Flugzeugunglück von

Airbus-Absturz: Debatte um
Schweigepflicht entbrannt

Psychotherapeuten und Piloten gegen Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht

Airbus-Absturz in Frankreich: Einsatzkräfte suchen die Trümmern ab. © Bild: REUTERS/Gonzalo Fuentes

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine ist eine Diskussion über die Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht für sensible Berufe wie Piloten entbrannt. Den bisherigen Ermittlungen zufolge soll der 27 Jahre alte Copilot des Unglücksfluges das Flugzeug absichtlich in den französischen Alpen zum Absturz gebracht haben.

Der Präsident der deutschen Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), Rainer Richter, lehnt eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht ab. "Die Schweigepflicht ist in Fällen, in denen Patienten andere Personen gefährden, nicht das Problem", sagte Richter der Deutschen Presse-Agentur. "Schon jetzt sind Ärzte und Psychotherapeuten befugt, die Schweigepflicht zu durchbrechen, wenn sie dadurch die Schädigung Dritter verhindern können. In Fällen, in denen es um Leben und Tod geht, sind sie dazu sogar verpflichtet."

Eine Lockerung der Schweigepflicht für bestimmte Berufe mit hohem Berufsrisiko könnte nach Ansicht des Psychotherapeuten Richter derartige Katastrophen nicht verhindern. Das Problem sei "die grundsätzliche Schwierigkeit, bei einem Menschen die Absicht, sich und insbesondere Dritte zu schädigen, verlässlich zu erkennen und die Ernsthaftigkeit einzuschätzen". Auch eine Jahre zurückliegende Behandlung einer Depression lasse eine Vorhersage einer späteren Suizidgefährdung nicht zu.

Piloten klar gegen Lockerung

Die Vereinigung Cockpit (VC) ist klar gegen eine Lockerung der Schweigepflicht im Fall von Piloten: "Das kann nur jemand sagen, der von der Materie gar keine Ahnung hat", sagte der Präsident der Piloten-Gewerkschaft, Ilja Schulz, der "Rheinischen Post" (Dienstag). "Wenn mein Arzt von der Schweigepflicht entbunden ist, werde ich ihm gegenüber kein Problem ansprechen, weil immer die Angst vorm Fluglizenzentzug mitschwingt", so Schulz. "Besteht die Schweigepflicht, kann der Arzt dagegen echte Hilfe anbieten."

Der Arbeitsrechtsexperte des Arbeitgeberverbandes BDA, Thomas Prinz, forderte im "Tagesspiegel" (Dienstag) sehr wohl eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht in bestimmten Fällen. "Wenn Arbeitnehmer, die in sicherheitsrelevanten Bereichen arbeiten, psychische Probleme haben, sollte eine unabhängige staatliche Stelle davon erfahren", argumentierte er. Dies könne etwa das Gesundheitsamt sein. Das gleiche gelte für Seuchen.

Suche nach Opfern fortgesetzt

Die Suche nach Opfern des Germanwings-Absturzes ist am Dienstag in den französischen Alpen fortgesetzt worden. Die Arbeiten waren über Nacht unterbrochen worden. Die Retter konzentrieren sich nach Angaben der Gendarmerie neben der Bergung der Leichen auf die Suche nach dem Flugdatenschreiber des vor einer Woche abgestürzten Flugzeugs.

Die Daten sollen weitere Erkenntnisse zum Geschehen im Airbus vor dem Absturz liefern. Zu der schwer zugänglichen Unfallstelle wird weiter ein Weg für Geländewagen geschaffen, um schweres Bergungsgerät in das Gebiet bringen zu können. Auf diese Weise sollen die Teams auch dann zur Absturzstelle gebracht werden können, wenn Hubschrauber wegen schlechter Witterungsbedingungen nicht eingesetzt werden können.

Mexiko verschärft Cockpit-Regelung

Als Reaktion auf den Absturz der Germanwings-Maschine ist unterdessen auch in Mexiko die Zwei-Personen-Regel in Cockpits eingeführt worden. Falls der Flugkapitän die Kabine verlasse, müsse künftig ein Mitglied der Besatzung seinen Platz einnehmen, sagte Gilberto Lopez von der mexikanischen Flugaufsichtsbehörde. Dadurch solle sichergestellt werden, dass der Pilot nach seiner Abwesenheit wieder ins Cockpit gelassen werde. Die Neuregelung tritt binnen 48 Stunden in Kraft.

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