"Ärzte ohne Grenzen" schlagen Alarm:
Simbabwe von Hilfslieferungen abhängig

Schwerste Cholera-Epidemie erschwert die Lage Streik des staatlichen Gesunheitspersonals

Die Lage in Simbabwe ist alarmierend. "Es geht nicht nur um die Cholera", betonte Ulrike Schelander, Geschäftsführerin von CARE Österreich. Vielmehr müsse befürchtet werden, "dass schon im Jänner fast die Hälfte der gesamten Bevölkerung von Nahrungsmittelhilfe abhängig sein wird". Die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat seit August in Simbabwe mehr als 11.000 Patienten behandelt und im ganzen Land Dutzende Cholera-Behandlungszentren eröffnet.

In fast allen Provinzen des Landes wurden Cholera-Fälle identifiziert, berichtete Ärzte ohne Grenzen. Mehr als 500 nationale und internationale Mitarbeiter sind im Einsatz. Harare war das Zentrum des Ausbruchs. "Ein solches Ausmaß und eine so extrem hohe Infektionsrate vor allem in Harare ist noch nie dagewesen", berichtete ein Epidemiologe von Ärzte ohne Grenzen, der in den vergangenen sieben Jahre regelmäßig in Simbabwe tätig war. Die Hauptursachen sei der fehlende Zugang zu sauberem Wasser, kaputte und blockierte Abwasserleitungen und mit Mist überfüllte Straßen.

Ein MSF-Nothilfekoordinator in Harare beschrieb die Situation so: "Zum Beispiel gibt es nur ganz wenig Strom, so dass kaum Licht vorhanden ist. Für die Ärzte und Schwestern ist es daher schwierig, die Patienten, die sie behandeln, überhaupt zu sehen. Und die Schwestern müssen große Mengen an Infusionsbeuteln überwachen und sicherstellen, dass sie nicht ausgehen, was im Dunkeln bei einer so großen Anzahl von Patienten auch schwer durchzuführen ist."

Ausbruch schon vor Regenzeit
Der Ausbruch sei auch deswegen besonders besorgniserregend, da er bereits einige Zeit vor der Regenzeit begann. Mit Beginn des starken Regens könnten ungeschützte Wasserquellen verseucht und Cholera dadurch noch weiter verbreitet werden. Eine zusätzliche Herausforderung, besonders in Harare, war der Streik des staatlichen Gesundheitspersonals. Dadurch musste Ärzte ohne Grenzen rasch Hunderte von Krankenschwestern und anderes Personal rekrutieren.

"Ein Choleraausbruch von diesem Ausmaß hält normalerweise mehrere Monate an," sagte der Epidemiologe. Im Kampf gegen die Krankheit in Simbabwe sind auch drei MSF-Mitarbeiter aus Österreich im Einsatz.

In Simbabwe benötigen mehr als fünf Millionen Menschen Nahrungshilfe, sagte Schelander von Care. "Wir verteilen derzeit in Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm der UNO jeden Monat Nahrungsmittel an nahezu 900.000 Menschen."
(apa/red)