Al Kaida-Vize in neuer Videobotschaft:
"Hamas soll Kampf gegen Israel fortsetzen"

Zawahiri: "Kein Sandkorn des Bodens aufgeben" Boykott gegen Westen wegen Mohammed-Cartoons

Die Nummer Zwei der Terrororganisation Al Kaida, der ägyptische Extremistenführer Ayman al-Zawahiri, hat die radikale Palästinenserorganisation Hamas aufgerufen, den bewaffneten Kampf gegen Israel fortzusetzen und bereits unterzeichnete Friedensabkommen mit Israel nicht anzuerkennen. Moslems sollten im Übrigen die Länder boykottieren, die in den vergangenen Wochen und Monaten Karikaturen des Propheten Mohammed gedruckt hätten, sagte Zawahiri in einem vom Fernsehsender Al Jazeera ausgestrahlten Video.

"An die Macht zu kommen ist kein Selbstzweck ... und kein Palästinenser hat das Recht, auch nur ein Sandkorn des Bodens abzugeben", sagte Zawahiri, i. "Die Säkularisten in der palästinensischen Regierung haben Palästina für ein paar Brotkrumen verkauft ... Ihnen Legitimität zu verschaffen, ist gegen den Islam." Er bezog sich mit seinen Vorwürfen ausdrücklich auf die Friedensverträge von Oslo von 1993 und auf den jüngsten internationalen Friedensplan für Nahost. "Eure einzige andere Möglichkeit ist, den bewaffneten Kampf bis zur Befreiung Palästinas und der Gründung eines islamischen Staates fortzusetzen", betonte er.

Der Hamas-Funktionär Osama Hamdan bekräftigte in einer Stellungnahme zu dem Video, dass seine Organisation die Vereinbarungen mit Israel nicht akzeptiere. "Die Hamas-Bewegung wird die Palästinenser und die islamische Nation nicht verraten", erklärte Hamdan in Al Jazeera. "Es ist nicht falsch, Rat anzubieten, aber was wir wollen ... ist Unterstützung durch die Nation." Die Hamas hatte die Wahl mit 74 von 132 Abgeordnetensitzen gewonnen; die Fatah von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas stellt nur noch 45 Abgeordnete.

Zawahiri rief die Moslems dazu auf, die westlichen Länder wegen der Mohammed-Karikaturen zu boykottieren. "Wir betrachten die Veröffentlichung der Karikaturen als Teil eines Kreuzzuges gegen Moslems, den die Vereinigten Staaten anführen." Während es die betroffenen Länder nicht wagten, "an die jüdische Religion zu rühren oder die Judenvernichtung anzuzweifeln", hätten sie die Karikaturen veröffentlicht und sich nicht einmal dafür entschuldigt, sagte der Extremistenführer. "Wie können sie es wagen, unsere Länder zu besetzen, unsere Religion und unseren Propheten zu beleidigen und uns hinterher Vorträge über Meinungsfreiheit zu halten."

Die Vereinigten Staaten haben ein Kopfgeld in Höhe von 25 Millionen Dollar (20,8 Millionen Euro) auf Zawahiri ausgesetzt. Sie sehen in ihm den Chefideologen von Al Kaida. Gemeinsam mit dem Anführer der Terrororganisation, Osama bin Laden, soll der in Ägypten geborene Arzt der intellektuelle Wegbereiter der Terroranschläge auf das World Trade Center und das US-Verteidigungsministerium am 11. September 2001 gewesen sein.

Der Vorsitzende des Außenhandelsausschusses im russischen Oberhaus, Michail Margelow, sagte nach einem Gespräch mit Hamas-Politbürochef Khaled Mashaal in Moskau, die Palästinenserorganisation werde Israel gegenüber gezwungenermaßen sachlich sein. "Das Gewicht der Probleme wird sie dazu zwingen, pragmatisch zu sein." Bei dem umstrittenen Besuch von Hamas-Vertretern in der Hauptstadt am Wochenende hatte die russische Regierung klare Forderungen an die Palästinenserbewegung gestellt und sie aufgerufen, Israel anzuerkennen. Der russische Präsident Wladimir Putin informierte seinen US-Amtskollegen George W. Bush am Abend über den Inhalt der Gespräche.

USA, UNO, EU und Russland, die gemeinsam das "Nahost-Quartett" bilden, haben die Hamas aufgefordert, das Lebensrecht Israels sowie alle bisherigen Übereinkünfte zwischen Israel und den Palästinensern anzuerkennen und der Gewalt abzuschwören. Die Organisation ist für zahlreiche Terroranschläge gegen Ziele in Israel verantwortlich, dessen Vernichtung sie sich auf die Fahnen geschrieben hat. (apa)