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Airbus-Absturz:
Zweite Blackbox gefunden

Zehn Tage nach dem verheerenden Crash ist auch der Flugdatenschreiber aufgetaucht

Nach mehr als einer Woche Suche haben Einsatzkräfte den zweiten Flugschreiber der in den Alpen abgestürzten Germanwings-Maschine gefunden. Das sagte der zuständige Staatsanwaltschaft Brice Robin am Donnerstag in Marseille. Die Blackbox mit den Flugdaten war seit dem Absturz am Dienstag vergangener Woche intensiv in den französischen Alpen gesucht worden.

Der Flugdatenschreiber soll weiter Aufschluss geben über die Abläufe im Airbus A320 vor dem Absturz. Alle 150 Menschen an Bord waren gestorben. Die Staatsanwaltschaft machte keine Angaben, ob die Daten der zweiten Blackbox ausgewertet werden können. Die Daten des zweiten Flugschreibers lassen sich vermutlich auch auswerten. Der Zustand des Flugdatenschreibers lasse darauf hoffen, sagte Robin. Er sei verschüttet gewesen.

Der Flugdatenschreiber zeichnet relevante Daten wie Kurs, Geschwindigkeit, Flughöhe oder Neigungswinkel der Maschine auf. Durch das Speichern von GPS-Daten gibt es zudem Auskunft über den genauen Ort eines Unglücks - auch wenn die Trümmer wie im Fall der Germanwings-Maschine weit verstreut sind.

Die Auswertung des bereits kurz nach dem Absturz am Dienstag vergangener Woche gefundenen Voicerekorders hatte laut den Behörden ergeben, dass der Copilot die Maschine wohl vorsätzlich zum Absturz brachte. Auf einem Stimmenrekorder sind Tonaufnahmen der Gespräche von Pilot und Co-Pilot sowie weitere Geräuschen im Cockpit gespeichert. Dies war auch beim abgestürzten Airbus der Fall, der von der französischen Untersuchungsbehörde BEA in Paris ausgewertet worden war.

Aufgrund der Aufzeichnungen des Stimmrekorders hatten die Ermittler den mutmaßlichen Ablauf vor dem Unglück mit 150 Toten nach eigenen Angaben bereits teilweise rekonstruieren können. Demnach hatte der deutsche Copilot Andreas Lubitz, der früher wegen schwerer psychischer Probleme mit Suizidgefahr in Behandlung war, die Maschine absichtlich gegen eine Felswand in den Alpen gesteuert. Den Kapitän des Flugzeuges hatte der 27-jährige Copilot, nachdem dieser auf die Toilette gegangen war, aus dem Cockpit ausgesperrt.

Einschlägige Internet-Suchen des Co-Piloten

Zusätzlich wurde bekannt, dass sich der Copilot vor dem Absturz im Internet über Arten und Umsetzungsmöglichkeiten einer Selbsttötung informiert hat. Auch nach Sicherheitsmechanismen von Cockpittüren habe er gesucht, wie die Staatsanwaltschaft Düsseldorf am Donnerstag mitteilte. Bis einen Tag vor dem Absturz habe der Copilot in Internetsuchmaschinen entsprechende Begriffe zu Suizid und Sicherheitsmechanismen von Cockpittüren eingegeben. Die Ermittler hätten in der Düsseldorfer Wohnung des 27-Jährigen ein Tablet gefunden und die Daten darauf ausgewertet.

Durch den Browserverlauf konnten die entsprechenden Suchanfragen für die Zeit vom 16. bis 23. März nachvollzogen werden. Den Angaben zufolge informierte sich der Copilot im Internet auch über medizinische Behandlungsmöglichkeiten. Der Copilot wird verdächtigt, seinen Kollegen aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine mit Absicht in die Katastrophe gesteuert zu haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler war er vor Jahren suizidgefährdet.

Deutschland installiert Arbeitsgruppe

Experten der deutschen Luftfahrtbranche wollen ungeachtet dessen über weitere Konsequenzen aus dem Absturz der Germanwings-Maschine mit 150 Toten beraten. Eine Arbeitsgruppe soll nach Ostern starten und auch künftige Ermittlungsergebnisse aufnehmen, wie der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Klaus-Peter Siegloch, ankündigten.

Die neu eingerichtete Expertengruppe soll unter anderem über mögliche Veränderungen der Regeln zur festen Verriegelung der Cockpittüren beraten, hieß es am Donnerstag. Geprüft werden sollen auch weitere medizinische und psychologische Checks, mit denen die Flugtauglichkeit von Piloten festgestellt wird. In dem Gremium vertreten sein sollen die Flugbetriebschefs der großen deutschen Airlines, Flugmediziner sowie Verbände der Piloten und Flugbegleiter.

Das deutsche Verkehrsministerium und das Luftfahrtbundesamt sollen eingebunden werden. Vorschläge sollen an europäische und internationale Behörden, Branchenverbände und Luftfahrtorganisationen weitergeleitet werden. "Die Aufgabe dieser Taskforce ist offen", sagte Siegloch. "Es ist wichtig, dass wir nicht zu übereilten Beschlüssen kommen." Wichtig sei, ausgiebig über Vor- und Nachteile möglicher Änderungen zu beraten. Denkbar sei auch, dass bestehende Regeln bestätigt würden. Bis zu ersten Erkenntnissen würden sicherlich nicht Monate vergehen.

Kommentare

Roy2010
Roy2010 melden

Ich stelle die Frage, wer hat schuld wegen Airbus-Absturz,-suizidgefährdet Copilot Andreas Lubitz oder Germanwings Fluggesellschaft?

Denksport melden

Schuld ist unsere ganze Gesellschaft, weil es uns eh meist egal ist, wie es anderen Menschen wirklich geht, und wir uns mehr um uns selbst kümmern. Wir zeigen gerne mit dem Finger auf Andere, anstatt dass wir uns mal die Hände reichen. Wir haben alle selber Schuld daran, was um uns herum passiert. Ganz besonders wenn es um Suizid geht.

strizzi1949
strizzi1949 melden

Auf das wäre ich nie selber gekommen, dass ich selber Schuld bin, wenn ich Selbstmord begehe!

Nudlsupp melden

Interessante Frage Roy. Was mich interessieren würde, wie der gesetzliche Rahmen war bzw. ist. War es eine Schlamperei, oder war es innerhalb der gesetzlichen Regularien daß eine derartige Vorerkrankung kein Hindernisgrund war, da zum Zeitpunkt der Ausbildungsbeginns die Flugtauglichkeit festgestellt wurde.

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