"Alle Libyer sind nun bewaffnet": Gaddafi kündigt Kampf gegen Militärintervention an

Diktator soll eine Million Waffen an Volk verteilt haben Westliche Truppen setzen Angriff gegen Regime fort<br>Erstmals zeichnet sich nun auch NATO-Beteiligung ab

"Alle Libyer sind nun bewaffnet": Gaddafi kündigt Kampf gegen Militärintervention an

Der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi hat einen Abwehrkampf seines Volkes gegen die internationale Militärintervention angekündigt. "Alle Libyer sind nun bewaffnet", erklärte er in einer Audio-Botschaft, die vom staatlichen libyschen Fernsehen gesendet wurde. "Wir werden gegen euch kämpfen, wenn ihr eure Angriffe fortsetzt", sagte er an die westliche Allianz gewandt, die am Vortag mit Militärschlägen gegen Stellungen des Regimes begonnen hatte. Einer Meldung der Meldung der Nachrichtenagentur Jana zufolge, soll Gaddafi Waffen an eine Million Männer und Frauen verteilt haben.

"Dies ist nun eine Konfrontation des libyschen Volkes mit Frankreich, Großbritannien und den USA, mit den neuen Nazis", erklärte Gaddafi. "Wir kämpfen in unserem Land, wir verteidigen unsere Ehre", führte er weiter aus. Die Kriegsgegner bezeichnete er als "Monster" und "Kriminelle". "Ihr werdet stürzen, wie Hitler gestürzt ist. Alle Tyrannen stürzen." Und weiter: "Wir werden unser Land nicht verlassen und wir werden es befreien." Die Luftangriffe der westlichen Koalitionstruppen würden in jedem Fall abgewehrt. Seine Bodentruppen würden erfolgreich sein, sagte Gaddafi. Libyen bereite sich auf einen langen Krieg vor.

Direkte Beteiligung der NATO
Nach Beginn des Militärschlags einiger Staaten gegen Libyen zeichnet sich auch eine direkte Beteiligung der NATO ab. Militärs und Botschafter der 28 Länder hätten in wesentlichen Fragen einen Konsens über einen Einsatz erreicht, berichteten NATO-Diplomaten am Sonntag in Brüssel. Doch einige Details seien noch offen. Nach wie vor fehlt ein politisches Mandat, allerdings wollen die Botschafter dies sobald wie möglich beschließen.

Vernichtung Libyens Luftabwehr
Mit einer eigenen Beteiligung wolle die NATO als wichtigstes Ziel erreichen, das vom UN-Sicherheitsrat genehmigte Flugverbot über Libyen durchzusetzen, hieß es. Zu diesem Zwecke sollten NATO-Kräfte die Luftabwehr Libyens vernichten. Luftschläge gegen die Bodentruppen Gaddafis seien dagegen - im Gegensatz zu der von Frankreich, Großbritannien und den USA geführten Koalition - nicht vorgesehen. Ein weiteres Ziel sei die Überwachung des Waffenembargos gegen Libyen.

Frankreich setzt Luftangriffe fort
Auch Frankreich hat seine Luftangriffe auf Libyen wieder aufgenommen. Mehrere Kampfflugzeuge vom Typ Rafale und Mirage 2.000 hätten am Morgen Libyen überflogen und Panzer von regierungstreuen Truppen angegriffen, berichteten Militärkreise. Die genauen Einsatzorte waren zunächst nicht bekannt. "Wir wollen dem libyschen Volk ermöglichen, sich zu befreien", hatte der französische Außenminister Alain Juppe am Vorabend im Sender TF1 betont. Er bekräftigte, dass ein Einsatz von Bodentruppen nicht geplant sei.

