Flugzeugkatastrophe von

Airbus-Absturz:
Das Leid der Angehörigen

Expertin vom Roten Kreuz über die Trauerarbeit und was den Angehörigen schadet

Airbus-Absturz in Frankreich: Angehörige trauern um ihre Liebsten. © Bild: APA/EPA/YOAN VALAT

Über 300 Angehörige sind nach dem Germanwings-Absturz in den französischen Alpen zur Unglücksstelle gereist. Sie wollen sich verabschieden, von ihren Liebsten, die bei dem Unglück ums Leben gekommen sind. Die Reise zum Unglücksort sei für die Trauerarbeit sehr wichtig, sagt Barbara Juen, Leiterin des Kriseninterventionsteams des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK). Sie klärt darüber auf, wie es für die Angehörigen nun weitergeht, wenn sie wieder in ihren Alltag zurückkehren und warum vor allem die Angehörigen der Crew und des Copiloten unter der derzeitigen Situation leiden.

Die Reise nach Seyne-les-Alpes, dem Unglücksort, ist für viele Freunde und Familienangehörige der Opfer im Moment das Wichtigste. Nur dort können sie Abschied nehmen. "Vor allem, wenn man nicht die Chance bekommt, den Leichnam zu sehen", sagt Barbara Juen. Für die Hinterbliebenen sei es wesentlich, dass sie sich den Opfern nahe fühlen können. Daher komme dem Ort des Absturzes eine große Bedeutung zu.

Wie es für die Angehörigen weitergehen soll

Nach dem Schaffen einer Anlaufstelle für die Angehörigen und dem Besuchen der Unglücksstelle, "ist eine weitere gute Nachbetreuung der nächste Schritt", erklärt die erfahrene Kriseninterventions-Spezialistin. Die Angehörigen würden bald wieder in ihre Wohnorte zurückkehren, dann endet die erste Trauerbegleitung, aber eine regionale Betreuung sei weiterhin notwendig, zusätzlich zu einer zentralen Anlaufstelle. Der nächste wichtige Schritt sei die Identifizierung der Leichname, damit eine Beerdigung stattfinden kann.

Expertin: "Geht nicht nur um Entschädigungssumme"

Für die Betroffenen ist nicht nur eine psychologische Betreuung wesentlich: Sie brauchen auch eine rechtliche, versicherungstechnische oder finanzielle Unterstützung, wie die Expertin mitteilt. Es könne bei einigen Hinterbliebenen durchaus existenziell werden, wenn der Familienerhalter plötzlich weg ist, so Juen.

Mittlerweile hat Germanwings eine Soforthilfe für jede Familie in der Höhe von 50.000 Euro beschlossen. "Es geht für die Betroffenen weniger darum, wie hoch die Summe ist, als darum, dass jemand die Verantwortung für das Geschehene übernimmt", sagt Barbara Juen. Die Summe müsse aber angemessen sein, sonst würden sich die Angehörigen vor den Kopf gestoßen fühlen.

Katastrophe für Angehörige des Copiloten

Was die Angehörigen zu Beginn der Trauerphase vor allem wollen, sind Informationen. Dabei spielen Medien eine wichtige Rolle, so Juen. Aber eine gewisse Berichterstattung kann den Hinterbliebenen in ihrer Trauer auch schaden: Für die Angehörigen des Copiloten und der Crew sei es eine Katastrophe gewesen, dass der Name genannt worden ist und Fotos in Umlauf gekommen ist. "Das ist für sie sicher der Worst Case", teilt die Leiterin des ÖRK-Kriseninterventionsteams mit.

Für die anderen Angehörigen seien die in den Medien veröffentlichten Spekulationen ebenfalls schlecht in Bezug auf die Trauerarbeit. Was die Betroffenen jetzt also brauchen, sind gesicherte Informationen. "Sie müssen das Gefühl haben, dass die Behörden gut recherchieren", sagt Juen. In dieser Hinsicht seien schnelle oder übereilte Lösungen in Bezug auf Sicherheitsmaßnahmen kontraproduktiv. Solange nur einzelne Teile bekannt werden, sei es für die Angehörigen schwierig. Wichtig sei daher möglichst eine vollständige Aufklärung der Unglücksursache. Damit man am Ende zu einer Form von Alltag und Normalität zurückkehren kann, ohne dabei die Verstorbenen zu vergessen.

Familie und Freunde der Opfer haben bereits um Zurückhaltung der Medien und um Verständnis gebeten, dass sie in Ruhe trauern wollen.

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