Alexander Van der Bellen: Grüner Rekord-halter möchte endlich in die Regierung

In seinem dritten Anlauf als Chef der Umweltpartei Kettenraucher, Ruhepol und Star der Partei

Alexander Van der Bellen (62) möchte bei seinem dritten Anlauf als Grün-Chef bei Nationalratswahlen endlich in die Regierung. Der Wirtschaftsprofessor gilt als untypischer Politiker und ist bekannt für seine oft bedächtige Art, was dem Kettenraucher auch zahlreiche Sympathiepunkte in der Bevölkerung eingebracht hat. Außerdem ist er als fünf Mal wieder gewählter Bundessprecher innerhalb der früher oft intern zerstrittenen Grünen nicht nur ein Rekordhalter, sondern auch der unbestrittene Star.

Unter seiner Parteiführung gelang es den Grünen, bei fast allen Wahlgängen zuzulegen - oft jedoch unter der hohen Latte bei Meinungsumfragen. Sein Ziel, die Grünen in die Regierung zu führen, blieb auf Bundesebene bisher aber unerfüllt. Dies auch deswegen, weil nach dem überraschenden Ergebnis der letzten Nationalratswahl 2002 durch den fulminanten ÖVP-Erfolg statt der rot-grünen Möglichkeit auf einmal Schwarz-Grün im Raum stand. Für die Grünen kam diese Variante offenbar zu früh - es wurden zwar trotz interner Vorbehalte Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP aufgenommen, doch scheiterten diese. Die Tür zur ÖVP öffnete sich dann aber auf Landesebene durch den Grünen Wahlsieg in Oberösterreich, wo es erstmals zu einer schwarz-grünen Zusammenarbeit kam. Geht man nach den jüngsten Meinungsumfragen, scheint am ehesten eine Koalition mit der ÖVP denkbar.

Van der Bellen, der Ruhepol bei den hektischen Grünen, wird von seinen Parteikollegen attestiert, "herrlich selbstironisch" zu sein, im Gegensatz zu vielen anderen Politikern auch eigene Fehler einzugestehen und zuhören zu können. Er gehört seit 1994 dem Grünen Klub an. Er war zuvor im Gespräch als Kandidat für den Präsidenten des Rechnungshofes, später auch für den Dritten Nationalratspräsidenten und zuletzt auch als möglicher Bewerber für die Bundespräsidentschaft.

Am 18. Jänner 1944 in Wien als Sohn einer estnischen Mutter und eines russischen Vaters mit holländischen Wurzeln geboren, wächst Van der Bellen im Tiroler Kaunertal auf, wo er heute noch seine Ferien verbringt. Seine beruflichen Daten: Studium der Volkswirtschaft in Innsbruck, 1968 bis 1976 Assistent am Institut für Finanzwissenschaft der Universität Innsbruck, 1972 bis 1974 Research Fellow am Internationalen Institut für Management und Verwaltung, Wissenschaftszentrum Berlin; 1975 Habilitation (Finanzwissenschaft), 1976 ao. Univ.Prof. an der Universität Innsbruck, 1977 bis 1980 Verwaltungsakademie des Bundes, Wien; 1980 o. Univ.Prof. für Volkswirtschaftslehre, Univ. Wien; 1990 bis 1994 Dekan bzw. stv. Dekan an der SOWI-Fakultät. Wissenschaftliche Arbeiten gibt es von Van der Bellen u.a. zu den Themen "Fondswirtschaft in Österreich" (1968), "Mathematische Auswahlfunktionen und gesellschaftliche Entscheidungen" (1976), "Finanzierungsverstaatlichung oder Privatisierung" (1967) und "Öffentliche Unternehmen zwischen Markt und Staat" (1977) und "Betriebliche und wirtschaftspolitische Möglichkeiten zur Rüstungskonversion" (1986). (apa)