Acht Monate nach "Katrina": Amtsinhaber Nagin bleibt Bürgermeister von New Orleans

Umstrittenes Stadtoberhaupt mit 52,3 % bestätigt Nagin nach Sieg: "Stadt ist auf Wachstum eingestellt"

Ein knappes Dreivierteljahr nach dem Wirbelsturm "Katrina", der große Teile von New Orleans in Trümmer gelegt hat, hat die Stadt am Mississippi ihren umstrittenen Bürgermeister in seinem Amt bestätigt. Ray Nagin gewann die Stichwahl am Samstag mit 52,3 Prozent der Stimmen knapp vor seinem Herausforderer, Mitch Landrieu, wie das amtlich noch nicht bestätigte Auszählungsergebnis zeigte.

"Diese Stadt ist auf Wachstum eingestellt", sagte der wiedergewählte Bürgermeister vor jubelnden Anhängern. "Wir sind zum Abheben bereit." Landrieu gestand seine Niederlage ein und rief seine Wählerschaft auf, sich beim anstehenden Wiederaufbau der Stadt hinter Nagin zu stellen.

"Im ganzen Land gibt es Bürger, die bereit sind, nach New Orleans zurückzukommen, und wir werden sie nach New Orleans zurückbringen", kündigte Nagin an. "Die Wahl ist vorbei, und es ist an der Zeit, dass diese Gemeinschaft mit dem Heilungsprozess beginnt." Zur Wahl hatten Bürgerrechtsverbände Busse organisiert, um Wähler nach New Orleans zu bringen, die nach dem Hurrikan in benachbarten Bundesstaaten Zuflucht gesucht hatten. Noch in der Früh hatten beide Kandidaten bei einer Kundgebung für diese Wähler geredet und ihnen Hilfe zugesagt, wie die örtliche Tageszeitung "The Times-Picayune" berichtete.

Nagin hatte angesichts der chaotischen Zustände nach dem Zerstörungszug von "Katrina" Schlagzeilen gemacht - mit heftiger Kritik an den Bundesbehörden in deftiger Sprache. Landrieu warf ihm vor, den Wiederaufbau der Stadt nicht schnell genug vorangetrieben zu haben.

Knapp neun Monate nach dem Wirbelsturm liegen ganze Stadtviertel immer noch verlassen da; ein Teil der Anrainer, die wieder in ihre Viertel zurückkehrten, haben erst seit vergangener Woche wieder fließendes Wasser. Von 22 größeren Krankenhäusern sind nur acht wieder vollständig in Betrieb. Rund tausend Menschen waren gestorben, als der Hurrikan "Katrina" Ende August über die Stadt hinwegfegte. Von den einst rund 500.000 Einwohnern der Stadt ist erst rund die Hälfte wieder zurückgekehrt.

Der wiedergewählte Bürgermeister wird jetzt dafür zuständig sein, die Milliardensummen zu verteilen, die in den Neuaufbau der Stadt fließen sollen. Hätte Landrieu gewonnen, wäre er der erste weiße Bürgermeister der Jazzmetropole seit 28 Jahren geworden. Landrieu ist Vizegouverneur im Bundesstaat Louisiana; in den 70er Jahren hatte schon sein Vater das Bürgermeister-Amt ausgeübt. (apa/red)