Alexander Wurz: Der Ingenieur
unter den Rennfahrern in der Formel 1

Verbringt jede freie Sekunde mit Familie in Monaco

Er gilt als der Ingenieur unter den Rennfahrern. Kaum einem Formel-1-Piloten wird dermaßen viel technisches Verständnis nachgesagt wie dem kühlen, stets sachlichen Analytiker Alexander Wurz. Der 32-jährige Niederösterreicher ist Realist, hat aber nie den Glauben an eine weitere Chance verloren, in der Königsklasse des Motorsports wieder Rennen zu fahren.

2007, nach fast sieben Jahren, werden das lange Warten und die mühevolle Kleinarbeit des zweifachen Familienvaters in den Entwicklungsabteilungen von McLaren-Mercedes und Williams belohnt. Wurz wird bei Williams vom Testfahrer zum Stammfahrer befördert, fährt mit 33 Jahren wieder Rennen. Dann, wenn andere Piloten schon mit dem Karriereende spekulieren.

Wurz allerdings will es noch einmal wissen, setzt auf die nächste Karriere, die nicht zuletzt auf Grund seiner eigenen guten Vorarbeit am Auto eine vielversprechende sein könnte. Dabei hatte der Perchtoldsdorfer seine erste Karriere nicht einmal auf vier, sondern auf zwei Rädern hinter sich gebracht. 1986 krönte sich Wurz als Zwölfjähriger zum BMX-Weltmeister.

Ersatzmann für Berger
1997 bestritt der für einen Formel-1-Piloten äußerst groß gewachsene Wahl-Monegasse (1,86 Meter) als Ersatz für den verletzten Gerhard Berger in Kanada seinen ersten Grand Prix. Bereits in seinem dritten Rennen fuhr Wurz - damals 23 Jahre alt - in Silverstone als Dritter auf das Podest. Ein Kunststück, das ihm in drei weiteren Jahren bei Benetton nicht mehr gelang.

Die folgenden fünf Jahre von 2001 bis 2005 beim Topteam McLaren-Mercedes waren finanziell zwar lukrativ, die Leistungen von Wurz in der Entwicklung des Autos blieben der breiten Öffentlichkeit aber zum Großteil ebenso verborgen wie jene in der laufenden Saison bei Williams. "Dafür hat mich die Arbeit persönlich weitergebracht", meint Wurz. "Ich bin gereift, habe neue Fähigkeiten entwickelt."

Nicht zuletzt auf Grund dieser Fähigkeiten ist die Meinung des Niederösterreichs in der gesamten Szene gefragt. Journalisten befragen den Routinier, der seit Jahren auch in der Fahrergewerkschaft (GPDA) engagiert ist, beinahe ebenso regelmäßig um seine Einschätzungen wie seine Ingenieure. In der Entwicklung der neuen Bridgestone-Reifen spielte Wurz durch seine intensiven Testfahrten eine ebenso entscheidende Rolle.

Privat meidet der gefragte Mann das Rampenlicht. Jede freie Sekunde - und das sind laut eigenen Angaben "viel zu wenige" - verbringt Wurz mit seiner Familie, seinen Söhnen Felix (4 Jahre) und Charlie (7 Monate) sowie seiner Frau Julia. Diese hatte er seinerzeit als Pressesprecherin seines Benetton-Teams kennen gelernt. Der ehemalige BMX-Weltmeister hat der Formel 1 also zumindest ebenso viel zu verdanken wie umgekehrt.

(apa/red)