Alex Pointner nach dem Tournee-Auftakt: "Es ist noch nicht so gelaufen für uns heuer"

Widhölzl große ÖSV-Hoffnung für Gesamtwertung 'Swider': "Weiß, dass ich in der Form gewinnen kann"

Neues Jahr, neues Glück. Denn, ohne die teilweise enttäuschenden Leistungen der ÖSV-Skispringer in dieser Saison schön zeichnen zu wollen, am Glück fehlte es dem Team von Alexander Pointner in der bisherigen Olympiasaison schon auch. Thomas Morgenstern und Wolfgang Loitzl, zwei der vier Doppel-Team-Weltmeister vom vergangenen Februar, scheiterten am Donnerstag gleich zum Auftakt der Vierschanzen-Tournee ausgerechnet in Oberstdorf und mussten damit ihre Hoffnungen auf eine gute Endplatzierung abschreiben.

Acht Saison-Springen und nur ein Podestplatz und trotzdem das Wissen, dass in seiner Mannschaft doch das Potenzial für viel mehr schlummert. Das kann schon zermürbend sein, und nach der Analyse des Springens lässt der sonst immer so positive Pointner ein Mal kurz den Kopf hängen. "Es ist mir einfach nicht zum Lachen zumute, es geht mir schön langsam 'am Keks'. Gott sei Dank bestätigen die Leute es ja immer wieder, dass sie sehr gut drauf sind, aber es ist noch nicht so für uns gelaufen heuer. Vielleicht fallen wir ein Mal auf die Butterseite, dann werden sich viele unserer Springer sehr leicht tun."

Das vom Wind dominierte Auftaktspringen der 54. Vierschanzen-Tournee war freilich auch für andere Top-Springer zum Stolperstein geworden, darunter mit Andreas Küttel (20.) einem der Favoriten. Pointner sucht freilich nicht nur den Grund in den schlechten Bedingungen: "Es hat denkbar ungünstig angefangen für uns mit Loitzl und Morgenstern, die es 'rausgehaut' hat. Der Grund war sicherlich, dass sie nicht auf dem Top-Level springen wie ein Widhölzl oder ein Kofler. Im Bewerb waren komplett andere Verhältnisse, es hat von bis zu 4 Meter Aufwind auf 2 Meter Rückenwind gedreht und damit sind die zwei eben nicht fertig worden."

Umso mehr freut sich der Cheftrainer über die konstante Leistung von Widhölzl, der den schlechten Bedingungen getrotzt hat. "Widhölzl hat es eigentlich sauschlecht gehabt. Ich muss dem Swider gratulieren, er hat die Nerven behalten."

Für Morgenstern sei es eine "bittere Erfahrung". Er habe noch nicht den Durchbruch geschafft, von dem alle schon lange reden. "Aber der Bursche entwickelt sich in einzelnen Bereichen in eine sehr gute Richtung und das kommt zurück. So etwas macht jeder großer Sportler mal durch. Doch für ihn bricht eine Welt zusammen, er bezieht das auf sich und meint, er ist ein schlechterer Mensch. Aber es kann sein, dass er in Garmisch mit weniger Druck durchstartet", hofft Pointner.

"Ich bin wirklich gut gesprungen"
Widhölzl, so "Pointex", habe die gleiche Leistung wie Sieger Janne Ahonen gebracht, aber unter wesentlich ungünstigeren Voraussetzungen. "Darum dürfen wir auch den Kopf nicht in den Sand stecken. Bei fairen Bedingungen zählt Widhölzl für mich zu den Favoriten."

"Swider", der bisher letzte ÖSV-Tournee-Gesamtsieger (1999/00), sah die Situation wie gewohnt bescheiden. "Ich bin wirklich gut gesprungen, für das andere kann ich nichts. Ich hab auch schon gewonnen, wenn ich nicht so gut gehupft bin. Ich springe derzeit sicher am besten in dieser Saison, und weiß, dass ich mit der Form gewinnen kann." Dafür sei aber auch Geduld gefragt. "Ich muss es halt auch erwarten können."

Zählt er sich nun selbst zu den Favoriten? "Jetzt warten wir ein Mal Garmisch ab, aber es ist sicher alles offen. Als ich die Tournee gewonnen habe, war ich auch nach Oberstdorf 15 Punkte hinten und nach Garmisch dann 7 Punkte vorne." Dass das Skispringen auf Grund des Ausgeliefert-Seins an die äußeren Umstände auch ein undankbarer Job sein kann, weiß der zweifache Familienvater. "Es ist mir lieber so, als wenn ständig alles unter biologischen Bedingungen ablaufen würde. Es macht ja auch Spaß wenn es vorne durchwechselt, es wäre ja fad wenn immer nur ich gewinnen würde", sagt er mit einem Lächeln.

(apa)