Ärzte planen umfangreicche Proteste: Aber nicht alle unterstützen den möglichen Streik

Privatspitäler und KAV stellt Beteiligung in Frage Scharfe Kritik von Parteien an geplantem Ärzte-Streik

Nicht alle Ärzte wollen offenbar am 8. November streiken. Sowohl die Gewerkschaft im Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) als auch die Privatspitäler stellten die Beteiligung an den von der Ärztekammer angekündigten Betriebsversammlungen in Frage. Indes wurde bekannt, dass - sollte die Politik nicht den Forderungen der Ärzte nachgeben - umfangreiche Protestmaßnahmen geplant sind.

"Wir angestellten Ärzte des Wiener KAV erklären uns gegen jede Verschlechterung im niedergelassenen Bereich solidarisch. Die Patientenversorgung in den Spitälern der Gemeinde Wien wird jedoch am 8. November in vollem Umfang gewährleistet sein", stellte Doris Lubec vom KAV klar.

Und der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten und Vorsitzende im KAV, Bernhard Harreither, betonte: "Wenn Ordinationen sperren, werden wir nicht gleichzeitig in den öffentlichen Spitälern willkürlich einen Notbetrieb herbeiführen." Einigen handelnden Personen sei offenbar das richtige Augenmaß verloren gegangen, kritisierte er die Ärztekammer.

Privatspitäler gegen Streik-Beteiligung
Auch die Privatspitäler sprachen sich gegen eine Streik-Beteiligung aus. Streik im Gesundheitswesen zur Durchsetzung von Verhandlungspositionen gehe alleine zulasten der Patienten, hieß es dort.

Die Ärztekammer plant unterdessen nach dem für 8. November angekündigten Streik weitere Protestmaßnahmen. So sind für den gleichen Tag Kundgebungen in allen größeren Städten vorgesehen. Wenn die Politik nicht auf die Forderungen der Ärzte eingeht, sind in Folge ab November weitere Schließtage von Ordinationen und eine Großkundgebung in Wien geplant. Im Dezember soll dann ein "Patientenbegehren" gegen die "Verstaatlichung der Medizin" eingeleitet werden. Angedacht wird auch eine Auflösung aller Kassenverträge.

ÖVP, SPÖ und Grüne kritisierten den angekündigten Ärzte-Streik. ÖGB-Präsident Hundstorfer rief zu weiteren Gesprächen auf.

Bittner glaubt nicht, dass gestreikt wird
Der Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK), Franz Bittner, glaubt nicht, dass die Ärzte am 8. November tatsächlich streiken. Er sehe den Streitpunkt nicht, "das ist ein Sturm im Wasserglas", sagte er gegenüber der "Presse" - und wirft den Standesvertretern "kollektives Aufschaukeln" vor. Denn die Punkte, die die Ärzte teilweise zurecht monierten, seien mittlerweile ausgeräumt.

(apa)