Ägypten von

Mursi ruft zum Dialog

Obama zeigt sich besorgt über Gewalt – Hauptquartier der Muslimbrüder brennt

Mursi ruft zum Dialog auf © Bild: Reuters/REUTERS TV

Ägyptens islamistischer Präsident Mohammed Mursi gibt nicht nach. In seiner ersten Ansprache seit Beginn der blutigen Ausschreitungen in Kairo ging er am Donnerstagabend mit keiner Silbe auf die Forderungen der Opposition ein. Den Oppositionellen bot er ein Treffen am kommenden Samstag an. Beobachter vermuten jedoch, dass die Führung des liberalen Oppositionsbündnisses um Mohammed ElBaradei und Amre Mussa dieses Angebot nicht annehmen wird, da Mursi ihre Forderungen nicht erfüllen will. Präsident Obama zeigte sich unterdessen über das Ausmaß de rGewalt besorgt. Unter anderem stand das Hauptquartier der Muslimbrüder in Kairo in Flammen.

Bei den Dialog-Gesprächen solle es um die Ausgestaltung eines Wahlgesetzes und eines Zeitplans für das umstrittene Verfassungsreferendum gehen. Der Sprecher der Oppositionsallianz Nationale Heilsfront, Hussein Abdel-Ghani, sagte gegenüber Reuters: "Wir sind noch dabei die Rede des Präsidenten und sein Gesprächsangebot zu bewerten. Wir diskutieren es mit unseren Mitgliedern und der Jugend."

Mursi gab den Gegnern der Islamisten die Schuld an der Gewalt und verteidigte seine Machtpolitik. Der Islamist, der im Juni als Kandidat der Muslimbrüder zum Präsidenten gewählt worden war, sagte, die Mehrheit der Ägypter, die ihm ihre Stimme gegeben hätten, müsse nun über die Zukunft des Landes entscheiden. "Ist das nicht Demokratie?", fragte er.

Überarbeitung der Verfassung gefordert

Die liberalen und linken Parteien verlangen eine Überarbeitung des von den Islamisten formulierten Entwurfs für eine neue Verfassung. Außerdem bestehen sie auf einer Verschiebung der Volksabstimmung über die Verfassung, die für den 15. Dezember geplant ist. Mursi lehnt das ab. Sollte die Mehrheit der Bürger gegen den Entwurf stimmen, sei er aber bereit, eine neue Verfassungsgebende Versammlung einzuberufen, fügte er hinzu.

Von der Opposition wurde Mursis Rede mit Entsetzen und Spott aufgenommen. Einige Revolutionsaktivisten verglichen seine Rhetorik mit der seines Vorgängers Hosni Mubarak. Auch Mubarak hatte bei Kritik an seiner Amtsführung stets die Angst vor einer ausländischen Verschwörung geschürt.

Obama ist besorgt

US-Präsident Barack Obama hat sich gegenüber dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi in einem Telefongespräch am Donnerstag "ernsthaft beunruhigt" über den Tod und die Verwundung von Demonstranten gezeigt. Obama habe betont, dass die Pflicht ägyptischer Politiker sei, ihren Anhängern klar zu machen, dass Gewalt "unakzeptabel" sei, hieß es aus dem Weißen Haus.

Der US-Präsident habe sich erfreut über Mursis Dialogangebot an die Opposition gezeigt und diese dazu aufgerufen davon Gebrauch zu machen. Allerdings dürfe es von beiden Seiten keine Vorbedingungen geben, hieß es weiter.

Muslimbrüder-Hauptquartier in Flammen

Das Hauptquartier der islamistischen Muslimbruderschaft in der ägyptischen Hauptstadt Kairo ist Donnerstagabend von Demonstranten angezündet worden. Dies verkündete die Partei der Muslimbruderschaft "Freiheit und Gerechtigkeit" auf ihrer Facebookseite und sprach von "terroristischer Aggression" durch Verbrecher. Die staatliche Nachrichtenagentur MENA berichtete von einem Feuer in einem Büro der Muslimbrüder im südlich von Kairo gelegenen Vorort Maadi sowie einem Einbruch in einem Büro in der Nähe des Stadtzentrums.

Unterdessen hat die erste Oppositionsgruppe das Dialogangebot des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi zurückgewiesen: Auf ihrer Facebookseite erklärte die "Bewegung des 6. Aprils", die bereits im Widerstand gegen den ehemaligen ägyptischen Diktator Hosni Mubarak eine wichtige Rolle gespielt hatte, sie werde nicht mit Mursi sprechen. Stattdessen werde sie am Freitag an weiteren Protesten gegen Mursi teilnehmen.

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