfördernden Substanzen pessimistisch geäußert. "Alle Radprofis, die ich vernommen habe, haben es mir bestätigt: Alle Radfahrer nehmen verbotene Substanzen ein", sagte Torri nach Angaben der italienischen Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport".

"Wäre Doping nicht für die Gesundheit der Radprofis gefährlich, sollte es liberalisiert werden. Es ist ungerecht, dass von 100 gedopten Radsportlern nur einer erwischt wird und die Konsequenzen dafür zahlen muss. Je länger ich in diesem Bereich arbeite, desto mehr überrascht mich die Verbreitung dieses Problems. Ich glaube nicht, dass Doping bekämpft werden kann", sagte der 79-jährige Torri, der seit vier Jahren beim CONI Anti-Doping-Chefankläger ist. Im Laufe seiner Karriere hat er unter anderem Ermittlungen gegen den Spanier Alejandro Valverde sowie gegen Ivan Basso geführt.

Torri betonte, dass exzellente Ärzte am Werk seien, um Doping zu vertuschen. "Sie können alles Mögliche verschreiben, damit bei den Analysen die verbotenen Substanzen nicht auftauchen", betonte Torri. Er dementierte Gerüchte, nach denen er seinen Posten beim CONI aufgeben wolle. Der Staatsanwalt äußerte sich auch über die Dopingvorwürfe gegen Tour-Sieger Alberto Contador. "Er kann behaupten, dass die positive Analysen auf ein Stück Fleisch zurückzuführen sind, er muss es aber auch beweisen", erklärte Torri.

Radfahrer wehren sich
Die italienischen Radprofis reagierten kritisch auf die Worte des Anti-Doping-Staatsanwalts des CONI, Ettore Torri. "Es ist einfach zu allgemein, zu behaupten, dass alle Radfahrer gedopt sind. Warum veröffentlicht Torri keine Namensliste? Ich bin optimistisch. Wir arbeiten gegen Doping, es muss aber zu einer kulturellen Wende kommen, die lange Zeit benötigt", erklärte der Präsident des italienischen Radsportverbandes Renato Di Rocco.

Der Chef der Vereinigung der italienischen Radprofis, Gianni Bugno, betonte, Torri habe nur einige Radprofis vernommen. Er könne nicht pauschale Vorwürfe gegen die Radsportler richten. "Das Dopingproblem existiert, nicht nur im Radsport. Radsport ist jedoch am stärksten belastet und zahlt den höchsten Preis im Kampf gegen Doping", sagte Bugno.

Der italienische Radprofi Vincenzo Nibali, zuletzt Sieger der Spanien-Rundfahrt, bestritt die Vorwürfe. "Ich spreche nur für mich selbst. Ich habe ein reines Gewissen. Die Legalisierung des Dopings widerspricht dem Prinzip eines sauberen Wettbewerbs", betonte Nibali. Italiens Olympisches Komitee weigerte sich vorerst, Torris Worte zu kommentieren.

(apa/red)