Minuten des Grauens von

Absturz: Protokoll des Todesflugs

"Mach die verdammte Tür auf" - Stimmrekorder gibt Aufschluss über Unfallhergang

Bergungsarbeiten nach Absturz des Airbus A320 in Frankreich © Bild: Reuters/Gonzalo Fuentes

Während die Suche nach der zweiten Blackbox der vermutlich mit Absicht zum Absturz gebrachten Germanwings-Maschine weiter geht, wurden die Daten des bereits aufgefundenen Flugschreibers ausgewertet. Der Voice Recorder soll helfen, Aufschluss über die Unfallursache zu geben. Anhand des Protokolls lässt sich der Hergang der Katastrophe rekonstruieren.

Zu Beginn des Flugs läuft alles wie gewohnt. Die Maschine hat 26 Minuten Verspätung - der Pilot entschuldigt sich bei den Fluggästen und verspricht, die verlorene Zeit wieder aufzuholen, so "bild.de". Die folgenden 20 Minuten lassen keine Vermutung über irgendetwas Ungewöhnliches zu. Pilot und Copilot unterhalten sich. Erster erzählt seinem Kollegen, dass sich der Gang zur Toilette für ihn in Barcelona nicht mehr ausgegangen wäre. Darauf hin bietet der Copilot an, er könne jederzeit übernehmen. Der Pilot geht auf dieses Angebot zunächst nicht ein.

© REUTERS/BEA/Handout Die Überreste des Stimmrekorders

10.27: Die Reiseflughöhe von 11.600 Metern Höhe ist erreicht. Der Pilot bittet seinen Kollegen, die Landung in Düsseldorf vorzubereiten. Die Antwort des Copiloten ist nach Aussage des französischen Staatsanwaltes "lakonisch". Auch Worte wie "hoffentlich" und "mal sehen" sollen auf dem Band zu hören sein. Klar ist jedoch nicht, in welchem Zusammenhang diese Worte gefallen sind. Nun bietet der Copilot dem Flugkapitän erneut an, auf die Toilette zu gehen.

»"Du kannst übernehmen."«

10.29: Mit den Worten "Du kannst übernehmen" überlässt der Pilot dem Copiloten die Steuerung der Maschine. Man hört, wie ein Sitz zurückgeschoben wird, eine Tür zuschnappt. Der Pilot hat das Cockpit verlassen. Der Copilot hat nun die Verantwortung für die Maschine. Kurz darauf wird der Sinkflug eingeleitet. Der Flieger verliert konstant an Höhe. Man hört, wie jemand Zutritt zum Cockpit verlangt. Der Copilot antwortet jedoch nicht. Man hört ihn bloß atmen. Seine Atmung klingt der Staatsanwaltschaft zufolge normal.

© REUTERS/BEA/Handout Die Blackbox

10.32: Der Kontroll-Tower kontaktiert das Flugzeug. Wieder keine Antwort seitens des Copiloten. Die Fluglotsen setzen einen Notruf ab, da die Maschine weiter an Höhe verliert.

»"Um Gottes willen, mach die Tür auf!"«

10.35: Aufgrund des stetig fortschreitenden Höhenverlusts erklingt das automatische Alarm-Signal "Sink Rate". Von außen ertönt ein lauter Knall. Der Pilot versucht, die Cockpit-Türe einzutreten. Auf dem Stimmrekorder sind die Worte "Um Gottes willen, mach die Tür auf!" zu vernehmen. Einige Momente später ein lautes metallisches Geräusch. Hier versucht der Pilot wohl, die Cockpit-Türe mit einer Axt zu öffnen. Das Flugzeug befindet sich jetzt nur mehr 5.000 Meter über dem Boden. Der Pilot ruft: "Mach die verdammte Tür auf!".

10.38: Unaufhaltsam bewegt sich die Maschine auf das Bergmassiv zu. Keine Antwort aus dem Cockpit. Alles, was auf dem Stimmrekorder zu hören ist, sind die laut Staatsanwaltschaft nach wie vor ruhigen Atemgeräusche desselben. Im Hintergrund die Schreie der Passagiere. Kurz darauf zerschellt die Maschine an den Bergen.

Kommentare

Was mich mehr interessiert, ist die rechtliche Würdigung und die Folgen für die Lufthansa, die jetzt scheinbar doch wusste, daß es psychische Vor-Erkrankungen gab und daraus keine Konsequenzen ableitete. Wie erklärt man das den Hinterbliebenen von 150 Todesopfern.

Zwiegespraech

Immer wieder köstlich zulesen welch seichte Kommentare hier von Besserwissern abgegeben werden.

Heinz Kurtz

Daß wirklich traurige an dieser Cockpittür-Geschichte ist, daß ein Terrorist diese Tür ohne weiteres aufbekommt. Oder glaubt jemand im Ernst, daß die Piloten seelenruhig im Cockpit sitzen bleiben während draußen Frauen und Kinder abgestochen werden? Banken haben auch Sicherheitstüren, kaum nimmt man eine Geisel wird der Tresor aufgesperrt...

Christian Windeck
Christian Windeck melden

Man möge mir bitte mal erläutern warum der Pilot mit einer Axt auf die Toilette geht. Denn für gewöhnlich lagert die im Cockpit hinten rechts an der Innenwand, also außerhalb der Reichweite des Piloten.
Wer jetzt behauptet das stimmt nicht den frage ich warum man den Passagieren jedes Taschenmesser abnimmt wenn man neben die Toilettentür eine Feueraxt hängt

Just-The-Truth melden

Flugzeuge mit mehr als 200 Plätzen müssen eine zweite Axt mitführen. Und diese Axt wird nicht im Cockpit gelagert bzw. muss/ist für Passagiere nicht erreichbar. Diese Werkzeug wird mitgeführt um an Brandherde zu gelangen, die hinter einer Abdeckung entstehen können.

Christian Windeck
Christian Windeck melden

Spricht da ein insider?
Laut Airbus hat ein a320 übrigens nur 150 (maximal 180) Sitzplätze. http://www.airbus.com/aircraftfamilies/passengeraircraft/a320family/a320/

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