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Macht ADHS kriminell?

Erwachsene Patienten oft auch von Depression, Ängsten und Drogensucht geplagt

Mann in Handschellen © Bild: Corbis

Eine ADHS-Erkrankung verschwindet im Erwachsenenalter nicht einfach. Eine US-amerikanische Langzeitstudie hat ergeben, dass Menschen mit ADHS häufiger Selbstmord begehen, an psychischen Störungen leiden und öfter kriminell werden. "Nur 37,5 Prozent der Personen, die wir seit Jahren beobachten, zeigen keine negativen Auswirkungen", so Studienleiter William Barbaresi.

ADHS ist die häufigste Entwicklungsstörung bei Kindern. Sie betrifft etwa sieben Prozent aller Kinder, Buben drei Mal so häufig wie Mädchen. Die US-Forscher des Boston Kinderkrankenhauses und der Mayo Klinikhaben haben die Daten von 5.718 Versuchspersonen, die zwischen 1976 und 1982 geboren wurden und bei denen ADHS diagnostiziert wurde, analysiert.

Ängste und Depressionen

Dabei zeigte sich, dass etwa ein Drittel der betroffenen Kinder auch im Erwachsenenalter unter ADHS leidet. 57 Prozent der Personen mit ADHS hatten mindestens eine weitere psychiatrische Erkrankung. 35 Prozent der Testpersonen waren drogenabhängig. Die anderen Betroffenen hatten eine antisoziale Persönlichkeitsstörung, Ängste oder Depressionen. Abgesehen davon haben betroffene Erwachsenen Schwierigkeiten damit, sich selbst zu organisieren. Häufiger Drogenkonsum könnte ein Zeichen für eine ADHS-Erkrankung sein. Außerdem kommen die Betroffen öfter mit dem Gesetz in Konflikt.

Hoher Leidensdruck

"Der Leidensdruck bei den Patienten ist hoch", sagt Patrik Boerner, Vorstandsmitglied des Verbands ADHS Deutschland. Sie seien mit einem unguten Gefühl aufgewachsen, was sich wiederum negativ auf ihr Selbstbild auswirken würde. "Viele Betroffene sind vom Jobverlust bedroht und haben wenige Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Menschen zu illegalen Maßnahmen greifen, ist hoch", sagt Boerner.

Komplexes Problem

"Das Problem wird häufig verkürzt", kritisiert Boerner. Zunächst gebe es verschiedene Stärken von ADHS, zudem würden einfache Kausalitäten als Erklärung nicht ausreichen. "Einige Menschen hatten schon das Glück, dass sie als Kind Kompensationsmechanismen erlernt haben", sagt Boerner. Diese Menschen kommen mit ADHS besser zurecht als jene ohne Strategie.

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