Tierleid von

Aktion gegen Welpenmafia: "Dieser Wahnsinn muss aufhören"

Die Autoren von "Die Welpenmafia" sagen dem illegalen Welpenhandel den Kampf an

Illegaler Welpenhandel © Bild: VIER PFOTEN | FOUR PAWS | George Nedelcu

Ich bin süß, bitte nicht kaufen! Jedes Jahr werden in Europa von der Welpenmafia hunderttausende Welpen in sogenannten Vermehrerstationen produziert. Aus Mitleid oder wegen des billigen Preises kaufen viele Menschen das kleine Bündel Hund. "Das ist genau der falsche Weg", warnen Gerda Melchior und Volker Schütz, die Autoren des Buches "Die Welpenmafia - Wenn Hunde nur noch Ware sind". Um die Menschen aufzurütteln und für das Thema zu sensibilisieren will das Autorenduo nun im November eine große Aktion gegen den illegalen Welpenhandel starten, mit dabei sind auch jede Menge internationaler Promis.

Im Interview mit NEWS.AT klären die beiden engagierten Gegner des illegalen Welpenhandels über die Risiken und gravierenden Folgen von "Billigwelpenkäufen" auf - vor allem in Hinblick auf Weihnachten. Und auch Expertin Katja Wolf vom Österreichischen Kynologenverband (ÖKV) mahnt eindringlich davor, sich todkranke Tiere aus dem Kofferraum eines Autos nach Hause zu holen.

Die Welpenmafia - Zigtausende Hundebabys werden illegal verkauft.
© Hansanord Verlag Das Autorenduo Gerda Melchior und Volker Schütz

NEWS.AT: Warum ist es Ihnen ein Anliegen diese Aktion gegen den illegalen Welpenhandel, die auch von "Vier Pfoten" unterstützt wird, zu starten?
Volker Schütz: Potentielle Welpenkäufer sollen nicht mehr bei Massen-Vermehrern kaufen oder Hunde aus dem Kofferraum mitnehmen, sondern sich Hunde aus einem Tierheim oder Welpen bei einem seriösen, gemeldeten Züchter holen. Wir binden in die Aktion Prominente aus Deutschland, Österreich und den USA mit ein. Die Stars werden ihr persönliches Statement, per Videobotschaft oder handschriftlich, abgeben und können so zum Kampf gegen die Welpenmafia beitragen. Über zwei liebe Freunde in den USA, Jürgen Walter Levine und seine Gattin Gina Clarke, haben wir schon Promis wie Mike Tyson, David Hasselhoff, Christina Aguilera und Robert Dornhelm für unsere Aktion gewinnen können.
Gerda Melchior: Unser Verleger hat 200 Bücher ("Die Welpenmafia"; Anm. der Red.) zur Verfügung gestellt, in die Prominente ihr Autogramm und ihre handschriftlichen Botschaften hineinschreiben. Diese Bücher und Videobotschaften wollen wir dann für den guten Zweck versteigern. Das Geld kommt dem Verein "Leid der Vermehrerhunde" zugute.

»Die Hündinnen werden vergewaltigt«

NEWS.AT: Wie viele Welpen werden jährlich europaweit in solchen Vermehrerstationen produziert?
Melchior: Das sind hunderttausende Welpen pro Jahr. Jeder Kauf von einem Welpen spielt den Händlern in die Hände. Bei einer seriösen Zucht wird die Hündin drei- bis maximal viermal in ihrem Leben gedeckt. In den Vermehrerstationen werden die Hündinnen viel zu früh, ab ihrer ersten Hitze, gedeckt. Vom Alter her ist das vergleichbar mit einem 11- bis- 12-jährigen Mädchen. Die Hündinnen wollen das nicht, sie wehren sich und werden deshalb angekettet und regelrecht vergewaltigt. Die Umstände der Zeugung sind schon katastrophal und dann kommt nach dazu, unter welchen Umständen die Welpen dort aufwachsen.

Die Welpenmafia - Zigtausende Hundebabys werden illegal verkauft.
© Hansanord Verlag/ www.leid-der-vermehrerhunde.de Das stark in Mitleidenschaft gezogene Gesäuge einer Vermehrer-Hündin.
Katja Wolf vom ÖKV
© ÖKV Katja Wolf vom ÖKV

NEWS.AT: Wie sehen die Zustände in diesen Stationen aus?
Katja Wolf: Die Hunde erhalten dort minderwertiges Futter und verschmutztes Wasser. Sie werden unter einer extremen Stresssituation gehalten. Was kann da an gesunden Welpen herauskommen?
Schütz: Die Elterntiere sind ihr ganzes Leben lang im Betonbunker eingesperrt und müssen nur produzieren. Die Tiere, die aus solchen Stationen befreit werden konnten, sind extrem ängstlich, besonders Menschen gegenüber.

NEWS.AT: Wie geht es den "Billigwelpen" gesundheitlich?
Melchior: Von 100 "Billigwelpen" sind 80 bis 85 todkrank. Durch diesen ganzen Vermehrer-Wahnsinn sind wieder Krankheiten wie Staupe, Parvovirose und Tollwut aufgetaucht, die in Österreich und Deutschland schon kein Thema mehr waren. Mit dem Welpen trägt man also auch die Krankheiten mit nach Hause.
Wolf: Die Welpen sind auf jeden Fall schwer traumatisiert und viel zu früh der Mutter entrissen. Wesentliche Prägungsphasen erleben sie in Kofferräumen und unter unwürdigen Bedingungen. Sie sind überhaupt nicht sozialisiert.
Schütz: Ein Welpe, der an Parvovirose leidet, verschmutzt die ganze Wohnung mit blutigem Kot. Das ist eine Tatsache. Und der Hund überlebt so etwas auch nicht. Deshalb Hände weg von "Billigwelpen".

