Al Jaber steigt aus bevor er einsteigt: AUA nimmt Vertragsauflösung genau unter Lupe

Erforderliche Bankgarantie wurde nicht überreicht Mögliche einvernehmliche Vertragsauflösung geprüft<br>AUA nach geplatztem Deal im Visier der Lufthansa

Al Jaber steigt aus bevor er einsteigt: AUA nimmt Vertragsauflösung genau unter Lupe © Bild: APA/Artinger

Der Einstieg des austro-arabischen Investors Sheik Mohamed Bin Issa Al Jaber bei der zu 42,75 Prozent im Besitz der Republik Österreich stehenden Austrian Airlines (AUA) ist vom Tisch. Nachdem Al Jaber wie angekündigt eine einwöchige Nachfrist zur Beibringung einer Bankgarantie über 150 Mio. Euro ungenützt verstreichen ließ, streben nun alle Seiten einen geordneten Ausstieg aus dem Vertragswerk an. Schadenersatzklagen sind allerdings nicht ganz vom Tisch. Der Wunsch, den Streit vor Gerichten auszubreiten, soll sich aber in Grenzen halten, heißt es.

Mit dem Absprung des Scheichs und damit dem Ausbleiben der erhofften Kapitalzufuhr durch den Großinvestor rücken für die im ersten Quartal wieder tief in die roten Zahlen gerutschte AUA strategische Partnerschaften mit starken ausländischen Fluggesellschaften wieder in den Vordergrund. Sogar AUA-Chef Alfred Ötsch hat zuletzt einen mehrheitlichen Verkauf nicht ausgeschlossen, sollte es nicht gelingen, alleine wieder nachhaltig in die Gewinnzone zu kommen. An führender Stelle als möglicher logischer Partner genannt wird seit langem die deutsche Lufthansa.

Interesse der Lufthansa
Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hat gestern Interesse an der angeschlagenen Austrian Airlines bekundet: "Wir wären bereit, sie uns anzuschauen", sagte Mayrhuber der Nachrichtenagentur Reuters in London. "Sie muss aber auf uns zukommen." Die Lufthansa habe bisher kein Gebot für die österreichische Fluggesellschaft abgegeben, fügte der gebürtige Österreicher Mayrhuber hinzu.

Bankgarantie verstrichen
Die staatliche Beteiligungsholding ÖIAG, Hauptaktionärin der AUA, "nimmt den bereits angekündigten und durch Verstreichen der Nachfrist für die Vorlage der Bankgarantie bestätigten Rückzug" von Sheik Al Jaber "zur Kenntnis", wie es in einer Mitteilung von heute, Donnerstag, hieß. Die ÖIAG werde sich dafür einsetzen, dass die Angelegenheit "im Interesse aller Beteiligten in sachlicher und geordneter Form bereinigt wird."

Alle Optionen geprüft
In den aktuellen Strategieüberlegungen würden nun alle Möglichkeiten geprüft - stand alone und auch mögliche Partnerschaften. Die ÖIAG werde aber ohne Privatisierungsauftrag keine Gespräche führen, so eine Sprecherin zur APA. Finanzminister Wilhelm Molterer hat als oberster Eigentümervertreter der Airline von ÖIAG und AUA bis Sommer Entscheidungsgrundlagen eingefordert.

Gestern noch hatten ÖIAG-Kreise der APA berichtet, dass Al Jaber gegenüber der Politik signalisiert habe, dass er nach wie vor an einer Beteiligung interessiert sei. Die Rede war auch davon gewesen, dass die Politik einen erweiterten Privatisierungsbeschluss erwogen habe, um Al Jabers Forderung nach zusätzlichen Aktien um rund 4 Euro pro Stück nachzukommen. Ein entsprechender Ministerratsbeschluss war allerdings ausgeblieben. (Die ÖIAG selber hat die AUA-Aktien jedenfalls über 7 Euro in den Büchern stehen, Anm.)

Die für die Luftfahrt zuständige österreichische Verkehrsstaatssekretärin Christa Kranzl (S) hatte sich für eine Fortsetzung der Gespräche mit Al Jaber ausgesprochen, auch wenn er keine Bankgarantie vorlege. Als Beteiligungsausmaß hielt sie "alles unter 25 Prozent" für vertretbar.

Die AUA werde alle Maßnahmen setzen, um die Wahrung ihrer Interessen sicherzustellen, und sich weiter vertragskonform verhalten, hieß es heute diplomatisch aus der Airline, was das weitere Prozedere nach dem Streit mit Al Jaber betrifft. Dabei werde der Vorstand auch prüfen, ob eine interessenwahrende, einvernehmliche Auflösung der Verträge möglich ist.

Einvernehmliche Lösung
Auch Sheik Al Jaber hat heute Bereitschaft zu einer einvernehmlichen Lösung bekunden lassen. Eine lange juristische Auseinandersetzung sei das Letzte, das die AUA jetzt brauche, sagte sein Österreich-Sprecher zur APA. Al Jaber würde sich einem Gesprächsangebot nicht verschließen.

In den Verträgen hatte sich Al Jaber verpflichtet, eine Kapitalerhöhung zu zeichnen, diese ausverhandelte Investitionszusage hatte er nach Angaben seines Sprechers schon am 30. April zurückgezogen.

Al Jaber hatte der AUA-Spitze vorgeworfen, sie hätte ihn über den 60-Millionen-Verlust im Quartal zu spät informiert, also in die Irre geführt, die ÖIAG und AUA-Verantwortliche wiesen das zurück, und warfen Al Jaber wiederum vor, unerfüllbare Bedingungen gestellt zu haben, und sprachen von Vertragsbruch.

Bis Sommer soll ein Konzept von ÖIAG und AUA vorliegen, wie es nun weiter geht. SP-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und VP-Vizekanzler Molterer schließen Partner für die Airline nicht mehr aus. Beide deponierten beim Ministerrats-Foyer, dass eine "starke 'Austrian Airlines'" (Molterer) "unter relevantem österreichischen Einfluss" (Gusenbauer) von strategischer Bedeutung für den Standort sei. Wesentlich sei, dass die AUA wieder bessere Zahlen schreibt. Nur das garantiere langfristig das Überleben, so der Kanzler.
(apa/red)