Airbus stürzt vor den Komoren ab: Nur ein einziges 14-jähriges Mädchen hat überlebt

153 Menschen waren an Bord des Yemenia-Air-Jets Fluglinien-Sprecher: "Flugzeug war technisch gesund"

Airbus stürzt vor den Komoren ab: Nur ein einziges 14-jähriges Mädchen hat überlebt © Bild: Reuters/Mukoya

Flugzeugkatastrophe vor der Inselkette der Komoren: Ein Airbus A310 der jemenitischen Yemenia Air mit 153 Menschen an Bord ist im Landeanflug in den Indischen Ozean gestürzt. Rettungskräfte konnten ein 14 Jahre altes Mädchen lebend aus dem Wasser ziehen. Zudem wurden bis zum Nachmittag drei Leichen gefunden, wie ein Sprecher des komorischen Verkehrsministeriums sagte.

Ein Sprecher der Zivilluftfahrtbehörde des Jemen gab die Zahl der Insassen von Flug IY 626 mit 142 Passagieren und elf Besatzungsmitgliedern an. Die Maschine, die bei einer Inspektion vor zwei Jahren in Frankreich wegen technischer Mängel aufgefallen war, verschwand bei schlechtem Wetter kurz nach Mitternacht wenige Minuten vor der geplanten Landung in der komorischen Hauptstadt Moroni von den Radarschirmen.

Es ist das zweite Airbus-Unglück innerhalb eines Monats: Am 1. Juni war ein A330 der Air France mit 228 Menschen an Bord auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris aus ungeklärter Ursache in den Atlantik gestürzt.

Maschine war 19 Jahre alt
Der Airbus A310 kam aus der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. Ein Teil der Passagiere war zunächst mit einem Airbus A330 von Paris über Marseille nach Sanaa geflogen. Dort stiegen sie in den 19 Jahre alten A310 um, der nach einer Zwischenlandung in Dschibuti um ein Uhr früh (MESZ) in Moroni landen sollte.

Eine Augenzeugin berichtete, die Maschine sei brennend ins Meer gestürzt. Die Absturzstelle des Flugzeugs wurde rund 20 Kilometer nördlich der Insel Grande Comore ausgemacht. Dort war auch ein Treibstoffteppich auf dem Wasser zu sehen.

"Das ist wirklich ein Wunder"
Das gerettete Mädchen ist den Angaben zufolge erschöpft, aber weitgehend unverletzt. "Das ist wirklich ein Wunder", sagte der komorische Regierungssprecher Abdourahim Said Bacar. Der Teenager, der nun in einem örtlichen Krankenhaus untersucht werde, hatte sich demnach stundenlang verzweifelt an ein Wrackstück geklammert. Nach unbestätigten Berichten soll das Mädchen zudem eine Rettungsweste getragen haben.

Bei den 142 Passagieren handelte es sich überwiegend um Komorer oder Franzosen mit komorischen Wurzeln oder doppelter Staatsbürgerschaft. Nach Angaben des Außenministeriums in Paris waren 66 Franzosen unter den Opfern. Die jemenitische Nachrichtenagentur berichtete außerdem von einem kanadischen und einem palästinensischen Passagier. Das Bordpersonal stammte aus Jemen, von den Philippinen, aus Marokko und Indonesien.

Afrikanische Einwanderer an Bord
 Ein Teil der Passagiere kam aus der Pariser Vorstadt La Courneuve, wo zahlreiche afrikanische Einwanderer wohnen. Viele waren zum Urlaub in ihre Heimat aufgebrochen. In La Courneuve sollte am Abend in einer Moschee ein Gebet für die Angehörigen stattfinden. Die Abendmesse in der Pariser Kathedrale Notre-Dame sollte ebenfalls im Gedenken an die Opfer und ihre Angehörigen zelebriert werden.

Zahlreiche Schiffe suchten nach den Opfern und Wrackteilen. Der nahe liegende Inselstaat Madagaskar beteiligte sich an der Suche. Frankreich schickte ein militärisches Transportflugzeug mit zwölf Tauchern, drei Ärzten und zwei Psychologen nach Moroni. Auch zwei französische Kriegsschiffe waren unterwegs. Auch der Hersteller Airbus sagte Unterstützung zu, ein Expertenteam sei bereits unterwegs zu den Komoren.

Die Absturzursache blieb zunächst unklar. Nach Angaben des französischen Verkehrsstaatssekretärs Dominique Bussereau wies die Maschine bei einer Überprüfung in Frankreich 2007 zahlreiche Mängel auf. "Die Fluggesellschaft (Yemenia) stand nicht auf der schwarzen Liste, aber wir haben sie im Auge gehabt. Sie sollte demnächst von einem Sicherheitskomitee der EU überprüft werden", sagte er dem Sender i-tele.

"Technisch gesund"
Yemenia wies jegliche Kritik am Zustand der Maschine zurück. "Das Flugzeug war technisch gesund", sagte Ali Sumari, der Vizedirektor der Yemenia Airlines, dem Nachrichtensender France24. "Es ist ohne irgendwelche technischen Probleme abgeflogen." Er räumte ein, dass in Frankreich Mängel aufgefallen seien. "Diese Probleme wurden beseitigt, bevor das Flugzeug gestartet ist", betonte er.

Nach zunächst unbestätigten Informationen hatte das Flugzeug wegen schlechten Wetters vor dem Absturz ein Durchstart-Manöver eingeleitet. In dem Gebiet war es in der Nacht sehr windig und regnerisch.

(apa/red)