Ärztekammer fordert mehr Maßnahmen gegen Medikamentenmangel

von Ärztekammer fordert mehr Maßnahmen gegen Medikamentenmangel © Bild: APA/APA/THEMENBILD/EXPA/ STEFANIE OBERHAUSER

Engpässe und Lieferprobleme bei verschiedenen Arzneigruppen

Wegen des Mangels bei bestimmten Medikamenten in den vergangenen beiden Wintern hat die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) am Mittwoch bessere Maßnahmen eingefordert. Auch in der nun zu Ende gehenden Erkältungssaison habe es Engpässe gegeben, erinnerte ÖÄK-Präsident Johannes Steinhart an das Covid-Mittel Paxlovid und an Verteilungsprobleme beim um die Rezeptgebühr erhältlichen Grippe-Impfstoff. Der wichtigste Punkt sei "Unabhängigkeit" und Produktion in Europa anzusiedeln.

Um Produktionsstätten nach Europa und auch Österreich zu holen, müssten von der Politik Rahmenbedingungen geschaffen werden, betonte Steinhart. Es dürfe keine "Parallelexporte" geben und das Preisgefälle müsse in den Griff bekommen werden. Dafür "wären natürlich auch faire Preise bei den Medikamenten notwendig", sagte der ÖÄK-Präsident bei einer Pressekonferenz in Wien.

Die diesen Winter eingerichteten Wirkstofflager, um Arzneien in Apotheken herstellen zu können, würden "ganz gut" klingen. Ein Problem sei aber die Logistik. Außerdem ist "mit den Ablaufdaten schwer einzuschätzen, was man tatsächlich einlagert". Die Stärkung des Produktionsstandortes Österreichs und gemeinschaftliche Maßnahmen seien bessere Maßnahmen gegen den Medikamentenmangel. Auch ÖÄK-Vizepräsident Harald Mayer sah das Wirkstofflager nur "kurzfristig" hilfreich. "Das selbstgefällige Beklatschen der Politik für diese Idee halte ich für entbehrlich."

Die Wirkstofflager wurden bisher nicht benötigt, es habe aber auch bei Medikamenten für die Erkältungsperiode Mangel beziehungsweise Lieferengpässe gegeben, wurde bei dem Medientermin betont. Edgar Wutscher, ebenfalls ÖÄK-Vizepräsident, ortete auf Nachfrage einen "gewissen Gewöhnungseffekt" in der Bevölkerung, dass im abgelaufenen Winter nicht so viel Aufregung um das Thema herrschte, wie im vorangegangenen Winter. Steinhart verwies auch auf den Mangel bei Blutdrucksenkern, Krebsmedikamenten, Arzneien zur Behandlungen von Erkrankungen des Nervensystems oder für den Magenschutz.

Der ÖÄK-Präsident sprach sich weiterhin gegen eine Wirkstoffverschreibung, statt der Verschreibung bestimmter Arzneimittel, aus. Das sollte sich Österreich "leisten, als reiches Land, dass wir eine gewisse Auswahl haben", sagte Steinhart. Europaweit sei es interessant, neben den nationalen auch internationale Strategien anzulegen. Es bestehe "hoher Bedarf zu handeln", sagte er bereits mit Blick auf den nächsten Herbst und Winter.

Der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) pflichtete der Ärztekammer bei, dass es sinnvoll wäre, die entsprechenden Rahmenbedingungen für eine europäische Medikamentenproduktion zu schaffen. Diese werde Geld kosten, sowohl "beim Auf- und Ausbau von Werken als auch bei den Produkten selbst. Gleichzeitig schafft die Arzneimittelproduktion Arbeitsplätze, Vor-Ort-Investitionen und generiert damit wieder Wertschöpfung", erläuterte Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog in einer Aussendung.