Die Welpenmafia - Zigtausende Hundebabys werden illegal verkauft.
© VIER PFOTEN/Hansanord Verlag So wachsen Welpen in einer Vermehrerstation auf.
Die Welpenmafia - Zigtausende Hundebabys werden illegal verkauft.
© VIER PFOTEN/Hansanord Verlag So wachsen gesunde Welpen bei einem seriösen Züchter auf.

NEWS.AT: Warum kaufen trotz dieser Zustände dennoch Interessenten ihren Hund bei illegalen Welpenhändlern?
Melchior: Es gibt viele Käufer, die sagen, ich will keine 1.000 Euro für einen Hund ausgeben, ich brauche keine Papiere, ich will den Hund ja nur liebhaben. Das ist ein kompletter Unsinn. Dann profitieren wieder nur die Welpenhändler.
Schütz: Ein seriöser Züchter hinterfragt auch die privaten Verhältnisse und das verstehen viele Menschen leider nicht. Jeder verantwortungsvolle Züchter will zu Recht wissen, ob der Hund in gute Hände kommt und darf einen Käufer abweisen. Wenn jemand die Ablehnung nicht einsieht, denkt er sich vielleicht, dann hole ich mir den gewünschten Hund eben aus dem Kofferraum und das noch viel billiger.

»Seriöse Zucht hat ihren Preis«

NEWS.AT: Was unterscheidet einen seriösen Züchter im Internet von den illegalen Welpenhändlern?
Wolf: Bei einem seriösen Züchter kostet ein Welpe im Schnitt ab 1.000 bis 1.200 Euro aufwärts. Wenn ein Hund nur ein Zehntel des Kaufwertes kostet, ist das schon sehr verdächtig. Der Welpenkäufer muss die Möglichkeit haben zum Züchter zu gehen, dort die Welpen und die Mutterhündin kennen zu lernen und sich gemeinsam mit dem Züchter einen Welpen auszusuchen. Es ist die Aufgabe eines guten Züchters den idealen Welpen für die künftigen Besitzer zu finden. Und er ist auch ein lebenslanger Ansprechpartner. Wenn etwas passiert und der Hund einen neuen Platz braucht, kann man sich wieder an den Züchter wenden.
Melchior: Bei einem unseriösen Vermehrer findet man im Internet stattdessen eine Handynummer, keine Adresse und landet auf irgendeinem Parkplatz als Abholort.
Schütz: Wenn man auf eine Anzeige im Internet oder in einer Zeitung hin anruft und es heißt: "Bitte kommen Sie vorbei", dann ist alles in Ordnung. Heißt es aber: "Ich bringe Ihnen den Welpen in drei Wochen vorbei", dann muss man die Finger davon lassen. Das ist absolut unseriös.

Die Welpenmafia - Zigtausende Hundebabys werden illegal verkauft.
© VIER PFOTEN/Hansanord Verlag Hunde werden aus dem Kofferraum heraus verkauft.

NEWS.AT: Warum dürfen Hunde vom seriösen Züchter um einiges mehr kosten?
Wolf: Züchten bringt eine große Verantwortung mit sich. Jene Züchter, die in Österreich über den Österreichischen Kynologenverband organisiert sind, züchten nach sehr klar definierten Zucht- und Eintragungskriterien. Es gibt eindeutige Regelungen zum Alter der Hunde, wie oft eine Hündin gedeckt werden darf und welche Hunde zur Zucht zugelassen werden. Es ist wichtig, dass die Hunde gesund und wesensfest sind. Ein verantwortungsvoller Züchter fährt fallweise durch ganz Europa, um den passenden Deckrüden für seine Hündin zu bekommen. Der Welpe erfährt beim Züchter dann eine optimale Haltung und wird von Klein auf sozialisiert, also an Autofahrten, an Geräusche und alltägliche Dinge gewöhnt. Dass das alles seinen Preis hat, versteht sich von selbst. Zieht man alle Kosten für den Züchter in Betracht so bleiben ihm maximal 100 bis 200 Euro pro Welpen über.

»Keine Welpen unter dem Weihnachtsbaum«

NEWS.AT: Was raten Sie Personen, die einen Welpen zu Weihnachten verschenken wollen?
Melchior: Man soll sich mit den Kindern gemeinsam und in Ruhe den Hund bei einem Züchter oder einer Tierschutzeinrichtung aussuchen. Es darf kein unüberlegter Spontankauf sein. Es muss in die Köpfe der Menschen hinein, dass "Billigwelpen" absolut tabu sind.
Wolf: Man kann seinem Kind zu Weihnachten wunderbar einen Plüschhund schenken, mit einem Gutschein darauf, dass man sich später gemeinsam den Hund beim Züchter aussucht. Das Kind lernt dabei etwas wichtiges, nämlich ein Lebewesen wertzuschätzen. Der Züchter hat keine Welpen in der Schublade, das braucht alles seine Zeit. Ein Kind soll nicht vermittelt bekommen, dass man einen Hund einfach zwischen einer Packung Milch und zwei Paar Schuhen mit nach Hause nehmen kann.

Die Welpenmafia - Zigtausende Hundebabys werden illegal verkauft.
© Hansanord Verlag

Das Buch:
Christopher Posch, Gerda Melchior, Volker Schütz: „Die Welpenmafia. Wenn Hunde nur noch Ware sind“ Hansanord Verlag, 2013
320 Seiten, 19,99 Euro.

© Video: VIER PFOTEN

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