Ägypten von

Islamisten rufen zu Protesten auf

Muslimbrüder wollen gegen Mursis Sturz demonstrieren. Militär will Versöhnung.

Muslimbrüder protestieren in Kairo © Bild: imago/ITAR-TASS

In Ägypten haben die religiösen Kräfte für heute zu Protesten gegen den Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär aufgerufen. Der "Militärputsch" dürfe nicht hingenommen werden, hieß es am Donnerstag in einer von arabischen Medien verbreiteten Erklärung der Muslimbrüder und verbündeter Parteien. Die Armeeführung betonte das Recht aller Bürger, sich an friedlichen Protesten zu beteiligen, warnte aber zugleich vor einem Missbrauch des Demonstrationsrechts.

Das Militär hat seinerseits zur nationalen Versöhnung aufgerufen. Die Ägypter sollten auf Racheakte verzichten, hieß es in einer in der Nacht zum Freitag veröffentlichten Erklärung. Jegliche "außergewöhnlichen und willkürlichen Maßnahmen" gegen politische Bewegungen sollten vermieden werden. "Friedliche Versammlungen" und Redefreiheit seien garantierte Rechte, betonte das Militär.

Der Oberste Militärrat rief die Ägypter aber auch dazu auf, Ruhe zu bewahren und ihr Recht auf Demonstrationen nicht überzubeanspruchen. "Exzesse durch unnötige Beanspruchung dieses Rechts und mögliches unerwünschtes Verhalten wie Straßensperren, die Blockade öffentlicher Einrichtungen oder die Zerstörung von Eigentum" würden nicht geduldet.

In den vergangen Monaten war es nach Freitagsgebeten wiederholt zu Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die Jubelfeiern der Mursi-Gegner im Zentrum Kairos blieben dagegen auch am Donnerstagabend und in der Nacht zum Freitag friedlich.

Islamistische Regierungsbeteiligung?

Am Donnerstag hatte der neue Übergangspräsident Mansour nur wenige Stunden nach der Entmachtung Mursis seinen Amtseid abgelegt. Der bisherige Vorsitzende des Obersten Verfassungsgerichts kündigte an, die Islamisten an der Regierung beteiligen zu wollen. Dies schlossen die religiösen Kräfte in einer Stellungnahme kategorisch aus. Nach dem Umsturz waren zudem zahlreiche Funktionäre der Muslimbrüder, denen Mursi nahesteht, festgenommen worden. Mursi bezeichnete die Entmachtung in einer ersten Reaktion als "klaren Militärputsch". Seine Anhänger verweigerten den neuen Machthabern jegliche Zusammenarbeit.

Die Armeeführung hatte Ägyptens ersten demokratisch gewählten Präsidenten am Mittwochabend nach tagelangen, teils blutigen Massenprotesten entmachtet. Der abgesetzte Präsident wurde vom Militär in Gewahrsam genommen. In mehreren Provinzstädten kam es zu Krawallen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Kairo wurden dabei mindestens zehn Menschen getötet und fast 500 weitere verletzt. Die Entwicklung löste weltweit Sorge vor neuem Blutvergießen bis hin zu einem Bürgerkrieg aus.

Ausschluss aus Afrikanischer Union droht

Die Afrikanische Union (AU) wird Ägypten wahrscheinlich ausschließen. Die AU will sich am Freitag mit dem Thema befassen. In einer Mitteilung hieß es, die Ablösung Mursis sei gegen die ägyptische Verfassung gewesen. Die AU stufe dies dementsprechend als nicht rechtmäßigen Regierungswechsel ein.

Ein Insider sagte Reuters, in solchen Fällen sei die übliche Antwort eine Suspendierung. Die AU ist ein Zusammenschluss afrikanischer Staaten, um die Zusammenarbeit auf dem Kontinent zu verbessern. In den vergangenen Jahren hatte die Organisation immer wieder Länder ausgeschlossen, beispielsweise Madagaskar oder zwischenzeitlich Mali.

Die Weltbank hofft unterdessen, die Zusammenarbeit mit Ägypten fortsetzen zu können, wie Bankchef Jim Yong Kim am Donnerstag bei einem Besuch in Chile sagte. Es gehe um das 4,7 Milliarden Dollar (3,63 Mrd. Euro) schwere Kreditprogramm für Ägypten. Der Bankchef ergänzte, es müsse nun Ruhe bewahrt werden und so schnell wie möglich Wahlen geben.

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Ägypten kommt nun an das Anfangsstadium von Syrien. Der Rest ist bekannt.

Ignaz-Kutschnberger
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Oh du Heiliger Hans Paul, erhöre mich und bitt auch für unseren zombie in der Stunde der Not...

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