"Alle Regeln gebrochen" von

Sebastian Kurz, der "Verwandlungskünstler"

Magazin: ÖVP-Chef verkörpert "Widersprüche" und "Inkohärenz" der europäischen Politik

Kurz © Bild: APA/AFP/Klamar

ÖVP-Chef Sebastian Kurz liegt in einem Ranking des Nachrichtenportals "Politico" der 28 einflussreichsten Persönlichkeiten in Europa auf Platz acht der "Macher" und wird von "Politico" als "Verwandlungskünstler" ("Shape-Shifter") bezeichnet. Jene Person, die demnach Europa im kommenden Jahr am stärksten prägen wird, ist der französische Präsident Emanuel Macron.

"Wenn es jemanden gibt, der die Widersprüche und Unvorhersehbarkeit des Durcheinanders der Politik auf dem Kontinent verkörpert, ist das Sebastian Kurz", heißt es zur Begründung. Die Tatsache, dass Kurz nur innerhalb weniger Monate die Rechtspopulisten (der FPÖ, Anm.) durch die Grünen austauschen würde, spreche Bände über die "Inkohärenz der europäischen Politik".

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"Alle Regeln gebrochen"

Bei seinem Amtsantritt habe der frühere und aller Voraussicht nach künftige Bundeskanzler "alle Regeln gebrochen", schrieb "Politico" in Anspielung auf Kurz' Alter sowie fehlende politische Erfahrung und Universitätsabschluss. Doch was ihm an formaler Bildung fehlte, habe Kurz medienwirksam via Twitter und Facebook wettgemacht - womit er tonangebend in Europa gewesen sei. Auch sei er einer der ersten gewesen, der sich auf eine Koalition mit den Rechtspopulisten eingelassen habe. Deshalb seien auch jetzt wieder alle Augen auf Wien gerichtet, nachdem Kurz den "Zeitgeist" bereitwillig annahm und bekannt gab, nun mit den Grünen regieren zu wollen, so das Blatt.

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Macron, der "Einzelgänger"

Macron erhielt in der Liste der "Politico 28 Class of 2020" den Beinamen "Der Einzelgänger", wobei das Magazin unter anderem die Revolte des französischen Präsidenten bei der Besetzung der neuen EU-Kommission oder sein Veto gegen die Eröffnung von Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien und Albanien anführt. Seit seinem Amtsantritt 2017 habe sich Macron als "Champion" der EU dargestellt. Offen bleibe aber, ob er mit seiner Strategie, Minderheitenpositionen einzunehmen und damit Kollegen vor den Kopf zu stoßen, seine Ziele tatsächlich verwirklichen könne.

Johnson, Nummer-1-"Störer"

Hinter der Nummer 1 der mächtigsten Person in Europa im kommenden Jahr reihte "Politico" je acht Personen in den Kategorien "Macher", "Träumer" und "Störer". Platz eins der "Macher" belegt EU-Kommissarin und EU-Vizekommissionspräsidentin Margrethe Vestager vor der neuen EZB-Chefin Christine Lagarde und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Auf Platz eins der "Störer" liegt der Chefberater des britischen Premierministers Boris Johnson, Dominic Cummings, der deutsche Grünen-Chef Robert Habeck und der Leiter des Facebook-Libra-Projekts, David Marcus, belegen Platz zwei und drei. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, der ungarische Regierungschef Viktor Orban sowie der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire sind auf den Plätzen eins, zwei und drei der "Träumer" gereiht.