Alfred Gusenbauer kämpft ums Überleben: Wie SPÖ-Kanzler demontiert werden soll

NEWS: Nach idealem Nachfolger wird bereits gesucht Aufgeben kommt für Gusi allerdings nicht in Frage

Alfred Gusenbauer kämpft ums Überleben: Wie SPÖ-Kanzler demontiert werden soll © Bild: Reuters/Neubauer

Ich wurde schon so oft totgesagt, und es gibt mich immer noch", hören dieser Tage Vertraute von Alfred Gusenbauer einmal mehr. Doch ist der rote Kanzler diesmal, nach dem Wahldesaster in Tirol, angeschlagener denn je. Erstmals in seinen nunmehr acht Jahren als immer wieder umstrittener SPÖ-Chef hat offensichtlich auch der ewige Kämpfer den Ernst der Lage begriffen.

Aufgeben will er freilich noch nicht. Zum einen ist jener Mann, der sich mittels allzu salopper Sager und halblustiger Scherze wiederholt ins innerparteiliche Out katapultierte, wirklich davon überzeugt, dass er der Richtige für Partei und Regierungsspitze sei. Zum anderen weiß der erfahrene Politfuchs freilich auch, dass die Alternativen nicht gerade zuhauf zur Verfügung stehen. Und so berichtet ein Vertrauter des Kanzlers denn auch, dass er "sicher wieder kandidieren wird und versuchen wird, bis zum Parteitag am 9. und 10. Oktober doch noch die Partei zu besänftigen". Dafür will der rote Vorsitzende nicht mehr vollmundig öffentliche Forderungen stellen, die er dann nicht einhalten kann, sondern hinter den Kulissen mit der ÖVP einige präsentable Punkte im Wirtschafts- und Sozialbereich ausverhandeln. Kein leichtes Unterfangen.

Suche nach dem idealen Nachfolger
Schließlich ist die Geduld seiner roten Widersacher längst am Ende. Ein Gusenbauer-Kritiker spricht aus, was viele denken: "Er hatte wirklich genügend Chancen. Mit ihm an der Parteispitze hat es einfach keinen Sinn mehr. Egal, was er jetzt noch macht." Nur der Umstand, dass sich die roten Rebellen auf keinen "idealen Nachfolger" einigen konnten, hat Gusenbauers Demontage bisher verhindert. Denn die Wunschkandidaten von Parteigranden und Basis - neue externe Kandidaten, die von den Kalamitäten der bisherigen rot-schwarzen Koalition unbeschädigt wären - wollen dem Drängen nicht wirklich nachgeben. Weder der erfolgreiche Medienmanager Gerhard Zeiler, heute Chef der RTL Group und Bertelsmann-Vorstand, noch die mächtige Siemens-Generaldirektorin mit der starken SP-Basis-Verankerung Brigitte Ederer zieht es auf den unsicheren Kanzlerposten.

Aus dem bestehenden Regierungsteam wiederum bieten sich nur zwei mögliche Kandidaten an: Die unwahrscheinliche Variante wurde erst jüngst ins Spiel gebracht: SP-Sozialminister Erwin Buchinger. Er gilt zwar als Liebling der Parteilinken und Regierungskritiker, aber als ähnlich polarisierend wie einst der rote Ex-Innenminister Caspar Einem.

Der rote Kronprinz
Als derzeit aussichtsreichster Kompromisskandidat gilt daher der smarte Verkehrsminister Werner Faymann. Der rote Regierungskoordinator mit den hervorragenden Beziehungen zur ÖVP sei das "Kontrastprogramm" zu Alfred Gusenbauer: Während Gusenbauer von Beginn an von Medien und Koalitionspart-ner als "führungsschwach und Hoppala-Kanzler" gegeißelt wurde, ist Faymanns schwarzes Pendant, VP-Umweltminister und Regierungskoordinator Josef Pröll, via NEWS voll des Lobes für Faymann: "Er ist unaufgeregt, ruhig, klar, sach- und lösungsorientiert. Ein Politiker mit Handschlagqualität." Seine glänzenden Kontakte zu einigen mächtigen Medien werden von seinen SPÖ-Befürwortern ebenso positiv verzeichnet wie sein "Talent, mit Krisen in seinem Ressort umzugehen".

Faymann selbst verhält sich in der Personaldebatte um Alfred Gusenbauer freilich still. Ein Vertrauter des "roten Kronprinzen" sorgt sich dennoch: "Der Werner ist ein Pragmatiker, der stets mit Sachpolitik gepunktet hat. Ich bin mir nicht sicher, ob er mit den Intrigen in der ersten Reihe wirklich umgehen könnte."

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