Wie sicher sind die
AKWs rund um Österreich?

Diese Kraftwerke könnten zur Gefahr werden

von AKW Krsko © Bild: Matej Leskovsek APA / AFP / picturedesk.com

Experten warnen vor dem enormen Risiko der Atomkraft: "Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht", sagt Adam Pawloff, Energiesprecher von "Greenpeace Österreich". Eine neue Katastrophe ist somit nicht undenkbar. Rund 8 Autostunden von Wien entfernt, in der Schweiz, liegt das älteste noch laufende AKW der Welt, der 1969 fertiggestellte Reaktor Beznau 1. Seit über einem Jahr ist der Reaktorblock 1 mittlerweile außer Betrieb, wegen Wartungsarbeiten. Rund 1.000 Schwachstellen sind 2015 bei einer Überprüfung des Reaktordruckbehälters entdeckt worden. Und trotzdem will der Energiekonzern Axpo, Betreiber des AKWs, den Block noch diesen Sommer wieder hochfahren - für Experten eine Farce. "Es sollte nie wieder in Betrieb gehen", sagt Reinhard Uhrig, Atomsprecher von "Global 2000". Das Risiko, ein so altes Kraftwerk am Laufen zu halten, sei einfach zu groß.

Der Energiesprecher von "Greenpeace Österreich" warnt: Mit AKWs die 10, 20 oder 30 Jahre alt sind, habe man Erfahrung. Ältere AKWs würden ein erhöhtes Risiko darstellen. "Wir wissen nicht, wie sich diese Atomkraftwerke in puncto Sicherheit entwickeln werden. Mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko", sagt Pawloff.

2015 haben Anwohner gemeinsam mit Umweltschützern eine Klage eingereicht: Das AKW Beznau sei nicht erdbebensicher, lautete ihr Vorwurf. Zudem liegt das alte Kraftwerk auf einer künstlichen Insel des Flusses Aare. Zwar sind im Februar 2016 die Sicherheitsmaßnahmen für den Fall von Hochwasser erhöht worden, Bewohner und Kritiker fordern dennoch die Abschaltung.

Rund um Österreich finden sich einige AKWs, die "Global 2000" als Sicherheitsrisiko einstuft:

© APA/Martin Hirsch

1. Beznau, Schweiz

Das AKW Beznau wird aufgrund seines hohen Alters - Blöcke sind älter als 30 Jahre - als Hochrisikoreaktor bezeichnet. In der Schweiz ist das AKW ebenfalls umstritten. Atomkraftgegner kämpfen schon seit Jahren für eine endgültige Abschaltung des Kraftwerks.

2. Dukovany, Tschechien

Das AKW Dukovany liegt in Südmähren, nur 100 Kilometer nördlich von Wien. Die 4 Reaktorblöcke sind zwischen 1985 und 1987 in Betrieb gegangen. Das AKW besitzt kein sogenanntes Containment, eine den Reaktordruckbehälter umschließende Sicherheitsvorkehrung, um im Fall eines Störfalls die Umwelt vor radioaktiver Verstrahlung zu schützen. Daher zählt das AKW zu den Hochrisikoreaktoren.

3. Bohunice, Slowakei

Rund 230 Kilometer von Wien entfernt befindet sich das AKW Bohunice mit seinen 2 Reaktorblöcken - seit 1984 beziehungsweise 1985 in Betrieb. Während die Blöcke Bohunice 1 und Bohunice 2 bereits 2006 und 2008 abgeschaltet wurden, sollen die verbliebenen Blöcke planmäßig noch mindestens bis 2025 betrieben werden - auch wenn das AKW genauso wie Dukovany über kein Containment verfügt. Zuletzt trat 2010 im Block 1 ein Störfall auf: Ein Kurzschlusses führte zu einem Feuer im Verwaltungsgebäude neben dem abgeschalteten, aber immer noch radioaktiv belasteten Block. Der Brand konnte rechtzeitig gelöscht werden.

