AKW Fukushima wieder mit Strom versorgt:
Kühlung aber noch nicht wieder in Betrieb

Prognose: Bringt Wetter Strahlung ins Landesinnere? Plus: Zwei Überlebende aus Trümmern geborgen

Nach all den düsteren Nachrichten aus Japan ein Hoffnungsschimmer: Neun Tage nach dem verheerenden Erdbeben haben Einsatzkräfteeine 80-jährige Frau und ihren 16 Jahre alten Enkel aus den Trümmern eines Hauses gerettet. Die Zahl der Toten und Vermissten aber steigt immer weiter und liegt in Summe schon bei mehr als 20.000.

Die Polizei teilte laut Nachrichtenagentur Kyodo mit, dass mindestens 8.133 Menschen bei dem Erdbeben der Stärke 9 und dem davon ausgelösten Tsunami ums Leben kamen. 12.272 gelten offiziell als vermisst.

Das japanische Fernsehen NHK berichtete über die beiden Geretteten, die in Ishinomaki in der schwer betroffenen Provinz Miyagi gefunden worden seien. Großmutter und Enkel wirkten demnach geschwächt, hätten jedoch auf Fragen der Polizei reagiert. Der Teenager soll an Unterkühlung leiden.

Junge rief auf Dach nach Hilfe
Die beiden hätten sich von Joghurt und anderen Lebensmittel ernährt, die in einem Kühlschrank des zerstörten Hauses lagen, berichteter der Sender NHK. Von dem Burschen heißt es, er habe sich auf den Trümmern des Daches befunden und nach Hilfe gerufen. Ein Suchtrupp der Einsatzkräfte habe ihn entdeckt. Beide Überlebenden wurden mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus ausgeflogen.

Zahl der Toten könnte weiter steigen
Die Zahl der Toten und Verletzten könnte nach Meldungen der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo noch weiter steigen: Der Polizeichef in der Präfektur Miyagi sagte demnach, allein in diesem Verwaltungsgebiet seien 15.000 Menschen ums Leben gekommen. Zu den am schwersten betroffenen Orten gehört Minamisanriku, wo nach dem Tsunami von 9.500 Bewohnern jedes Lebenszeichen fehlte. Nach unterschiedlichen Angaben sind 360.000 bis 400.000 Menschen in Notunterkünften unterbracht. Sie leiden unter Kälte und mangelnder Versorgung mit dem Nötigsten.

Österreich will eine Mio. Euro spenden
Österreich will eine Million Euro aus dem Katastrophenfonds für die Opfer des Erdbebens und des Tsunamis sowie der Atomkatastrophe in Japan spenden. Das Geld soll dem japanischen Roten Kreuz zur Verfügung gestellt werden, kündigte Außenminister Spindelegger am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" an.

Fukushima wieder mit Strom versorgt
Der Reaktor 2 im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima Eins ist wieder mit dem Stromnetz verbunden. Nach Angaben des Betreiberunternehmens Tepco vom Sonntag konnten die Kühlsysteme jedoch noch nicht wieder in Betrieb genommen werden. Die Reaktorblöcke 5 und 6 werden wieder gekühlt und sind in einer stabilen Lage ("cold shutdown").

Ein Tepco-Sprecher sagte, nach dem Anschluss des Reaktors 2 an das Stromnetz müsse aus Sicherheitsgründen zunächst geprüft werden, inwiefern das Kühlsystem und andere Anlagen funktionsfähig seien. Wann die Tests abgeschlossen werden könnten, sei unklar. Regierungssprecher Yukio Edano erklärte, dass das Kraftwerk nie wieder in den regulären Betrieb gehen solle.

Reaktoren 1 bis 4 "rund um die Uhr" besprüht
Unterdessen setzten Ingenieure, Soldaten und Feuerwehrleute ihre Bemühungen fort, die vier überhitzten Reaktorblöcke 1 bis 4 notdürftig zu kühlen. Nach Angaben von Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa sollen die Reaktoren "rund um die Uhr" besprüht werden

Strahlung kann ins Landesinnere kommen
Die Ausbreitungsrechnungen der Meteorologen für die nächsten Tage zeigen, dass Strahlung von Fukushima zunehmend ins Landesinnere verfrachtet werden kann. Durch die nasse Deposition gehe der Großteil der radioaktiven Partikel im regionalen Nahbereich nieder, wodurch die Radioaktivität auf den Boden gelangt.

Möglichkeit auf Regen
In Japan steige die Bereitschaft zu Regenschauern an, bei schwachen nordöstlichen Winden in Bodennähe komme es zu Verfrachtungen von der Küstenregion ins Landesinnere, hieß es in einer Aussendung der ZAMG. Am Montag ziehe eine stärkere Störung mit allgemeiner Abkühlung durch, bei meist schwachem Wind aus Nordost sinke die Schneefallgrenze auf knapp unter 1.000 Meter. Am Dienstag dreht der Wind laut den Experten wieder auf Nordwest, die Wahrscheinlichkeit für Niederschlag liegt nur mehr bei 40 Prozent. Die Temperaturen liegen zwischen einem und elf Grad. Der Mittwoch soll teilweise sonnig und schwach windig werden, kurze Schneeschauer sind möglich, eine zeitweise örtliche Nordostkomponente ist nicht gänzlich ausgeschlossen, zumeist sollte sich aber eine leichte Strömung aus Nordwest durchsetzen, so die ZAMG.

(apa/red)