Aliyev Prozess von

Zeuge belastete verstorbenen
Ex-Botschafter massiv

Ex-Nurbank-Vorstandsvorsitzender schilderte von Aliyev bewerkstelligte Entführung

Abilmazhen Gilimov © Bild: APA/Helmut Fohringer

Der frühere Nurbank-Vorstandsvorsitzende Abilmazhen Gilimov hat am Mittwoch als Zeuge im Prozess um die Ermordung und Entführung seines Vize Zholdas Timraliyev sowie des Leiters der Wirtschafts- und Finanzabteilung, Aybar Khasenov, den verstorbenen Rakhat Aliyev sowie dessen Sicherheitsbeauftragten Vadim Koshlyak massiv belastet. Aliyev habe ihn eingeschüchtert, bedroht und zum Rücktritt genötigt.

Ehe Timraliyev und Khasenov laut Anklage am 31. Jänner 2007 verschleppt und in weiterer Folge von Aliyev, dem ehemaligen kasachischen Botschafter in Wien und Ex-Schwiegersohn des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew, Koshlyak und dem Ex-KNB-Chef Alnur Mussayev umgebracht wurden, soll sich Aliyev kurz zuvor - am 18. Jänner - bereits Gilimovs und Timraliyevs bemächtigt haben. Wie Gilimov nun dem Schwurgericht (Vorsitz: Andreas Böhm) schilderte, wurde den beiden nach einer Sitzung in der Nurbank vorgemacht, sie müssten Aliyev auf eine Dienstreise nach Kiew begleiten, um über die geplante Übernahme einer ukrainischen Bank zu verhandeln.

Aufeinandertreffen mit Aliyev

In Wahrheit habe man sie aber statt zum Flughafen in einen Sport- und Saunakomplex gebracht, wo ihm "Personen mit Maschinengewehren" aufgefallen seien, gab Gilimov zu Protokoll. Er habe dem zunächst keine weitere Bedeutung beigemessen. Als sie aber in ein Zimmer geführt wurden, in dem Aliyev saß, sei die Stimmung umgeschlagen. Aliyev, Hauptaktionär der Nurbank, habe ihm und Timraliyev vorgeworfen, in einem Bürogebäude, das er, Aliyev, zu kaufen versucht hätte, im Namen der Bank Räumlichkeiten angemietet zu haben. Vor allem aber hielt er ihnen vor, an Bekannte und Verwandte begünstigte Kredite vergeben und damit die Bank geschädigt zu haben.

"Er hat das sehr aggressiv vorgetragen. Er hat gleich begonnen zu schreien", erinnerte sich der 46-Jährige, der mittlerweile als Privatunternehmer tätig ist. Er habe die Schuhe ausziehen, sich seines Gürtels entledigen, sein Mobiltelefon und sogar sein Taschentuch abgeben müssen: "Aliyev ordnete Koshlyak an, dass er mir Handschellen anlegen soll." Alivey habe grundsätzlich "eine sehr eigenwillige Art, mit Leuten zu kommunizieren, eine sehr aggressive Art" gehabt. "Als ich Widerspruch einlegen und vom Sofa aufstehen wollte, kam Koshlyak und drückte mich nach unten. Außerdem hatte Aliyev eine Pistole in der Hand, aber ich möchte betonen, er hat die Pistole nicht auf mich gerichtet", setzte Gilimov fort.

"Sehr reale Bedrohung"

"Ich hatte Angst. Ich war zum ersten Mal in einer solchen Situation", betonte der Zeuge. Es habe sich um eine "sehr reale Bedrohung" gehandelt. Alivey habe ihm zugerufen "Wenn du leben willst, dann gestehe" und angekündigt "Ich nehme euch alles weg". Dann habe er ihm erklärt, er habe sich "extra diese Dienstreise nach Kiew ausgedacht". Er; Aliyev, werde dafür sorgen, dass die Reisepässe Gilimovs und Timraliyevs mit ukrainischen Stempeln versehen: "Dann können die Polizei und eure Verwandten euch in der Ukraine suchen. Euch selber werden wir hier umbringen und vergraben."

Timraliyev sei mit Handschellen an ein Sportgerät "befestigt" worden, hielt Gilimov fest. Man habe ihn und seinen Vize dazu gezwungen, hinsichtlich der Kreditvergaben, die Aliyev aufstießen, "Geständnisse" zu unterschreiben. Er, Gilimov, habe sich "mehrfach geweigert. Da hat Aliyev mir gesagt, wenn ich leben will, soll ich über die begünstigt vergebenen Kredite Angaben mache, mit denen ich mich bereichert habe".

Verkauf unter Druck zugestimmt

Unter dem Eindruck des Bedrohungsszenarios habe er darüber hinaus dem von ihm verlangten Verkauf seines Aktienanteils an der Nurbank zugestimmt, der ihn zwei bis 2,5 Millionen US-Dollar gekostet habe, sowie schriftlich erklärt, seinen Sessel als Vorstandsvorsitzender zu räumen, legte Gilimov dar. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum er nach seiner Freilassung keine Anzeige gegen Aliyev erstattet habe, erwiderte der 46-Jährige: "Erstens war er der Schwiegersohn des Präsidenten. Zweitens hätten wir es nicht beweisen können. Drittens habe ich befürchtet, eine Anzeige könnte alles schlimmer machen. Meine Hoffnung war, dass es da jetzt aufhören wird."

Freigelassen wurden Gilimov und Timraliyev, nachdem es Gilimov am 19. Jänner 2007 gelungen war, einen seiner Bewacher dazu zu überreden, ein Telefonat mit seinem Handy führen zu dürfen. Der Banker rief seine Ehefrau an, teilte ihr mit, dass er nicht dienstlich in Kiew, sondern entführt worden sei und dass sie die Polizei verständigen solle, wenn er nicht in einer bis zwei Stunden zurück sei. Als Aliyev von diesem Telefonat Kenntnis erlangte, habe seine Stimmung wieder umgeschlagen. Der damalige Schwiegersohn des Staatschefs habe plötzlich auf versöhnlich gemacht, sei mit einer Flasche Whisky gekommen und habe mit ihm, Gilimov, mit den Worten "Vielleicht habe ich übertrieben, vielleicht war ich zu aggressiv" trinken wollen.

Die Befragung Gilimovs wird morgen, Donnerstag, im Saal 303 des Straflandesgerichts nach der Erörterung zweier Sachverständiger-Gutachten fortgesetzt.

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