4. Mochovce, Slowakei

Ähnlich sieht die Lage beim AKW Mochovce (2 Reaktorblöcke) aus: Hier fehlt ebenfalls ein Containment. Es liegt knapp 200 Kilometer von Wien entfernt. Das Kraftwerk ist in Österreich stark umstritten. Grünen-Politikerin Eva Glawischnig - sie schrieb ihre Dissertation über grenznahe Kraftwerke - klagte sogar gegen den Kraftwerksbetreiber Slovenské Elektrárne wegen der Gefährdung durch radioaktive Immissionen. Allerdings scheiterte sie 2005 mit ihrer Klage in zweiter Instanz vor dem Landesgericht für Zivilrechtssachen in Wien. Sicherheitsmängel seien nicht konkret nachweisbar gewesen, hieß es damals. Heute hat das AKW einige Jahre mehr auf dem Buckel und Umweltschützer raten nach wie vor zur Abschaltung. Am 26. November 2010 sorgte ein Störfall im Block 2 für Aufregung: Ein Turbogenerator brannte.

5. Paks, Ungarn

Das AKW Paks, das rund 300 Kilometer von Wien entfernt liegt, besitzt 4 Reaktorblöcke, sie sind teilweise bereits über 30 Jahre alt. Von einem Containment fehlt, wie bei seinen Nachbar-AKWs, jede Spur. 2013 kam es zu einem Störfall im Block 3: Der Wasserstand im Abklingbecken sank plötzlich ab, es wurden massive Rostschäden mit mehreren Durchrostungen an den in Betondecken verbauten Kühlrohren festgestellt. Der Schaden wurde repariert und das System wieder in Betrieb genommen, auch wenn der Grund für das Auftreten des Rosts laut "Global 2000" nicht geklärt werden konnte.

6. Krsko, Slowenien

"Krsko zählt zu den gefährdetsten AKWs überhaupt", sagt Atomsprecher Reinhard Uhrig. Das AKW mit 1 Reaktorblock läuft seit 1981 und liegt auf einem Erdbebengebiet. In den letzten Jahren sind dort gleich mehrere Störfälle aufgetreten:

  • 2012 Notabschaltung: Laub und Schlamm verstopfen infolge eines Hochwassers in der Kühlwasserzuleitung die Filter der Kühlpumpen.
  • 2013 Notabschaltung: Ein Isolationsventil an der Hauptdampfleitung versagt.
  • 2013 Reparatur: Beim Transport eines Brennelements vom Reaktor bricht ein 0,5 Meter langes Teil ab und sinkt auf den Boden des Abklingbeckens, 5 der 121 Brennelemente im Reaktor sind beschädigt oder lecken und müssen ersetzt werden

Krsko liegt nur rund 140 Kilometer von der südsteirischen Stadt Leibnitz entfernt.

7. Mühleberg, Schweiz

Seit 1972 ist das AKW Mühleberg in Betrieb, es ist "baugleich mit dem AKW Fukushima", teilt Uhrig mit. Der Experte hält das AKW für besonders gefährdet, da es direkt an dem Wohlensee-Staudamm liegt. "Im Falle eines Erdbebens würde der Damm brechen und das AKW überfluten", prognostiziert der Atomsprecher.

Für Uhrig gibt es nur eine Lösung: Die AKWs müssen abgeschaltet werden. "Alle Reaktoren, die in Erdbebengebieten liegen, älter als 30 Jahre sind oder kein Containment besitzen, müssen sofort stillgelegt werden", fordert Uhrig.

Und wie sieht es innerhalb der EU aus? Laut "Global 2000" betreiben 14 der 28 Staaten Atomkraftwerke. Etliche davon stuft die Umweltschutzorganisation als Risikofaktor ein. Ein Überblick:

Farbcode der AKW-Karte:
ROT = Hochrisikoreaktor, Siedewasserreaktor 69 oder GE Mark I (Fukushima-Typ)
ORANGE = Hochrisikoreaktor, kein Containment
GELB = Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre
BRAUN = Hochrisikoreaktor, Erdbebengebiet
GRAU = Reaktor in Betrieb
SCHWARZ = Reaktor abgeschaltet

Kommentare

Gabe Hcuod

Sprengt sie in die Luft!

Die Energielobbies sind schon ein gieriger Bluthund. Sorgen würde ich mich mal um den uranhaltigen Dünger und die Putzmittel in unseren Regalen, und um den Atommüll, den die Staaten vor Ihren Küsten versenkt haben. Aber auf die Idee kommt wohl keiner!

Ja ja die saubere und vorbildliche Schweiz. Gegen alles und jedes sein (keine EU, keine UNO usw.) aber jahrzehntealte Kernkraftwerke betreiben die uns allen jederzeit um die Ohren fliegen und ganz Mitteleuropa unbewohnbar machen können. Danke liebe Eidgenossen! Macht weiter so.

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