Ägypten-Geiseln sind sicher heimgekehrt:
Touristen ohne Kampf in Wüste freigelassen

Plötzliche Freilassung der Geiseln am Sonntagabend Neunzehn Personen ein einziges Auto überlassen

Ägypten-Geiseln sind sicher heimgekehrt:
Touristen ohne Kampf in Wüste freigelassen © Bild: Reuters/Eisele

Nach zehn dramatischen Tagen in der Hand von Entführern sind die Wüsten-Geiseln sicher aus Ägypten nach Deutschland und Italien zurückgekehrt. Der Sonderflug der Lufthansa wurde am Flughafen Berlin-Tegel von Vertretern der deutschen Bundesregierung empfangen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich erleichtert über das glückliche Ende der Geiselnahme. Die Rückkehrer erhielten aber keine Gelegenheit, sich zu äußern. Ihre Reisegefährten aus Italien und Ägypten berichteten, die 19-köpfige Gruppe sei am Sonntagabend sehr plötzlich und ohne Blutvergießen in der Wüste freigelassen worden.

Dies widerspricht Berichten aus Ägypten, wonach die Geiseln von sudanesischen und ägyptischen Truppen befreit worden sein sollen. Das deutsche Auswärtige Amt und das deutsche Innenministerium äußerten sich zu Details der Befreiung nicht. Es hieß lediglich, die an Ort und Stelle bereitstehenden deutschen Spezialkräfte der GSG9 und der Bundeswehr seien nicht gebraucht worden.

Die Reisegruppe - fünf Deutsche, eine in Deutschland lebende Rumänin, fünf Italiener und acht Ägypter - war am 19. September in einem entlegenen Wüstengebiet im Südwesten Ägyptens verschleppt worden. Nach Aussagen ägyptischer und italienischer Exgeiseln wurde die Gruppe im Verlauf der Entführung immer wieder verlegt und schließlich im Grenzgebiet von Sudan und Tschad versteckt. Am Sonntagabend habe man sie freigelassen und ihnen ein einziges Auto zur Verfügung gestellt, in das sich alle 19 Personen der Gruppe zwängten. Nach mehreren Stunden Fahrt sei man auf ägyptische Truppen gestoßen, teilten die Freigelassenen der AP übereinstimmend mit.

Rund 100 GSG-Spezialkräfte dabei
Die etwa 100 Spezialkräfte der deutschen Spezialeinheit GSG9, der deutschen Bundeswehr, des Bundeskriminalamts, der Bundespolizei und des THW kamen ebenfalls mit der Lufthansa-Maschine aus Ägypten zurück und präsentierten sich in Kampfmontur vor dem Flugzeug.

Bei den freigekommenen deutschen Geiseln handelt es sich nach Angaben des Auswärtigen Amts um eine 60-jährige Frau und einen 56-jährigen Mann aus Hessen, eine 69-jährige Frau und einen 37-jährigen Mann aus Baden-Württemberg sowie um einen 65 Jahre alten Mann aus Berlin. Auch eine Rumänin, die in Baden-Württemberg lebt, kam mit zurück nach Deutschland. Ein Sprecher des rumänischen Außenministeriums sagte: "Es geht ihr gut." Alle Rückkehrer machten einen gesundheitlich stabilen Eindruck. Eine der Frauen hatte ihren Kopf mit einem roten Tuch verhüllt.

Schilderung der Geiselnahme
Auch die italienischen Exgeiseln kamen zurück in ihre Heimat. Zum Hergang ihrer Entführung sagte der italienische Tourist Walter Barotto dem Sender Sky TG24: "Sie haben uns mit Gewehren angegriffen. (...) Sie haben uns alles genommen. Sie zwangen uns mit vorgehaltener Waffe, uns hinzuknien, und dann verschleppten sie uns."

Die befreite Geisel Giovanna Quaglia sagte: "In den ersten Tagen verhielten wir - ich meine vor allem uns Frauen - uns möglichst unauffällig und trugen einen Schleier. Das taten wir von uns aus, es schien uns einfach angemessen, wir suchten keinerlei Kontakt. Aber ich muss sagen, dass wir keinerlei physische Gewalt erlitten haben."

(apa/red)