Demo-Nachwehen von

Akademikerball 2014: Ist der
falsche Demonstrant angeklagt?

Schüler soll Polizisten geschlagen haben, dieser erkannte Aggressor aber nicht wieder

Akademikerball 2014 © Bild: APA/HERBERT P. OCZERET

Ein Schüler, der im Jahr 2014 an einer Demonstration gegen den Wiener Akademikerball (WKR) teilgenommen hatte, muss sich wegen versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt im Landesgericht verantworten. Der damals 17-Jährige soll einen Polizisten mit einer Transparent-Stange geschlagen und sich danach gegen seine Festnahme gewehrt haben. Möglicherweise wurde allerdings der Falsche angeklagt.

Der 37 Jahre alte Beamte räumte nämlich im Zeugenstand ein, er erkenne im Angeklagten "nicht zu 100 Prozent" den Angreifer wieder. Er habe am Abend des 27. Jänner 2014 mit zahlreichen anderen Kollegen hinter dem Burgtheater eine Sperrkette gebildet. Eine "Menschenmasse" habe dagegen angedrückt: "Teilweise sind sie durchgelaufen." Jemand habe ihm mit einer Stange auf den Unterarm geschlagen: "Aufgrund der Schutzausrüstung habe ich keinen Schmerz gehabt." Reflexartig habe er dennoch nach der Stange gegriffen und dabei den Arm des Angeklagten zu fassen gekriegt.

Es sei mit diesem zu einer "Rangelei" gekommen, ein zweiter Kollege habe ihn "schützend" unterstützt: "Wir haben ihn am Boden abgelegt und mit einem Oberarm-Streckhebel fixiert." Auf Nachfrage von Richterin Michaela Röggla-Weiss meinte der Polizist, seine Sicht sei während der Amtshandlung aufgrund des Schutzhelms getrübt gewesen: "Das Visier war angelaufen. Das passiert bei solchen Einsätzen. Aufgrund der Menschenmasse war es leicht beschlagen."

Angeklagter hatte keine Stange bei sich

Der jugendliche Angeklagte versicherte, er habe im Bereich Löwelstraße-Burgtheater kein Transparent getragen und weder eine Holzstange in Händen gehalten noch damit auf einen Beamten eingeschlagen. Es habe tumultartige Szenen gegeben, er sei plötzlich von einem Polizisten zu Boden geworfen, fixiert und festgenommen worden.

Mehrere Zeugen bestätigten diese Darstellung. Andere Demonstranten hätten die Exekutive mit Dosen und Flaschen beworfen, auch Knaller und bengalische Feuer gezündet. Der Angeklagte habe damit aber nichts zu tun gehabt und sich nichts zuschulden kommen lassen. Dennoch habe ihn die Polizei "gepackt und aus heiterem Himmel zu Boden geschmissen, geworfen, was auch immer", so ein Augenzeuge.

Seit Polizei-Einsatz eingeschränkte Bewegungsfähigkeit

Für den Schüler hatte die Amtshandlung gravierende gesundheitliche Folgen. Er wurde bei dem polizeilich erzwungenen Sturz verletzt und musste auf Krücken den Weg zur Anklagebank antreten, obwohl der Vorfall über ein Jahr zurückliegt. Wie er und sein bei der Verhandlung anwesender Vater der APA in einer Prozesspause schilderten, war er mit beiden Knien mit voller Wucht auf den Beton geknallt. Das habe ein Knochenödem zur Folge gehabt, verwies der Jugendliche auf ärztliche Feststellungen. Obwohl er mehrere Ärzte konsultiert habe und Therapien in Anspruch nahm, sei er nach wie vor in seiner Bewegungsfähigkeit einschränkt. Zudem ist der 18-Jährige seinen Angaben nach weiterhin täglich auf Schmerzmittel angewiesen.

Nach seiner Festnahme war der Bursch auf eine Wachstube gebracht worden. Man habe ihn vier Stunden in eine Zelle gesperrt, wie er der APA erzählte. Erst dann sei er "verhört" worden. Um halb vier in der Früh habe man ihn schließlich entlassen, sein Vater habe ihn abgeholt.

65 Kilogramm vs. 105 Kilogramm

Der schlaksige Bursch bringt 65 Kilo auf die Waage, wie er auf Befragen der Richterin erklärte. Der Polizist, gegen den er sich gewehrt haben soll, ist einen Kopf größer und wiegt eigenen Angaben nach 105 bis 110 Kilogramm. Ein gegen den Polizeibeamten gerichtetes Verfahren wegen Körperverletzung wurde von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Der Rechtsvertreter des Burschen hat dagegen zunächst einmal "einen Begründungsantrag" eingebracht, wie Ernst Schillhammer der APA erklärte. Ob er letztlich auch einen Fortführungsantrag stellen wird, will der Anwalt vom Ausgang des Strafverfahrens gegen den 18-Jährigen abhängig machen. Dieses wird am kommenden Montag fortgesetzt und soll auch in erster Instanz abgeschlossen werden.

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