Acht Wochen nach schwerem Erdbeben: Radioaktivität in Fukushima Eins gesunken

Japan: Erstmals seit Katastrophe Arbeiter eingesetzt Politiker will Parlament nach Fukushima verlegen

Im hoch verstrahlten Gebäude von Reaktor 1 des zerstörten Atomkraftwerks Fukushima Eins sinkt angeblich die Radioaktivität, nachdem dort erstmals seit der Katastrophe Arbeiter eingesetzt wurden. Seit Freitag seien die Strahlenwerte kontinuierlich zurückgegangen, berichtete die Nachrichtenagentur Jiji Press und berief sich auf den Betreiberkonzern Tepco. Genauere Angaben wurden zunächst nicht gemacht.

Acht Wochen nach schwerem Erdbeben: Radioaktivität in Fukushima Eins gesunken

Die Arbeiter hatten den Reaktor am Donnerstag erstmals nach dem Beben von vor knapp zwei Monaten betreten. Ausgestattet mit Schutzmasken und Spezialanzügen sollten die Arbeiter Filter gegen die radioaktive Luft einbauen. Mit den Filtern soll die radioaktive Belastung im Gebäude so weit gesenkt werden, dass längere Einsätze möglich sind - dann am Kühlsystem.

Das AKW Fukushima Eins ist bei dem Mega-Erdbeben vom 11. März und dem anschließenden Tsunami schwer beschädigt worden, mehrfach gab es danach auch Explosionen. Die Havarie war auf der internationalen INES-Skala später auf der höchsten Stufe 7 eingestuft worden - ebenso wie der Unfall in Tschernobyl vor rund 25 Jahren.

Der Betreiber Tepco (Tokyo Electric Power Company) hatte Mitte April einen Zeitplan für die Arbeiten veröffentlicht. Das Unternehmen hofft, die Reaktoren innerhalb von drei Monaten wieder zuverlässig kühlen zu können und in neun Monaten wieder die volle Kontrolle über die Anlage zu haben.

Abgeordneter will Parlament nach Fukushima verlegen
Ein japanischer Abgeordneter will das Parlament seines Landes nach Fukushima verlegen. Dies würde nach dem verheerendem Erdbeben vom 11. März und der dadurch ausgelösten Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima ein Zeichen des Neubeginns und des Vertrauens in die Region sein, sagte Yasuhisa Shiozaki am Freitag bei einer Diskussionsveranstaltung in Washington. Der ehemalige Vize-Regierungschef von den derzeit oppositionellen Liberaldemokraten gestand ein, dass seine Idee manchem als an den Haaren herbeigezogen erscheinen möge. Aber ihm gehe es um ein Zeichen: "Ich schlage vor, das japanische Parlament nach Fukushima zu verlegen, um der Welt zu zeigen, dass wir angesichts dieses nuklearen Problems nicht einknicken."

Tausende demonstrierten gegen Kernenergie
In der japanischen Hauptstadt Tokio sind erneut tausende Menschen gegen die Nutzung der Atomenergie auf die Straße gegangen. Acht Wochen nach dem starken Erdbeben, das einen schweren Unfall in einem Kraftwerk in Fukushima auslöste, forderten die Demonstranten eine Wende in der Energiepolitik ihres Landes. "Atomkraft ist veraltet", stand auf vielen Plakaten. Der Inselstaat, der kaum über Rohstoffe verfügt, deckt bisher ein Drittel seines Energiebedarfs mit Atomkraft. Die Regierung will angesichts der schwersten Atomkatastrophe seit Tschernobyl nun zwar ihre Energiepolitik überarbeiten. Allerdings hält sie grundsätzlich an der Kernenergie fest.

Einige Demonstranten begrüßten die Entscheidung von Ministerpräsident Naoto Kan, der am Freitag angeordnet hatte, das 200 Kilometer südlich von Tokio gelegene AKW Hamaoka wegen akuter Erdbebengefahr vorübergehend stillzulegen. "Ich freue mich, dass der Regierungschef endlich handelt", sagte die 28-jährige Manami Inoue. Sie forderte aber eine vollständige Stilllegung der dortigen Reaktoren. Laut Kan soll die Anlage bis zum Bau einer Seemauer und anderer Maßnahmen zum Schutz vor Erdbeben und Tsunamis geschlossen bleiben. Medienberichten zufolge könnte dies zwei Jahre dauern.

(apa/red)