Militärputsch von

Reisewarnung für Ägypten

Erneut Tote bei Ausschreitungen am "Freitag der Wut". Veranstalter sagen Reisen ab.

Zusammenstöße bei den Unruhen in Ägypten © Bild: Reuters/Hamed

Allein in der Kairoer Innenstadt sind am Freitag bei Protesten von Islamisten etwa 50 Menschen getötet worden. Das österreichische Außenministerium hat nun eine Reisewarnung für ganz Ägypten herausgegeben. Dies erfolge "aufgrund der Eskalation der letzten Tage mit so vielen Toten", erklärte Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) gegenüber der APA. "Die Sicherheit ist einfach nicht mehr gegeben." Die Reisewarnung gelte jedoch nur für geplante Reisen, Urlauber, die sich bereits im Land befänden, könnten ihre Reise fortsetzten.

Er habe am Mittwoch zwei Mitarbeiter in die Tourismusorte Sharm el-Sheikh und Hurghada geschickt, fügte der Außenminister hinzu. "Die Lage dort ist derzeit noch ruhig", für den Notfall habe man jedoch Vorsorge getroffen. "Denn die letzten Tage haben gezeigt, wie schnell die Lage eskalieren kann", so Spindelegger. Neben Österreich haben auch die Schweiz und Tschechien eine generelle Reisewarnung für Ägypten ausgegeben. Deutschland und Polen raten vor nicht unbedingt nötigen Reisen in das Krisenland ab.

Eine Reisewarnung bedeutet auch, dass Urlauber ihre Reisen kostenlos stornieren könne. Bereits vor der Verschärfung der Sicherheitshinweise, haben zahlreiche Veranstalter Reisen nach Ägypten abgesagt. Thomas Cook und TUI wollen bis einschließlich 15. September keine neuen Urlauber in das Krisenland schicken, Ruefa riet zu Umbuchungen. Air Berlin teilte am Freitagabend mit, bis einschließlich 15. September keine neuen Buchungen für Flüge nach Ägypten anzunehmen, die AUA will ihre Flüge jedoch vorerst planmäßig durchführen.

5.000 Österreicher in Ägypten

Rund 5.000 Österreicher befinden sich nach Angaben der Reiseveranstalter gegenwärtig in Ägypten - der Großteil (75 Prozent) in Hurghada und etwa ein Fünftel in Sharm el-Sheikh. Der Rest verteilt sich auf kleinere Badeorte am Roten Meer wie etwa Marsa Alam. Die Unruhen in Ägypten haben auch Auswirkungen auf die diplomatischen Beziehungen: Der Betrieb in der österreichischen Botschaft in Kairo könne aufgrund der Situation in Kairo derzeit nicht offen gehalten werden, sagte der Außenminister. Das Botschaftspersonal sei jedoch weiterhin vor Ort, es gehe ihm "soweit gut".

Auch die diplomatischen Kanäle zu Ägypten seien weiterhin offen. Er sei jedoch "sehr besorgt, ob die Demokratie aufrechterhalten werden kann, wenn das so weitergeht", fügte Spindelegger hinzu. Dies habe er am Freitag auch telefonisch mit seinem deutschen Amtskollegen Guido Westerwelle besprochen. Gemeinsam habe man sich an EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton gewandt und einen Sonderministerrat für kommenden Montag oder Dienstag verlangt. Angesichts der Situation seien "andere Töne der EU" nötig, man könne "nicht einfach zusehen".

Veranstalter sagen Reisen ab

Der Reiseveranstalter TUI hat alle Reisen nach Ägypten abgesagt. Dies gelte für alle Buchungen bis einschließlich 15. September. Die Absage gilt für die Marken TUI, 1-2-Fly, Airtours und Discount Travel. Das Unternehmen reagierte damit auf einen am Vormittag aktualisierten Reisehinweis des deutschen Auswärtigen Amtes, in dem das Ministerium von Reisen in alle Teile Ägyptens abrät. Bisher war lediglich dringend von Reisen nach Kairo, Oberägypten und von Nilkreuzfahrten abgeraten worden. Nun gilt die Reisewarnung für alle Teile des Landes.

Auch die größte österreichische Reisebürokette Ruefa, die zur Verkehrsbüro Group gehört, rät ihren Kunden zu Umbuchungen. "Wir sind da vorsichtig und haben natürlich auch Anfragen gehabt - auch das Außenministerium rät vor nicht dringend notwendigen Reisen nach Ägypten ab", sagte Unternehmenssprecherin Birgit Reitbauer. Neubuchungen nach Ägypten führt der Reiseveranstalter jedenfalls vorerst keine mehr durch.

Der österreichische Reiseveranstalter Thomas Cook Austria sagt bis einschließlich 15. September sämtliche Reisen in das Land ab. "Wir werden vorerst keine neuen Gäste nach Ägypten bringen und bereits gebuchte Reisen absagen", teilte eine Unternehmenssprecherin der APA heute, Freitag, mit. Kunden, die bereits eine Reise nach Ägypten gebucht hätten, würden entsprechend informiert. Auf Wunsch werden ihnen alternative Reiseziele angeboten. Derzeit befinden sich diversen Reiseveranstaltern zufolge rund 5.000 Urlauber in dem Land - der Großteil (75 Prozent) in Hurghada und etwa ein Fünftel in Sharm el Sheikh. Der Rest verteilt sich auf kleinere Badeorte am Roten Meer wie etwa Marsa Alam.

Blutvergießen in Ägypten

Das Nachrichtenportal "Al-Ahram" meldete, sieben Menschen seien im Kugelhagel ums Leben gekommen, als sich die Polizei und angreifende Islamisten ein Gefecht um die Esbekiya-Polizeistation in Kairo lieferten. Die Polizeistation liegt in der Nähe des Ramses-Platzes, auf der die zentrale Kundgebung der Muslimbruderschaft stattfand. Zehn Menschen starben, als sich die Polizei in der Provinz Kafr al-Sheikh Islamisten entgegenstellte, die versuchten, das Gouverneursgebäude und eine Polizeistation zu stürmen. Dutzende von Angreifern und Polizisten wurden nach Angaben des Innenministeriums verletzt.

Vier Demonstranten wurden demnach in der Stadt Ismailia von der Polizei erschossen. Fünf Tote und 15 Verletzte zählte die Polizei in der Stadt Damietta, wo Anhänger von Ex-Präsident Mursi ebenfalls eine Polizeistation angriffen. Ein Polizist wurde in Neu-Kairo an einer Straßensperre erschossen. Ein junger Mann starb bei einem Schusswechsel zwischen Polizisten und Demonstranten neben einer Moschee in Al-Arish auf der Sinai-Halbinsel. In der Oasenstadt Fayoum wurden nach Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei fünf Leichen und 20 Verletzte in ein Krankenhaus gebracht.

Kommentare

Oberon

Nicht einmal, wenn sie mich mit einer Sänfte herumtragen, würde ich in Ägypten Urlaub machen wollen, und das will schon was heißen.
Wer trotz Reisewarnung trotzdem hin "muss", der spielt russisch Roulette.
Die in Ö lebenden Ägypter, die gerade jetzt Heimaturlaub machen wollen, sollten sich überlegen, ob sie dann nicht gleich dort bleiben wollen!

brauser49

Das ist der (vorläufige?) Ruin von Ägyptens Fremdenverkehr und Tausende werden in der EU Arbeit suchen denn von Datteln und Frueh-Erdäpfeln werdens nicht leben koennen !

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