Alkohol-Gelage & Sabotage: US-Kongress will Probleme bei NASA genau untersuchen

Arzt bestätigt Bericht über betrunkene Astronauten Im Herbst Prozess um Überfall auf NASA-Astronautin

Nach Flügen von betrunkenen Astronauten der US-Raumfahrtbehörde NASA will der US-Kongress die Fälle untersuchen. Die genauen Vorkommnisse und die Gründe dafür müssten genauso geprüft werden wie die Frage nach Verantwortlichen, sagte der Vorsitzende des Unterausschusses für Raum- und Luftfahrt im US-Repräsentantenhaus, Mark Udall.

Der Arzt Richard Bachmann von der US-Luftwaffe bestätigte unterdessen die Vorkommnisse. Bachmann ist der Autor des internen Untersuchungsberichts der NASA, aus dem das Fachblatt "Aviation Week & Space" zitierte und damit weltweit hohe Wellen schlug.

Bachmann sagte vor Journalisten, bei einem der Vorfälle sei es um die Vorbereitungen zum Start einer Shuttle-Mission gegangen, die später verschoben worden sei. Der zweite Fall habe sich um eine Sojus-Mission zur Internationalen Raumstation (ISS) gedreht, sagte der Mediziner, ohne Details zu nennen. Nach dem verschobenen Shuttle-Start hätten die Astronauten eines der von der NASA verwendeten Überschallflugzeuge vom Typ T 38 fliegen wollen, erläuterte Bachmann. Udall sprach von einem "Weckruf" für den Kongress. Der zuständige Ausschuss solle sich nach dem Ende der Parlamentsferien im September mit der Angelegenheit beschäftigen.

Die NASA hatte bereits vor Bachmanns Stellungnahme den Bericht bestätigt und eingeräumt, dass sowohl Fachmediziner als auch Astronauten mehrere Vorfälle von heftigem Alkoholkonsum bei Astronauten unmittelbar vor Flügen konstatiert hätten. Die Raumfahrtagentur bestätigte auch, dass dies zu Bedenken hinsichtlich der Flugsicherheit geführt habe. Dennoch hätten die Astronauten die Erlaubnis zum Fliegen erhalten, erklärte die NASA. Die "Aviation Week & Space" hatte berichtet, die Astronauten hätten auch in den zwölf Stunden vor einem geplanten Start getrunken, während der Alkoholkonsum strikt verboten ist.

Die NASA dürfte mit der geplanten parlamentarischen Untersuchung unter starken Druck geraten - erst recht, weil die Raumfahrtbehörde am Freitag ebenfalls hatte zugeben müssen, dass ein wichtiger Computer für die nächste Mission der Weltraumfähre "Endeavour" durch Sabotage schwer beschädigt wurde. "Einer unserer Subunternehmer hat festgestellt, dass sich offenbar jemand an einer Netzwerk-Box für das Raumschiff zu schaffen gemacht hat", sagte eine NASA-Sprecherin am Freitag. "Die Hardware ist absichtlich beschädigt worden."

Der Schaden wurde den Angaben zufolge vor einigen Tagen entdeckt. Eine Untersuchung sei bereits im Gange. Nun werde versucht, den Computer bis zum Start der "Endeavour" wieder zu reparieren. Der Vorfall soll sich bei dem Subunternehmen ereignet haben. Die "Endeavour" soll am 7. August zur Internationalen Raumstation ISS starten. Das Raumschiff mit sieben Astronauten an Bord transportiert neue Bauteile für die ISS ins Weltall und soll den Aufbau der Raumstation vorantreiben.

Neben dem Start der "Endeavour" steht für die NASA auch noch eine andere heikle Angelegenheit bevor: Im September soll der Prozess gegen die inzwischen entlassene Ex-Astronautin Lisa Nowak beginnen. Die 43-Jährige soll versucht haben, eine Kollegin und Nebenbuhlerin zu entführen. (apa/red)