Alarm in Österreich: "Gemüse wächst auf Sondermüll"

Global 2000: Hohe DDT-Konzentrationen in Glashaus-Böden Proben aus zehn Glashäusern wurden untersucht

Alarm in Österreich: "Gemüse wächst auf Sondermüll"

"Unser Gemüse wächst auf Sondermüll..." warnen Österreichs Umweltschützer! Global 2000 ließ Proben aus zehn Glashäusern untersuchen. Ergebnis: Enorm hohe Konzentrationen von DDT. Einem seit 1992 in Österreich verbotenen Pestizid.

Die - ohne Wissen der Betreiber - entnommenen Proben aus Glashäusern in Simmering und Kagran brachten zum Teil alarmierende Ergebnisse zum Vorschein: Die Tester fanden eine Konzentration von bis zu 2.333 Mikrogramm DDT pro Kilo. "Das entspricht in etwa zwei Zuckerkörnchen, es sind also bereits wahrnehmbare Mengen", erklärte Dr. Hermann Kruse, Pestizidexperte von der Universität Kiel. Über Verdampfung oder auch über andere Wege könnte das Gift von dem Boden auf die Pflanze und so in die Nahrungskette gelangen.

Da in Österreich keine Grenzwerte existieren, wurden die Belastungen mit der niederländischen "Holland Liste" verglichen. "Dieser Wert wurde um das 933-Fache überschritten", so Sieghart. Selbst der Grenzwert von Bulgarien (1.500 Mikrogramm pro Kilo) wurde in zwei Fälle übertroffen.

DDT gehört zu den gefährlichsten Giften der Welt
DDT zählt zu den zehn giftigsten Pestiziden der Welt. "Es reichert sich im Fettgewebe an und wird nicht abgebaut", so Klaus Kastenhofer von Global 2000. Es wirkt Krebs erregend, beeinflusst den Hormonhaushalt des Menschen und kann so etwa zu Unfruchtbarkeit führen.

Um die Ergebnisse besser einordnen zu können, sollte Kruse zufolge erstmals ein umfassendes Monitoring österreichischer Böden vorgenommen werden. Dann, so die Forderung von Global 2000, müssten die betroffenen Böden saniert werden. Schließlich sollte ein Bundes-Bodenschutzgesetz erstellt werden. Kurzfristige Lösungen hatte Global keine zur Hand. "Man sollte im Supermarkt eher zu Biolebensmittel greifen", so Kaltenhofer.

Landwirtschafts-Genossenschaft: "Sind nicht Giftler der Nation"
Überrascht von den Ergebnissen zeigte sich Karl Nehammer, Geschäftsführer der Österreichischen Genossenschaft des landwirtschaftlichen Erwerbsgartenbaues. "Wir sind ja nicht die Giftler der Nation", meinte Nehammer. Seit dem Verbot würde DDT nicht mehr eingesetzt werden, etwaige Altlasten könne er aber natürlich nicht ausschließen. Der Boden in den Glashäusern wird zudem dem Geschäftsführer zufolge in regelmäßigen Abständen gemeinsam mit der Stadt Wien überprüft, "auf solche Werte sind wir aber nie gekommen".