Gaddafi-Truppen setzen Angriffe auf Misrata fort
Gaddafis Truppen setzten indes ihre Angriffe auf das von ihnen eingeschlossene Misrata (Misurata) fort. Die Stadt würde von drei Seiten mit Artilleriegeschützen beschossen, sagte ein Bewohner der BBC. Wohngebiete lägen unter schwerem Feuer. Gaddafi-Truppen haben Scharfschützen auf den Dächern von mindestens drei Häusern im Zentrum der von Aufständischen besetzten Stadt Misrata positioniert, wie ein Bewohner berichtete. "Sie scheinen bereit zu sein, auf alles zu feuern, was sich bewegt", sagte er.

Mehr als 90 Tote in Bengasi
Bei den heftigen Kämpfen zwischen Aufständischen und Regierungstruppen sind in Benghazi (Bengasi) nach Krankenhausangaben bereits mehr als 90 Menschen ums Leben gekommen. Auch die Leichname von neun Kämpfern von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi wurden demnach in das Krankenhaus gebracht.

Gaddafi-Anhänger bilden Schutzschild
Gaddafi sagte in einer vom Staatsfernsehen ausgestrahlten Audiobotschaft, die Luftangriffe seien eine "ungerechtfertigte Aggression der Kreuzritter", gegen die das libysche Volk kämpfen werde. Unterdessen strömten Gaddafi-Anhänger zu seinem Anwesen, um dort ein menschliches Schutzschild für ihn zu bilden. Die Tore waren entgegen der üblichen Gepflogenheiten weit offen. "Wir sind hier. Wir sind bereit, für unseren Anführer zu sterben", sagte eine Lehrerin. Auch ihre sechs Söhne wollten für Gaddafi kämpfen.

Giftgas-Vorräte?
Nach dem Beginn der Luftangriffe sorgen sich westliche Staaten einem Medienbericht zufolge offenbar um Giftgas-Vorräte Gaddafis. Mit Überwachungssatelliten werde ein Gebäude in einem abgelegenen Ort in der libyschen Wüste beobachtet, in dem rund zehn Tonnen Senfgas in mehreren Fässern aufbewahrt würden, berichtete die "Washington Post". Die Fässer seien südlich der Stadt Sirte (Surt) gelagert. Westliche Regierungsbeamte befürchten dem Bericht zufolge, Gaddafi könne das Giftgas gegen die eigene Bevölkerung einsetzen.

Auch Katar bald beteiligt?
An der Militäraktion gegen Libyen beteiligten sich die USA, Frankreich, Großbritannien, Kanada und Italien. Am Sonntag kündigte auch Katar seine Teilnahme an. Details nannte Ministerpräsident Scheich Hamad bin Jassim al-Thani im Fernsehsender Al-Jazeera jedoch nicht. Die Situation in Libyen sei nicht akzeptabel, sagte er. Deshalb müssten auch arabische Staaten handeln.

UNO-Resolution nicht länger gültig?
Basis für die Intervention ist eine Resolution des UNO-Sicherheitsrats. Das Gremium hatte die Einrichtung einer Flugverbotszone in dem nordafrikanischen Land beschlossen, wo Aufständische nach wochenlangen Kämpfen in die Defensive gedrängt worden waren. Obwohl die Regierung eine Waffenruhe verkündete, waren die Kämpfe zwischen den Gaddafi-Truppen und den Rebellen weitergegangen. Libyen forderte in der Nacht auf Sonntag eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrates. Nach den westlichen Angriffen sei die Resolution 1973 nicht länger gültig, erklärte das Außenministerium in Tripolis.

"Barbarische Aggression"
Parlamentspräsident Mohamed Zwei verurteilte die westlichen Angriffe als "barbarische Aggression". Sie seien erfolgt, obwohl die libysche Regierung einen Waffenstillstand angekündigt habe. Es habe zahlreiche zivile Opfer und schwere Schäden der Infrastruktur gegeben. Als Reaktion auf die Angriffe kündigte Tripolis an, die EU nicht mehr in ihrem Kampf gegen die illegale Einwanderung zu unterstützen.

