Fakten von

Ärger über Trumps
Golfplätze in Schottland

Lügen und falsche Versprechungen - Regierungschefin Sturgeon weigert sich den US-Präsidenten bei Besuch persönlich zu treffen

Treffen mit anderen Regierungschefs sind kraftraubend, das weiß auch Donald Trump. Deshalb wird der US-Präsident während seines Besuchs in Großbritannien voraussichtlich auf seiner Luxus-Golfanlage in Turnberry südwestlich von Glasgow logieren und den ein oder anderen Golfball einlochen. In Schottland, dem Geburtsort seiner Mutter, löst seine Anwesenheit am Wochenende allerdings wenig Begeisterung aus.

Die Chefin der schottischen Regionalregierung, Nicola Sturgeon, weigerte sich, Trump bei seinem Besuch persönlich zu treffen. Schottische Abgeordnete hatten sogar gefordert, Trump die Landeerlaubnis in Glasgow zu verweigern. Im Zentrum des Unmuts steht eine zweite Golfanlage nördlich der Hafenstadt Aberdeen, mit deren Bau sich Trump die Sympathien der Schotten in den vergangenen Jahren gründlich verscherzt hat.

2006 sah dabei noch alles vielversprechend aus: Mit Enthusiasmus begrüßten viele Einwohner die Pläne des Milliardärs aus Übersee für den Trump International Golf Links im Nordosten Schottlands. Rund 570 Hektar hatte Trump erstanden, um dort "den besten Golfplatz der Welt" zu bauen. 6.000 Arbeitsplätze wolle er schaffen und mehr als eine Milliarde Euro investieren - so die vollmundige Ankündigung.

Von der schottischen Regierung, damals noch angeführt von der Labour-Partei, wurde Trump gar zum Botschafter für Investitionen ernannt. Zwölf Jahre später fällt die Bilanz mies aus: Ein Zehntel der angekündigten Summe wurde investiert, bisher haben nur 650 Menschen fest oder zur Aushilfe auf dem Golfplatz bei Aberdeen gearbeitet.

Bei Umweltschützern und Anwohnern hatte sich von Anfang an Widerstand gegen die Anlage geregt. Doch die Regierung überging die Proteste. Mit dem damaligen Regierungschef und leidenschaftlichen Golfer, Alex Salmond, pflegte Trump ein herzliches Verhältnis.

Das bekam erst einen Knacks, als dem Immobilienmogul das ausgewiesene Ziel der Regierung in die Quere kam, Schottland zum Vorreiter im Bereich erneuerbarer Energien zu machen. Die Aufstellung "hässlicher" Windkrafträder vor der Küste bei Aberdeen in Sichtweite seines Golfplatzes war ihm ein Gräuel. Um den Windpark zu verhindern, machte er sich persönlich auf ins schottische Parlament.

Dort argumentierte er unter anderem, sein Golfplatz fördere den Tourismus und ernähre die Region. Die Windräder hingegen würden Touristen abhalten und wirtschaftlich "schrecklichen Schaden" anrichten. "Ich bin der Beweis", erwiderte Trump, als Abgeordnete ihn nach Belegen für die angeblich verheerenden Auswirkungen der Windkrafträder fragten. In Wahrheit ist die Zahl der Besucher aus Übersee in Schottland in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Er werde seine gesamten Investitionen in Schottland abzuziehen, sollte der Windpark gebaut werden, drohte der Immobilienmilliardär Trump. Doch stattdessen kaufte er einen dritten Golfplatz, in der Nähe des ersten bei Turnberry.

Das Timing dabei sorgte zusätzlich für Aufsehen: Die Eröffnung, für die er persönlich 2016 nach Schottland kam, fand am Tag nach dem Brexit-Referendum statt. Die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen, begrüßte Trump euphorisch. Aber die Schotten sprachen sich in der Abstimmung mehrheitlich für einen Verbleib in der EU aus.

Vergangene Woche wurde die letzte Turbine im Windpark bei Aberdeen in Betrieb genommen. "Ein bekannter Golfplatzbesitzer aus Amerika, der sich meines Wissens nach mittlerweile der Politik zugewandt hat", sei vergeblich gerichtlich gegen den Bau dieses Windparks vorgegangen, stichelte Regierungschefin Sturgeon bei dieser Gelegenheit. An Trumps Golfplätzen wird an diesem Wochenende mit Demonstrationen gerechnet.

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