Adolf Hitler hätte die Bombe haben können:
Nuklear-Pioniere stammten aus Deutschland

Nazis ohne Interesse an jüdischen Wissenschaftlern USA nutzten Erkenntnisse von Einstein, Hahn & Co.

Adolf Hitler hätte die Bombe haben können:
Nuklear-Pioniere stammten aus Deutschland © Bild: APA/DPA

Dem deutschen Chemiker Otto Hahn gelang im Dezember 1938 in seinem Labor im Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin etwas, das er ursprünglich gar nicht gewollt hatte: Beim Versuch, mit Neutronen auf Uran zu schießen, entstand - statt wie von ihm erhofft - kein schweres "Transuran", sondern Barium - nur halb so schwer wie Uran. Damit hatte Hahn als erster einen Atomkern gespalten.

Das ihm seltsam erscheinende Ergebnis seines Experiments teilte er seiner vor den Nationalsozialisten nach Schweden geflohenen Forscherkollegin, der Physikerin Lise Meitner, mit. Diese erkannte sofort die Brisanz von Hahns Entdeckung. Die Spaltung von Atomkernen setzt ungeheure Energien frei. Sollten die Nazis diese Kraft beherrschen, hätten sie eine Vernichtungswaffe in der Hand, mit der sie die ganze Welt bezwingen könnten.

Als die Nachricht von Hahns Kernspaltungs-Experiment die Exil-Wissenschaftlergemeinde in den USA erreichte, schrillten dort die Alarmglocken. Albert Einstein informierte im August 1939 US-Präsident Franklin D. Roosevelt in einem Brief über die Möglichkeit, Uran als mögliche Energiequelle sowie für den Bau neuartiger Waffen zu verwenden. Diesen Brief sollte Einstein später als "Fehler" bezeichnen. Die US-Regierung hatte nämlich umgehend beschlossen, selbst mit Hochdruck an einer Atombombe zu arbeiten.

Von Nazis vertrieben
Dass dagegen die Nazis nicht in den Besitz dieser Waffe gelangten, lag zu einem großen Teil an ihrer Ignoranz und der Tatsache, dass sie zahlreiche der besten deutschen Wissenschaftler - von denen viele Juden waren - umgebracht oder ins Exil getrieben hatten. Außerdem hegten die braunen "Herrenmenschen" eine tiefe Abneigung gegen die "krankhaften Fantastereien" des Juden Einstein. Relativitätstheorie, Raum-Zeit-Krümmung, Umwandlung von Materie und Energie - dafür hatten Hitler und Co. kein Verständnis.

Hätten die deutschen Waffenkonstrukteure Einsteins Formel "E=mc2" für ihre praktische Arbeit zur Anwendung gebracht, hätten sie deren unermessliches Potenzial für die Kriegsführung erschließen können.

Die Formel besagt nämlich, dass die Energiemenge, die man etwa aus einem Gramm Materie gewinnen kann, so gewaltig ist, dass sie dem Quadrat der Lichtgeschwindigkeit (immerhin rund 300.000 km/h) entspricht. Aus einem Gramm Uran-235 lässt sich somit die gleiche Energiemenge erzeugen wie aus 2,7 Tonnen Steinkohle.

15 Kilogramm Uran in Hiroshima-Bombe
Um die Sprengkraft der am 6. August 1945 über Hiroshima gezündeten Bombe zu erzielen, wären 12,5 Kilotonnen des chemischen - "konventionellen" - Sprengstoffs TNT nötig gewesen. Die Bombe, die 140.000 Menschen tötete, enthielt tatsächlich nur etwa 15 Kilogramm hoch angereichertes radioaktives Uran-235.

Hahn bekam für die Entdeckung der Kernspaltung 1944 den Chemie-Nobelpreis. Seine Kollegin Meitner, die seine Messungen korrekt interpretiert und erst so verständlich gemacht hatte, ging leer aus. Während die Nazis mit der Organisierung der "Endlösung" der Judenfrage und der Erfindung von "Wunderwaffen" wie der V2 beschäftigt waren, arbeiteten die Amerikaner am "Manhattan-Project" zum Bau der Atombombe.

"Atom-Stadt" bei Los Alamos
Die amerikanische Regierung richtete im US-Staat New Mexico bei Los Alamos eine "Atom-Stadt" mit tausenden Mitarbeitern ein. Unter Leitung des Physikers Robert Oppenheimer wurde in einem aufwendigen Verfahren mittel Präzisions-Gaszentrifugen das für die Kernenergieerzeugung nötige äußerst seltene Uran-235 angereichert. Am Morgen des 16. Juli 1945 wurde die erste Atombombe der Welt gezündet.

Nur wenige Wochen zuvor war das Nazi-Imperium untergegangen. Hätte Hitler länger durchgehalten, wäre die erste Atombombe im Kriegseinsatz möglicherweise nicht auf das japanische Hiroshima, sondern auf eine Stadt im "Großdeutschen Reich" gefallen.
(apa/red)