Panzer zerstört
Mit dem Militäreinsatz "Odyssey Dawn" ("Odyssee Morgendämmerung") gegen Gaddafis Truppen will die internationale Koalition unter der Führung Frankreichs, Großbritanniens und der USA die anhaltende Gewalt gegen Aufständische und Zivilbevölkerung stoppen. Die französische Luftwaffe begann die Offensive am Samstagnachmittag. Insgesamt seien vier Angriffe von Kampfjets vom Typ Rafale und Mirage 2000 geflogen worden, hieß es aus Militärkreisen in Paris. Dabei seien "mehrere Panzer" zerstört worden.

Afrika-Kommando koordiniert Angriffe
Nach Angaben eines ranghohen US-Militärvertreters beschossen britische und US-Streitkräfte am Abend von Schiffen und U-Booten aus mehr als 20 Ziele entlang der libyschen Küste, darunter Luftabwehrsysteme und strategisch wichtige Kommunikationspunkte der libyschen Truppen. Es seien mindestens 110 Marschflugkörper abgefeuert worden, sagte er in Washington. Der erste sei um 20.00 Uhr MEZ auf libyschem Boden eingeschlagen. Die Angriffe werden zunächst vom Afrika-Kommando der US-Streitkräfte (AFRICOM) koordiniert, das sein Hauptquartier bei Stuttgart hat.

Tripolis unter Beschuss
Am frühen Sonntagmorgen wurden Ziele in Tripolis aus der Luft angegriffen. Die libyschen Truppen aktivierten die Luftabwehr der Stadt. Dem libyschen Staatsfernsehen zufolge wurde ein französisches Kampfflugzeug in der Region Tripolis abgeschossen, Paris wies dies zurück. Laut Staatsfernsehen wurden in vier libyschen Städten zivile Ziele bombardiert. Neben der Hauptstadt Tripolis habe es auch in den Städten Misrata, Zuwarah und Benghazi (Bengasi) Angriffe gegeben. Auch ein rund 15 Kilometer östlich von Tripolis gelegenes Krankenhaus sei getroffen worden. Zudem habe es Angriffe auf Gaddafis Geburtsstadt Sirte gegeben.

Größter internationaler Einsatz seit 2003
Die internationale Gemeinschaft hatte am Samstag mit ihrem Militäreinsatz begonnen. Ziel sei der Schutz libyscher Zivilisten vor den Truppen Gaddafis, sagte US-Präsident Barack Obama. Es handelt sich um die größte internationale Militärintervention in der arabischen Welt seit dem Einmarsch der US-Truppen in den Irak 2003.

(apa/red)

Kommentare

Scheinheiligkeit und Heuchelei! Hätte Libyen nicht die Ölvorkommen würde kein Hahn danach krähen sich in deren innenpolitischen Problemen einzugreifen, die Amis und deren Schergen von EU geht es doch nie um die Menschen selbst, sondern nur um den Profit der sich daraus ergibt. Was für eine Farce und Heuchelei

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beteiligung österreichs natürlich wird sich österreich in lybien NICHT beteiligen!
natürlich nicht. es hat sich ja nur beteiligt , als gadaffi an der macht war, und sein sohn in österreich eine so rühmliche rolle bei herrn haider spielte, und in der österreichisch-lybischen gesellschaf
ein früherer mitarbeiter der ömv generalsekretär ist, oder bis vor kurzem war.
natürlich wird sich österreich NICHT beteiligen , auch nicht humanitär und sich sicher auf die neutralität berufen.

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Re: beteiligung österreichs villeicht sind sie so jung oder so du.. das sie es nicht wissen, aber die gadaffi festspile hat ein herr kreisky in österreich eingeleitet! dann traffen sich noch verschiede spö bonzen mit herrn gadaffi, ja die spö hat sogar zum geburtstag von herrn gadaffi eine musik kapelle nach tripolis geschickt!
und dann kam erst haider.
und nun bedenke man das ein herr obama den friedensnobelpreis erhalten hat für seine bemühungen für den weltfrieden.
eine verlogene welt.
mich wundert es nicht das der islam immer mehr freunde findet. ich bin auch schon einer.

Das erinnert mich an unsere Raumverteidigung ...

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