Akakiko-Gründerin Mi-Ja Chun: Mit Ausdauer zum Erfolg

Mi-Ja Chun ist Gründerin und Betreiberin der erfolgreichen Asia-und Sushi-Kette Akakiko. Ihr Business hat die gebürtige Koreanerin aus dem Nichts aufgebaut.

von Akakiko © Bild: News/ Matt Observe

Akakiko zählt seit 27 Jahren zu den bekanntesten Asia-und Sushirestaurants in Österreich. Aber kaum jemand kennt die bewegende Geschichte der Gründerin Mi-Ja Chun,64, die als jüngstes von neun Kindern ihre Heimat Korea verließ, um hier als Migrantin von null auf ihr Business zu starten.

Lebensplanung über den Haufen geworfen

Sie war gerade mal 23 Jahre alt, als Chun ihrem damaligen Ehemann 1979 nach Wien folgte, weil dieser hier studierte. Dafür warf sie ihre Lebensplanung komplett über den Haufen und orientierte sich neu. Die gelernte Steuerberaterin lernte noch in Korea die deutsche Sprache und ließ sich als Krankenschwester ausbilden. Im Gegensatz zu Österreich muss man in Korea die Schulausbildung weitgehend selbst finanzieren. Ein Studienjahr kostet heute in etwa 10.000 bis 20.000 Euro ohne Unterbringung. "Ich war gut in Mathematik und habe Nachhilfe gegeben, um mir mein eigens Schulgeld zu finanzieren."

Erster Job: Pflegerin

Der Beruf der Krankenschwester war damals wie heute in Österreich stark nachgefragt. "Als ich nach Wien kam, arbeitete ich zunächst als Pflegerin in Wien und betrieb parallel dazu ein kleines Obst-und-Gemüse-Geschäft am Naschmarkt."

Akakiko
© News/ Matt Observe NEUES DESIGN. Nach Vorbild der Filiale im Wiener Gerngross werden auch die anderen Stores im modernen Lounge-Stil umgestaltet

Kulinarisch von der Mutter geprägt

Es dauerte allerdings Jahre, bis Chun die kulturellen Unterschiede überwand. Vor allem vermisste die junge Frau die traditionelle Küche ihrer Heimat. Und so eröffnete Chun 1984 ihr erstes Restaurant Das Seoul in Wien. Die Zubereitung von asiatischen Speisen lernte sie schon als Kleinkind. "Meine Mutter, die nach dem Krieg in Korea einen kleinen Imbiss betrieb, hat mich in diese Richtung stark geprägt".

Ausdauer und Durchhaltevermögen

Ein paar Jahre später kam es zu großen Einschnitten in ihrem Leben. Chun trennte sich von ihrem Mann, musste ihr Lokal aufgeben und blieb trotz finanzieller Schwierigkeiten als alleinerziehende Mutter in Wien. Ihre Ausdauer und ihr Durchhaltevermögen lohnten sich.

Geburtststunde von Akakiko

1994 eröffnete Chun, die gerade mit ihrem vierten Kind schwanger war, das erste Akakiko-Restaurant in der Shopping City Süd. Damals waren Sushi und Pan-Asia-Küche noch etwas Außergewöhnliches. Frisch gekochtes Essen mit hochwertigen Zutaten, eine große Bandbreite an Spezialitäten und handgemachte Sushi eroberten bald den österreichischen Gaumen.

Rezept Akakiko
© News

Akakiko heute: Ein Family-Business mit 250 Beschäftigten

Heute umfasst Akakiko 18 Filialen in ganz Österreich mit insgesamt 250 Beschäftigten. Die beiden Söhne Paul, 32, und Sean, 37, arbeiten ebenfalls schon im elterlichen Betrieb mit. "Die meisten unserer Mitarbeiter sind Migranten der ersten oder zweiten Generation. Sie stammen aus 15 verschiedenen Ländern und bringen ihre unterschiedlichen Erfahrungen und kulinarischen Vorlieben bei Akakiko ein." Der poppige Auftritt von Akakiko ist längst einem reduziertem Interior im Lounge-Stil gewichen. Und auch das Mädchen, das lange Zeit Teil des Markenlogos war, hat einem schlichten Schriftzug Platz gemacht.

Akakiko
© News/ Matt Observe Fisch wird von Sushimeister Mani kunstvoll filetiert

Internationaler Erfolg

Auch international ist Akakiko erfolgreich. Der Franchisenehmer Louis Group, größter Tourismuskonzern im östlichen Mittelmeerraum, betreibt vier Akakiko-Lokale in Zypern und drei in Griechenland. Zum Unternehmen gehören auch die drei Spezialitätenlokale Yori Korean Dining in der Wiener City, Das Kimchi in Wien Landstraße und das Shabu Shabu in der Stumpergasse.

Reisgericht Bibimbap
© News/Matt Observe Das beliebte koreanische Reisgericht Bibimbap kann man auch mit rohem und gebratenem Tofu, Fisch oder Huhn zubereiten.
»Wenn du es eilig hast, gehe langsam«

Auch während der Pandemie und der vielen Lockdowns hat Chun nie der Mut verlassen. Gemäß ihrem Credo, "Wenn du es eilig hast, gehe langsam" stellte sie vermehrt auf Zustellung um und kam so gut über die Runden. "Wir müssen stets kreativ sein und vor allem unsere Kunden servicieren und überraschen." Den speziell für Kinder entwickelten Menüs werden bunte Stäbchen beigelegt, die an den Enden mit Tieren verbunden sind, damit den Kleinen das Essen leichter fällt. Tipps hat Chun auch für Erwachsene, um die Kunst des Stäbchen-Essens zu erlernen. "Man hält die Stäbchen fast parallel zum Teller und greift das Sushi weit unten. Dann läuft man nicht Gefahr, sich mit Sojatunke anzuspritzen."

Auch privat wieder glücklich

Mittlerweile ist Wien zur zweiten Heimat von Chun geworden. Seit 14 Jahren ist sie glücklich mit dem Diplomaten René Pollitzer verheiratetet, der ihr auch beruflich eine große Unterstützung ist. Längst sind auch die kulturellen Unterschiede beim Essen überwunden: "Ich mag Backhendl ebenso gerne wie Zwiebelrostbraten." Gegen das Heimweh hilft ihr Karaoke-Singen und der Austausch mit ihren Landsleuten. Aber vor allem engagiert sich die Koreanerin in Netzwerken, um auch anderen Frauen Mut zu machen, die Familie und Beruf unter einen Hut bringen müssen. "Auch ich hätte gerne mehr Zeit für meine Familie und Kinder gehabt, aber man darf das eigene Leben trotzdem nicht vergessen."