Ahmadinejad von

Eklat bei UNO-Versammlung

Empörung nach anti-israelischen und -amerikanischen Tiraden von Irans Präsident

Ahmadinejad - Eklat bei UNO-Versammlung © Bild: Reuters

Ahmadinejad hat erneut für einen Eklat gesorgt: Irans Präsident sparte bei seinem Auftritt vor der UNO-Generalversammlung nicht mit anti-israelischen und anti-amerikanischen Tiraden. Mehrere Delegationen - darunter auch die österreichische - verließen während seiner Rede den Saal.

Der islamistische Politiker zog wenige Tage nach dem zehnten Jahrestag die Hintergründe der 9/11-Anschläge in Zweifel und nannte die Anschlagserie mit fast 3.000 Toten "mysteriös". Die USA, die er als "arrogante Macht" bezeichnete, überzögen all diejenigen mit Sanktionen und Krieg, die den Holocaust leugneten und die Anschläge des 11. September hinterfragten, so Ahmadinejad.

Internationale Empörung
Aus Protest gegen die Rede verließen zunächst die amerikanische und kurz darauf die österreichische und zahlreiche weitere westliche Delegationen den Saal der Vollversammlung. Ahmadinejad hat wiederholt zur Zerstörung Israels aufgerufen, das er nur als "zionistisches Gebilde" bezeichnet. Diesmal warf er den USA vor, "den Zionismus als heilige Ideologie" zu verherrlichen. Ansonsten stellte er minutenlang Fragen, die die Geschichte der letzten Jahrhunderte aus seiner Sicht umfassten: "Wer hat so viele Menschen aus Afrika verschleppt und den Kontinent kolonisiert? ... Wer hat den Ersten und Zweiten Weltkrieg ausgelöst, die Kriege in Korea und Vietnam und den Massenmord an den Palästinensern? ... Welches Land gibt 1.000 Milliarden Dollar für Rüstung aus, dominiert die Weltwirtschaft und ist für deren Krise verantwortlich. ... Wer wirft Bomben, versorgt aber nicht die Hungernden in Somalia? ... Kann die Blume der Demokratie aus den Raketen und Gewehren der NATO blühen?"

Verbaler Rundumschlag
Die USA sei für Kriege und die Finanzkrise verantwortlich, so Ahmadinejad. Er forderte den Westen zu Entschädigungszahlungen wegen der Sklaverei auf. "Sie unterstützen offiziell Rassismus", sagte Ahmadinejad. "Sie schwächen Länder durch militärische Interventionen und zerstören ihre Infrastruktur, um ihre Ressourcen zu plündern und sie von sich abhängig zu machen." Die, die sich "freiheitliche Demokratien nennen" bezeichnete er als "Wurzel des Bösen", als "Sklavenmeister und Kolonialherren von damals".

Westliche Absprache
Ahmadinejad habe die Chance gehabt, das Streben seiner Landsleute nach "Freiheit und Würde" anzusprechen, sagte der Sprecher der US-Delegation, Mark Kornblau. "Aber stattdessen hat er sich erneut abstoßenden antisemitischen Verunglimpfungen und verachtenswerten Verschwörungstheorien zugewendet." Aus französischen Delegationskreisen hieß es, die Europäer hätten sich im Voraus auf das Verlassen des Saales verständigt, sobald Ahmadinejad den Holocaust erwähne.

Härtere Gangart gegen Dikatoren
Großbritanniens Premierminister David Cameron forderte indes eine härtere Gangart gegen Diktatoren. "Wir mögen Friedensverträge unterschreiben. Aber wenn wir tatenlos zusehen, wenn Menschen abgeschlachtet werden, was sind diese Unterschriften dann wert." Die Vereinten Nationen müssten Gelegenheiten wie die Befreiungsbewegung in den arabischen Ländern nutzen. "Niemand sagt, dass das einfach ist. Aber es ist unsere Aufgabe." Der "Arabische Frühling" sei die größte Befreiungsbewegung seit der in Osteuropa 1989. "Das ist eine Herausforderung für alle. ... Für Palästinenser und Israelis, wieder zu verhandeln. Und für Iran und Syrien, ihren Völkern endlich die Freiheit zu gewähren, auf die sie ein Recht haben." Es sei aber auch eine Herausforderung für die Vereinten Nationen, anders zu agieren und aktiver zu werden. "Dann können wir Demokratie und weltweites Wachstum schaffen, wenn wir die Gelegenheiten richtig nutzen."