Ahtisaari erhält Friedensnobelpreis 2008:
Ex-Präsident für Vermittlereinsätze geehrt

Bei Konfliktbeendigung in Kosovo und Aceh beteiligt Betancourt rechnete vergeblich mit Auszeichnung

Ahtisaari erhält Friedensnobelpreis 2008:
Ex-Präsident für Vermittlereinsätze geehrt © Bild: AP/Lehtikuva

Der finnische Ex-Präsidenti Ahtisaari erhält den Friedensnobelpreis 2008. Der 71-jährige Diplomat und ehemalige stellvertretende UNO-Generalsekretär wird für viele internationale Vermittlerdienste zur Beendigung von Kriegen und Konflikten, insbesondere seine Kosovo-Tätigkeit, geehrt. Als seine herausragende Leistung gilt die Beendigung des Bürgerkriegs in der indonesischen Unruheprovinz Aceh 2005.

Ahtisaari gilt weltweit als einer der erfahrensten Diplomaten mit zahlreichen Vermittlereinsätzen auf der Weltbühne. Seine sechs Jahre als finnisches Staatsoberhaupt von 1994 bis 2000 blieben nur ein Zwischenspiel im ständigen Friedensdienst für internationale Organisationen. Für den berühmtesten Preis der Welt aus Oslo wurde er seit mehreren Jahren zum engsten Favoritenkreis gerechnet.

Vermittlung in Aceh
Ahtisaari vermittelte erfolgreich im Bürgerkrieg zwischen der indonesischen Regierung und der Separatistenbewegung "Freies Aceh". Für die Vereinten Nationen befasste sich der ehemalige stellvertretende Generalsekretär mit heiklen Sicherheitsproblemen im Irak, am Horn von Afrika und in Zentralasien. Seine letzte Mission als UN-Beauftragter für den Status des Kosovo galt als nicht sonderlich erfolgreich. Der Balkankonflikt gehörte schon 1991 bis 1993 zu seinem Arbeitsgebiet, als er Chef einer UN-Arbeitsgruppe Bosnien-Herzegowina war. 1999 verhandelte Ahtisaari erfolgreich im Dienst von UNO und EU über die Beendigung des Kosovo-Krieges in Belgrad.

Nach seiner Ablösung im höchsten finnischen Staatsamt 2000 gründete er in Helsinki das kleine Institut CMI, das sich mit Krisenmanagement befasst. Von hier aus übernahm er Aufträge wie im Jahr 2000 die Überwachung einer Entwaffnungsaktion bei der nordirischen Untergrundorganisation IRA.

Dämpfer für Ingrid Betancourt
Mit der Vergabe Ahtisaari hat das norwegische Komitee der franko-kolumbianischen Politikerin Ingrid Betancourt einen Dämpfer verpasst. Die im Sommer aus den Händen von Rebellen befreite Betancourt hatte schon eine Pressekonferenz für den Fall organisiert, dass sie als Preisträgerin bekanntgegeben würde. Diese sollte zu Mittag im Pariser Nobelhotel Le Meurice stattfinden. Das Solidaritätsbündnis "Agir avec Ingrid" ("Mit Ingrid handeln"), das sich jahrelang für ihre Freilassung eingesetzt hatte, schickte den Medien außerdem im Voraus eine Presseerklärung, die im Falle des Falles veröffentlicht werden sollte.

"Das Nobelpreiskomitee richtet eine starke Botschaft an die Geiselnehmer und Terroristen, die ungestraft mit der Freiheit jedes menschlichen Wesens spielen, indem es den Nobelpreis an Ingrid Betancourt vergibt", hieß es in der voreiligen und nun hinfälligen Erklärung, aus der "Le Parisien" trotz Sperrfrist zitierte. (apa/red)