Ägypten von

Schüsse und Tränengas in Kairo

Sicherheitskräfte gehen weiter hart gegen Demonstranten auf dem Tahrir-Platz vor

Ägypten - Schüsse und Tränengas in Kairo © Bild: Reuters/Dalsh

Ägyptische Sicherheitskräfte sind wieder mit Schusswaffen, Schlagstöcken und Tränengas gegen Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo vorgegangen. Hunderte Demonstranten widersetzten sich dem Versuch, den Platz zu räumen. Daraufhin fielen Schüsse. US-Außenministerin Hillary Clinton zeigte sich unterdessen "schockiert" über die Gewalt gegen Frauen bei den Protesten in Ägypten.

Ein Aktivist berichtete: "Sie haben Jagd auf Demonstranten gemacht und alles verbrannt, was ihnen im Weg war - auch Medikamente und Decken". Demonstranten hatten versucht, eine Mauer einzureißen, die das Parlament von dem Platz abschirmt. Ein Mitglied der Sicherheitskräfte beschuldigte Aktivisten, das Parlament zerstören zu wollen. Kairo erlebt seit Freitag die schwersten Zusammenstöße seit dem Volksaufstand, der im Februar zum Sturz von Präsident Hosni Mubarak führte. Nach Angaben von Ärzten starben bisher 13 Menschen. Die Demonstranten protestieren für einen schnelleren Übergang zu einer Zivilregierung.

Die "systematische Erniedrigung ägyptischer Frauen" entehre die Revolution, bringe "Schande über den Staat" und sei "einem großen Volk nicht angemessen", sagte Clinton in ungewöhnlich kritischen Worten am Montag (Ortszeit) in einer Rede an der Georgetown University in Washington.

Auch Frauen werden angegriffen
Für Empörung hatte zuletzt ein Video im Internetportal YouTube gesorgt, in dem zu sehen ist, wie Soldaten eine verschleierte Frau schlagen, über den Boden schleifen und sie dabei bis auf den BH entblößen. Das Militär hatte den Vorfall eingeräumt. Auf anderen Bildern in sozialen Netzwerken im Internet war beispielsweise zu sehen, wie ein Militärpolizist eine weinende ältere Frau mit einem Schlagstock bedroht.

Clinton sprach von einem "entsetzlichen Missbrauch". "Journalistinnen wurden sexuell belästigt, und jetzt werden Frauen angegriffen und geschlagen." Obwohl sich die Frauen genauso in der Revolution engagiert hätten wie Männer, würden sie nun von der Macht ausgeschlossen und zudem noch erniedrigt. Es handle sich um "kriminelles" Verhalten, das in Ägypten thematisiert werden müsse, sagte Clinton.