Ägypten von

Angriff auf Sinai-Grenzposten

Mindestens 16 Tote. Präsident Mursi kündigte harte Antwort auf Anschlag an.

 Ägypten - Angriff auf Sinai-Grenzposten © Bild: Reuters/Cohen

Bei einem Überfall auf einen ägyptischen Sinai-Kontrollposten an der Grenze zu Israel sind am Sonntag 16 Soldaten ums Leben gekommen. Das berichtete das ägyptische Staatsfernsehen. Sieben Soldaten seien verletzt worden. Nach israelischen Angaben wurden mehrere Terroristen getötet. Der Terroranschlag hat infolge schwerer Schuldzuweisungen eine strategische Bedeutung erhalten.

In der Nacht aüberfielen als ägyptische Grenzschutzpolizisten verkleidete Unbekannte einen ägyptischen Grenzposten. Laut Verteidigungsminister Barak wurden zwölf oder dreizehn ägyptische Grenzschützer getötet. Die Attentäter bestiegen daraufhin einen "großen Kleinlaster" und ein Panzerfahrzeug, mit dem sie in Richtung israelische Grenze fuhren. Der Kleinlaster explodierte aus unbekannten Gründen, während das Panzerfahrzeug über die Grenze hinweg auf eine "kleine israelische Militäreinheit" zufuhr, zu der auch ein Panzer gehörte. Ein israelischer Kampfhubschrauber setzte das in Ägypten gekaperte gepanzerte Fahrzeug außer Gefecht. Zwei Männer flohen aus dem getroffenen Panzerwagen und wurden von israelischen Soldaten erschossen. Zeitgleich wurden israelische Kibbuzim nahe der Grenze mit Raketen aus dem Gazastreifen beschossen, während die israelische Bevölkerung aufgefordert wurde, die Schutzräume aufzusuchen.

Israelische Behörde warnte vor geplanten Anschlägen
Die israelische Behörde gegen Terror hatte in den vergangenen Tagen eindringlich vor geplanten Anschlägen und Entführungsversuchen gewarnt. Alle Israelis wurden aufgefordert, umgehend die Ferienorte an der Sinai-Küste zu verlassen und heimzukehren. Auf diese prominent veröffentlichten israelischen Reisewarnungen reagierte Kairo verärgert. Das seien von Israel gestreute "Gerüchte", um der ägyptischen Tourismusindustrie zu schaden. Nach dem Anschlag wurde der Regierung in Kairo vorgeworfen, die israelischen Warnungen in den Wind geschlagen und den Anschlag auf die Grenzschützer nicht verhindert zu haben.

Panik bei Hamas-Organisation
Obwohl unklar ist, ob die Terroristen palästinensische Extremisten aus dem Gazastreifen sind, brach bei der islamistischen Hamas-Organisation Panik aus. "Wir haben kein Interesse, die Ägypter zu bekämpfen", sagte ein Sprecher der Hamas in Gaza. Auf Weisung der Hamas wurden alle Schmugglertunnel unter der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten gesperrt, um mögliche Attentäter daran zu hindern, in den Gazastreifen zu fliehen. Gleichwohl ist der zeitgleiche Raketenbeschuss Israels während des Anschlags ein Hinweis auf eine konzertierte Operation, an der auch eine Extremistengruppe aus dem Gazastreifen beteiligt gewesen sein könnte.

Es hat im Laufe des vergangenen Jahres mehrere Anschläge palästinensischer Extremisten entlang der zunächst kaum befestigten Grenze zwischen Ägypten und Israel gegeben, bei denen mehrere Israelis getötet und die von Palästinensern in Gaza geplant und ausgeführt worden sind. Die ägyptischen Drohungen, auch gegen mögliche Täter in Gaza vorgehen zu wollen, können für die Hamas eine fatale Auswirkung haben. Die Hamas steht ideologisch den ägyptischen Moslembrüdern nahe und ist aus ihnen hervorgegangen.

Peinlicher Beweis für Unfähigkeit Sinai zu kontrollieren
Für die neue ägyptische Regierung ist der Anschlag ein peinlicher Beweis für die Unfähigkeit der Sicherheitskräfte, den Sinai zu kontrollieren. Um Ägypten zu helfen, hatte Israel im Widerspruch zum Friedensvertrag sogar genehmigt, neben Polizei auch Militär in den Sinai zu verlegen. Der Gesichtsverlust für Kairo wäre umso schlimmer, falls palästinensische Extremisten den Anschlag ausgeführt haben, möglicherweise mit dem Ziel, Israel und Ägypten in einen Krieg zu stürzen. Daran sind beide Länder nicht interessiert sind.

Hamas unter politischem Druck
Die Hamas steht unter politischem Druck, nachdem sie Syrien als Verbündeten verloren hat und ihre Hauptquartiere in Damaskus räumen musste. Der Geldfluss aus dem Iran scheint geringer geworden zu sein. Und alle Versuche einer "Versöhnung" mit der PLO und der Regierung in Ramallah sind vorerst gescheitert. Hinzu kommen israelische Bombardierungen nach jedem Raketenbeschuss. Die Hamas hat entweder die Kontrolle verloren, oder aber sie führt einen Krieg an allen Fronten, sogar gegen ihre engsten Verbündeten, die Ägypter.

Der israelische Generalstabschef Benny Gantz äußerte Bedauern über den Tod der ägyptischen Grenzschützer und erklärte, dass dank der Aufmerksamkeit der israelischen Truppen ein "sehr großer Terroranschlag" verhindert worden sei. Der Militärsprecher betonte eine "enge Kooperation" zwischen Israel und den ägyptischen Streitkräften.

Kommentare

Und... wieder ein Angriff von Islamisten durch Israel sauber abgewehrt. Weiter so!

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