Ägypten von

Mursi festgenommen

Abgesetzter Präsident "vorsorglich" verhaftet - Experten-Regierung an der Spitze

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    Hunderttausende Menschen jubelten auf dem Tahrir Platz über die Festnahme des islamistischen Staatschefs Mursi.

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    Hunderttausende Menschen jubelten auf dem Tahrir Platz über die Festnahme des islamistischen Staatschefs Mursi.

Die ägyptische Armee hat die Festnahme des von ihr abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi bestätigt. Mursi werde "vorsorglich" festgehalten, sagte ein ranghoher Armeevertreter am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Dies könnte darauf hindeuten, dass eine Strafverfolgung Mursis geplant ist.

Ein ranghoher Vertreter der Mursi nahestehenden islamistischen Muslimbruderschaft hatte zuvor gesagt, Mursi und seine engsten Mitarbeiter seien von der Armee unter Hausarrest gestellt worden. Mursi sei später von seinen Getreuen getrennt und ins Verteidigungsministerium in Kairo gebracht worden, sagte Gehad al-Haddad, ein ranghohes Mitglied der Muslimbrüder und Sohn von Mursis nationalem Sicherheitsberater Essam Al-Haddad.

Die Sicherheitskräfte nahmen nach eigenen Angaben zudem den Führer der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit - des politischen Arms der Muslimbrüder - Saad al-Katatni, sowie den stellvertretenden Chef der Muslimbrüder, Rashad Bajumi, fest. Laut der staatlichen Zeitung "Al-Ahram" wird nach 300 Mitgliedern und Führern der Muslimbruderschaft gefahndet.

Verfassungsgerichtspräsident als Staatsführer

Die Armeeführung hatte Mursi am Mittwochabend entmachtet und Verfassungsgerichtspräsident Adli Mansur übergangsweise mit der Staatsführung betraut. Vorausgegangen waren tagelange Massenproteste gegen den islamistischen Präsidenten, dem seine Gegner vorwerfen, die Revolution von 2011 verraten zu haben. Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern des Präsidenten waren seit Ende Juni fast 50 Menschen getötet worden.

Neuwahlen geplant

Armeechef Abdel Fatah al-Sissi kündigte die Bildung einer Regierung aus Fachleuten an. Die islamistisch geprägte Verfassung soll außer Kraft gesetzt und überarbeitet werden. Zudem soll es rasch Neuwahlen zum Präsidentenamt geben. Ein Zeitplan wurde nicht genannt.

Bei nächtlichen Krawallen sind nach Angaben staatlicher Medien mindestens ein Dutzend Menschen getötet worden. Wie ägyptische Medien am Donnerstag berichteten, kamen bei Zusammenstößen zwischen Mursi-Anhängern und dessen Gegnern mindestens sechs Menschen in der nördlichen Stadt Marsa Matruh ums Leben. In dem Küstenort sind die Islamisten sehr stark. Drei Tote habe es ferner in Alexandria sowie im oberägyptischen Minja gegeben. Auch in Fajum südlich von Kairo sei es zu tödlicher Gewalt gekommen.

Ashton und Obama mahnen

EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton forderte in der Nacht zum Donnerstag alle Beteiligten auf, rasch zu einem demokratischen Prozess mit der Abhaltung von freien und fairen Präsidentschafts-und Parlamentswahlen sowie der Verabschiedung einer Verfassung zurückzukehren. Sie verfolge die Entwicklung in Ägypten aufmerksam und sei sich der tiefen Spannungen in der Bevölkerung sowie der Forderungen nach einem politischen Wandel bewusst, erklärte Ashton. Sie hoffe, dass die Übergangsregierung in Kairo alle politischen Strömungen mit einschließen und Menschenrechte sowie rechtsstaatliche Prinzipien achten werde.

US-Präsident Barack Obama hat mit großer Besorgnis auf Mursis Entmachtung reagiert. "Wir sind zutiefst besorgt über die Entscheidung der ägyptischen Streitkräfte, Präsident Mursi zu entfernen und die ägyptische Verfassung auszusetzen", erklärte Obama am Mittwochabend. Die Regierung in Washington werde mögliche Auswirkungen auf US-Hilfen für Ägypten prüfen.

Der US-Präsident rief das ägyptische Militär auf, "schnell und verantwortlich" zu handeln und die Staatsgewalt sobald wie möglich wieder einer demokratisch gewählten zivilen Regierung zu übertragen. Dies müsse in einem "transparenten Prozess" geschehen, in den die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen einzubinden seien. Obama warnte vor "willkürlichen Festnahmen" Mursis und seiner Anhänger.

Die Vereinigten Staaten behielten die "sehr unbeständige Situation" in Ägypten im Auge, sagte der Präsident. "Wir glauben, dass die Zukunft Ägyptens am Ende nur vom ägyptischen Volk entschieden werden kann."

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