Albertina zeigt Grabmayr: Dick aufgetragen

von Albertina zeigt Grabmayr: Dick aufgetragen © Bild: APA/APA/Sammlung Pirker/Albertina

Franz Grabmayrs "Sandgrube" aus 1984

Es sind monumentale Farbwellen, ganze Gebirge aus Pigmenten, die sich in den Bildern Franz Grabmayrs auftürmen. Der 2015 gestorbene Künstler schuf Arbeiten an jener Schnittstelle, in der Malerei in skulpturale Gebilde übergeht. Farbmassen, die noch Jahrzehnte nicht durchgetrocknet sein werden, strahlen pure Energie aus. Und doch ist Grabmayr heute nahezu unbekannt. Das möchte die Albertina mit einer Schau ändern, die Klaus Albrecht Schröder besonders am Herzen liegt.

"Das ist eine der persönlichsten Ausstellungen, die ich je gemacht habe", unterstrich der 2025 aus dem Amt scheidende Albertina-Generaldirektor, der lange mit Grabmayr bekannt war und einige von dessen Werken sein Eigen nennt. Dabei müsse man konstatieren: "Er war kein Künstler, der es einem leicht gemacht hat." Und das auch im wörtlichen Sinne, sind die Bilder Grabmayrs doch teils gut 100 Kilogramm schwer. Vor allem aber habe der Bergbauersohn aus Kärnten sein Idiom, seinen Habitus und seine rurale Attitüde nie abgelegt.

Zunächst arbeitete der aus Obervellach stammende Grabmayr in Südkärnten als Hauptschullehrer, bevor er in seinen 30ern kurzzeitig nach Wien wechselte, um dort neben der weiter ausgeübten Tätigkeit des Pädagogen an der Akademie zu studieren. Erst Mitte der 1960er widmet sich Grabmayer dann mit beinahe 40 Jahren gänzlich der Profession des Künstlers und geht in den 70ern im radikalen Rückzug in die ländliche Einschicht Niederösterreichs.

Dort entsteht der Großteil jenes Werkkorpus, der nun in der Albertina gezeigt wird. Es sind Impressionen ohne Impressionismus, radikal abstrakte Arbeiten, die in ihrer Archaik an Anselm Kiefer gemahnen. Grabmayr schöpft aus den seelischen Eindrücken, die sich wiederholende Motive wie Landfeuer, Felder oder Sandgruben in ihm hinterlassen.

Der fast manisch agierende Künstler ließ sich von Bauern auf einem Anhänger um seine Motivik fahren, um keinen statischen Eindruck zu gewinnen, und schuf die großformatigen Arbeiten, deren Farbe er mit Palettenmesser und Kelle dick auftrug, in wenigen Stunden. Teils finden sich Stroh, Asche, Erde in die Werke eingearbeitet, weisen Grabmayr als einen der großen Materialkünstler aus. Und wenn Blätter auf die noch frische Farbe fielen, verblieben diese dort.

Dass es auch einen anderen Franz Grabmayr gab, das zeigen die "Tanzblätter", die als kleiner Seitenschritt in der Schau zu sehen sind. Sie kommen ungemein leichter, schwebender daher und fußen auf den Eindrücken tanzender Frauen aus seinem Winteratelier im Wiener Karl-Marx-Hof. Das verbindende Element bleibt die Energie, die auch diese Serie ausstrahlt.

(S E R V I C E - "Franz Grabmayr" von 17. Mai bis 13. Oktober in der Albertina, Wien 1, Albertinaplatz 1,. Dazu erschienen: "Franz Grabmayr", hrsg. Klaus Albrecht Schröder/Constanze Malissa, 29,90 Euro. )