Algier von heftiger Explosion erschüttert:
33 Tote - Al Kaida bekennt sich zu Anschlag

Attentat ereignet sich vor Regierungspalast-Eingang PLUS: Zweite Detonation vor Polizeikommissariat

Algier von heftiger Explosion erschüttert:
33 Tote - Al Kaida bekennt sich zu Anschlag

Bei den schwersten Terroranschlägen in der algerischen Hauptstadt Algier seit Jahren sind nach offiziellen Angaben mindestens 33 Menschen getötet. Die Zahl der Verletzten wurde vom Zivilschutz mit 57 angegeben. Ein Selbstmordattentäter riss vor dem Regierungspalast in Algier elf Menschen mit in den Tod, darunter zwei Polizisten, eine schwangere Frau und zwei Kinder, berichtete der Minister für nationale Solidarität, Jamal Walad Abbas. Die aus der algerischen radikal-islamistischen Terrorgruppe GSPC hervorgegangene "Al Kaida des Islamischen Maghreb" bekannte sich zu diesem Anschlag wie auch zu einem zweiten Attentat auf ein Polizeikommissariat.

Im Zentrum Algiers hatte der Attentäter versucht, vor dem sechsstöckigen Palast, in dem das Innenministerium und das Büro von Ministerpräsident Abdelaziz Belkhadem untergebracht sind, eine Polizeisperre zu durchbrechen. Dabei zündete er die Autobombe. Bei einer fast zeitgleichen Explosion vor der Polizeistation von Bab Ezzouar im Osten der Stadt starben zwölf Menschen.

Nach offiziell nicht bestätigten Berichten wurden in der algerischen Hauptstadt zwei weitere Bomben entdeckt. Augenzeugen berichteten, dass die Rechtsfakultät der Universität Ben Aknoun wegen eines Sprengstofffundes evakuiert worden sei. Zudem sei in dem Viertel Hydra, wo etliche Botschaften ihre Residenz haben und hohe algerische Funktionäre leben, am späten Nachmittag eine etwa 30 Kilogramm schwere Autobombe entschärft worden. Das Fahrzeug war nahe dem Sitz der Behörde für Nationale Sicherheit abgestellt, hieß es.

Erst im Jänner hatte sich die "Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf" (GSPC) in "Al Kaida des islamischen Maghreb" umbenannt und sich so der Al Kaida angeschlossen. Die beiden Anschläge in Algerien ereigneten sich einen Tag nach der Razzia mit fünf Toten gegen islamische Extremisten im marokkanischen Casablanca. Der marokkanische Innenminister Chakib Benmoussa teilte allerdings mit, es gebe keine logistischen und strukturellen Verbindungen zwischen den Anschlägen in Algier und Casablanca.

Ministerpräsident Belkhadem sprach von einer "feigen und kriminellen Tat zu einer Zeit, da das algerische Volk die nationale Aussöhnung fordert". Sie werde den Staat nicht von den am 17. Mai geplanten Parlamentswahlen abhalten. "Sie wollten in die Medien kommen", sagte der Ministerpräsident über die Täter. "Und es könnte die Wirtschaft treffen." Die Angreifer wollten das Land "in die Jahre der Trauer" zurückreißen, sagte Belkhadem weiter. "Aber die Menschen wollen Frieden und Sicherheit."

Nach der Annullierung einer 1992 von Islamisten gewonnenen Parlamentswahl war Algerien in einen Bürgerkrieg gestürzt. Dabei kamen bis zu 200.000 Menschen ums Leben. Nach mehreren Amnestien für Untergrundkämpfer ebbte die Gewalt wieder ab, obwohl sie in der Bergregion um Algier niemals ganz endete.

(apa/red)