AK-Studie von

Vorsicht vor Kaufsucht

Fast 30 Prozent der Österreicher sind gefährdet

AK-Studie - Vorsicht vor Kaufsucht

Eine der weit unterschätztesten, aber weit verbreitetsten Krankheiten ist die Kaufsucht: Fast 30 Prozent der Österreicher sind davon betroffen. 20 Prozent sogar sehr deutlich, weitere acht Prozent stark kaufsuchtgefährdet. Das ergab eine im Auftrag der Arbeiterkammer (AK) Wien durchgeführte Studie, deren Ergebnisse am Donnerstag bei einer Pressekonferenz präsentiert wurden. Das größte Risiko besteht demnach in der Altersgruppe der 14-bis 24-Jährigen. Generell sind mehr als zwei Drittel der Kaufsuchtgefährdeten bzw. -süchtigen Frauen.

Für die Studie wurden 1.000 Menschen ab 14 Jahren von Gallup Österreich/Karmasin Motivforschung im Oktober persönlich interviewt. In der Altersgruppe bis 24 sind demnach fast 56 Prozent deutlich oder stark kaufsuchtgefährdet bzw. süchtig, bei den Mädchen bzw. jungen Frauen laufen sogar 70 Prozent Gefahr, die Kontrolle über ihr Shopping-Verhalten zu verlieren. In der Gruppe der 25- bis 44-Jährigen sind es an die 30 Prozent, bei den 44- bis 60-Jährigen gut 23, bei den Menschen über 60 knapp 17 Prozent.

69 Prozent der Menschen mit der Neigung zu ungebremstem Shoppen sind weiblich. Weitere "Risikofaktoren" neben Alter und Geschlecht sind der Familienstand, nämlich ledig oder verwitwet, sowie politisches Desinteresse und das Shoppen im Internet. Die österreichweit wenigsten Kaufsuchtgefährdeten gibt es laut der Studie in Vorarlberg und Tirol, die meisten in Niederösterreich, der Steiermark und in Salzburg.

Im Vergleich zu einer entsprechenden Erhebung im vergangenen Jahr ergab sich insgesamt praktisch keine Veränderung - Karl Kollmann von der Abteilung Konsumentenpolitik der Wiener AK sprach von einer "Stagnation auf hohem Niveau, das wir uns in diesem Ausmaß nicht erwartet haben", da die Fachleute angesichts der Wirtschaftskrise mit einem Rückgang der Zahl der Gefährdeten gerechnet hatten. Kaufsucht ist offenbar in Österreich ein größeres Problem als in Deutschland, wo nach Angaben Kollmanns laut im vergangenen Jahr durchgeführten Studien nur 19 bzw. zehn Prozent der Menschen kaufsuchtgefährdet oder kaufsüchtig waren. Der Experte meint, dass diese Unterschiede unter anderem darauf zurückzuführen sind, dass die Menschen in Österreich eher materialistisch orientiert sind und sich durch Einkaufen soziale Anerkennung erhoffen bzw. diese auch bekommen.

Für ein Drittel der 14- bis 24-Jährigen und 25 Prozent der unteren Einkommensgruppe ist der Konsum dezidiert ein Weg, "dem unerfreulichen Alltag zu entkommen". 41 Prozent aus dieser Gruppe erklärten, oft einen unerklärlichen Drang, einen plötzlichen dringenden Wunsch zu verspüren, loszugehen und irgendetwas zu kaufen. "Das ist dramatisch", sagte Kollmann, "ich glaube, da gibt es dringenden Handlungsbedarf." Der AK-Konsumentenpolitiker fordert unter anderem Konsumentenbildung in der Schule und mehr Prävention auch durch Schuldnerberatungsstellen. Dort kommt die Vorbeugung laut Kollmann völlig zu kurz - mangels Kapazitäten.